Rasen vertikutieren – was Gartenfreunde dabei falsch machen können

Das Hegen und Pflegen des eigenen Gartens ist für viele Deutsche eine regelmäßige und nicht gerade unbeliebte Aufgabe. An der frischen Luft bleiben die Gedanken frei von allem Trübsal, was zählt ist einzig die Bewältigung der nächsten Pflegeschritte. In den Fällen, wo Moos zum Teil die Rasenfläche überdeckt, bedarf es eines ganzheitlichen Vertikutierens. Im engeren Sinne wird darunter ein Anritzen der Grasnarbe verstanden, was zum Ziel hat, dass ausreichend Luftzirkulation im Bereich des Bodens gegeben ist.

Rasen Nahaufnahme

Rasen bedarf einer gewissen Pflege, zu der auch das Vertikutieren gehört.
Jedoch muss auch der Vertikutierer zum richtigen Zeitpunkt eingesetzt werden,
um dem Rasen am Ende nicht mehr zu schaden als zu nützen.

Sinnvoll, sofern korrekt durchgeführt

Mit der Zeit entstehen Moos und Mulch auf ansonsten gut gepflegten Rasenflächen. Gerade bei Letzterem handelt es sich um unverrottete organische Materialien, die nicht ganz irrelevant in Bezug auf die Bodenfruchtbarkeit sind. Denn auf diesen bleibt der Boden zumeist kühl, umgekehrt kann Mulch aber auch die während des Tages aufgenommene Wärme speichern und so auch in Dunkelzeiten noch abgeben. Positive Effekte zeigen sich insbesondere bei einer verlängerten Vegetationsperiode.

Die Tatsache, dass nun zu bestimmten Zeitpunkten ein Vertikutieren empfohlen wird, hat mit der besonderen Regenerationsfähigkeit des Bodens zu tun. Grundsätzlich bietet sich hierzu ein mehr oder minder abgesteckter Bereich im Frühjahr an, zumeist um Mitte oder Ende April. Prinzipiell spricht aber auch nichts gegen ein Vertikutieren im Herbst, wobei es hier auf die jeweiligen Umstände ankommt. Ist der Boden nämlich auch nur zum Teil gefroren, würde das Vertikutieren nur teilweise Sinn ergeben. Des Weiteren muss der Boden noch soweit „intakt“ sein, dass bestimmte Bearbeitungsschritte im Vorhinein durchgeführt werden können.

Hinweis: Oftmals gibt es Schwierigkeiten, weil Rasenflächen nur unzureichend und unregelmäßig bewässert werden. Wird dann im Sommer vertikutiert, schädigt diese Maßnahme mehr als dass sie hilft.

Zeitpunkt und vorbereitende Maßnahmen vor dem Vertikutieren

Wie eingangs bereits erwähnt, kommt es im Zuge des Vertikutierens insbesondere auf den Pflegezustand des Rasens an. Nur dann lässt sich der relativ weit gefasste Zeitraum zwischen Mitte April und Ende September nutzen. Handelt es sich jedoch um intensiv genutzte Rasenflächen, mitunter mit Installationen in den Sommermonaten, empfiehlt sich eine mehrwöchige Vorbereitung zur Regeneration.

  • Zu Beginn bedarf es einer Frühjahrsdüngung. Sie ist notwendig, weil der Garten erst ab einem gewissen Zeitpunkt wieder in vollem Maße aufnahmefähig ist und ausreichend Nährstoffe verarbeiten kann. Als Orientierungspunkt gelten hierbei die in vollem Blütenstand stehenden Zwiebelblumen.
  • Erst danach sollte bis etwa vier Zentimeter abgemäht werden, danach folgen zwei Wochen Pause in Bezug auf den Zeitpunkt der Düngung. Erst dann kann die Rasenfläche vertikutiert werden.
  • Wird ohne notwendige Regenerationszeiten direkt mit dem Vertikutieren begonnen, dauert es wesentlich länger, bis sich der Rasen davon erholen kann.

Schlechtes Equipment beim Vertikutieren

Ein sach- und fachgerechtes Vorgehen ist natürlich nur dann möglich, wenn das dazu notwendige Equipment auch eingesetzt werden kann.

Benzin-VertikutiererElektro-Vertikutierer
  • Geeignet für größere Rasenflächen.
  • Steuerbar ohne störende Strom- oder Verbindungskabel.
  • Hohes Eigengewicht, wodurch selbst auf trockenen Böden eine hinreichend tiefe Grasnarbe geritzt werden kann.
  • Geeignet für nicht einheitliche, eher kleine bis mittlere Rasenflächen.
  • Risiko des zu starken „zur-Seite-Neigens“ aufgrund eines zu geringen Eigengewichts.
  • Sinnvoll sind Geräte, die problemlos beschwert werden können.

Je nach Hersteller gibt es verschieden ausgeführte Messerwalzen. Sinnvoll sind solche, die bei Defekt umgedreht und weitergenutzt werden können. Lüfterwalzen sind im Bereich der Vorderachse angebracht, sie sind sinnvoll für das mehrmalige Belüften des Rasens (ohne Einfluss auf die Grasnarbe). Es gibt je nach Modell große Unterschiede bei der Anzahl der Federkrallen. Beachtet werden muss zudem die Einstellbarkeit der Arbeitstiefe, sie bezieht sich immer auf die Gesamthöhe, nicht auf die eingestellten Maße der Walze selbst.

Grundregeln zur Anwendung beim Vertikutieren:

  • Grundsätzlich sollten nur trockene Rasenflächen vertikutiert werden, da nur auf diese Weise ein Durchmischen des fruchtbaren Bodens möglich ist.
  • Bei der Einstellung des Messers gilt es, eine ausreichend tiefe und zugleich einfach zu erreichende Grasnarbe zu setzen. Empfehlenswert sind Tiefen im Bereich von zwei oder drei Millimeter.
  • Um eine adäquate Grashöhe sicherzustellen, sollte im Vorhinein ein Abmähen auf etwa zwei Zentimeter erfolgen.
  • Empfehlenswert ist ein Vorgehen zunächst in Längsrichtung, gefolgt von sich überlappenden Querrichtungsbahnen.
  • Dabei muss konsequent und in einem relativ zügigen Tempo vorgegangen werden, anderenfalls droht eine zu starke Schädigung der Grasnarbe.
  • Sollten sich dabei kahle Stellen offenbaren, müssen diese am besten direkt im Anschluss mit neuen Samen bearbeitet werden.
Rasenmäher bei der Arbeit

Neben dem Rasen mähen gehört auch das Vertikutieren zu den wichtigen Aufgaben des
 Hobbygärtners. Vor allem im Frühjahr hilft die Pflege dem Rasen sehr, sich gegen
 Unkraut und Moss durchzusetzen.

Fazit und abschließende Bemerkungen

Das Vertikutieren eignet sich als regelmäßige Maßnahme etwa zweimal jährlich, um die Nährstoffversorgung der Gartenflächen zu erhalten und zu fördern. Je nach Art und Beschaffenheit gilt es, Besonderheiten zu beachten. So ist es beispielsweise bei gerade frisch gesätem Rasen empfehlenswert, zunächst zwei bis drei Jahre vergehen zu lassen und dann erst mit dem Vertikutieren anzufangen.

Wichtig ist beim Vertikutieren zur warmen Jahreszeit, dass dem Rasen unmittelbar danach die notwendigen Bedingungen für eine rasche Regeneration gegeben werden. Besonders trockener Rasen sollte deshalb separat bewässert werden. Generell stellt die ausreichende Bewässerung in anhaltenden Trocken- und Hitzeperioden einen Kernpunkt der Rasenpflege dar. In den Sommermonaten sollte mindestens zweimal für etwa 30 Minuten bewässert werden. Empfehlenswert sind hier Wassermengen von etwa zehn bis zwölf Liter pro Quadratmeter Rasenfläche.

Grundsätzlich dient das Vertikutieren aber aus dem Entfernen abgestorbener Pflanzenreste, die im Winter anderenfalls eine Filzschicht bilden würden. Auch wenn sich dieser Effekt nicht ganz vermeiden lässt, so hilft das Vertikutieren doch zumindest beim weiträumigen Eindämmen dieser Entwicklung. Denn bildet sich erst einmal Moos, ist die Wasseraufnahme der Rasenfläche erheblich gestört.

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