Das Sammeln der Heilpflanzen Bärentraube, Foto: Jörg Hempel Bestimmte Rechte vorbehalten
Erfahrene Sammler von Heilpflanzen und Heilkräutern wissen, dass beim Sammeln der Pflanzen einige Vorsichtsmaßnahmen zu beachten sind.
Pflanzen sofort bestimmen Jede im Freien gesammelte Pflanze muss so schnell wie möglich genau bestimmt werden. Verwechslungen können in der Naturheilkunde äußerst schwerwiegende Folgen haben können. Falls sie nicht ein sehr erfahrener Sammler sind, sollten sie sich über die zu sammelnde Pflanze vorher gut informieren. Manche Arten der Doldenblütler sind schwer zu unterscheiden und man kann bei Unkenntnis durchaus eine tödlich giftige Pflanze, z.B. den Schierling mit nach Hause bringen. Der beliebte Bärlauch wächst manchmal in Gemeinschaft mit der Herbstzeitlosen. Die Unterschiede im Äußeren sind sehr gering, der Bärlauch ist jedoch genießbar und die Herbstzeitlose verursacht jedes Jahr bei unvorsichtigen oder unkundigen Sammlern tödliche Vergiftungen.
Heilpflanzen nur an trockenen Tagen sammeln Damit die gesammelten Pflanzen nicht verschimmeln, sollte man zum Sammeln der Kräuter immer einen schönen und regenfreien Tag wählen. Heilkräuter und Heilpflanzen sollten nur ab dem späten Vormittag oder gegen Abend gesammelt werden. Die frühen Morgenstunden sind ungeeignet, sofern der Tau auf den Pflanzen noch nicht verdunstet ist und die Blüten der Pflanzen sich noch nicht geöffnet haben.
Wann sammelt man welche Pflanzenteile? In der vom Frühjahr bis zum Herbst andauernden Vegetationsperiode einer Pflanze gibt es für jedes ihrer medizinisch wirksamen Organe eine mehr oder weniger genau bestimmbaren Zeitabschnitt, währenddessen der Gehalt an medizinischen Wirkstoffen am günstigsten ist.
- Sprossen sollten im Herbst gesammelt werden - Knospen sollt man im zeitigen Frühling sammeln - Blätter sollten vor der Blüte einer Pflanze gesammelt werden - Blüten und blühende Sprossspitzen sammelt man zu Beginn der Blütezeit - Früchte werden immer im reifem Zustand gesammelt - Samen löst man erst wenn die Pflanze bereits am Austrocknen ist - Rinde kann ganzjährig gesammelt werden - Wurzeln werden nicht in der Vegetationsperiode, sondern im späten Herbst oder zeitigen Frühling gesammelt
Sammelzeit in Abhängigkeit von der Lage Die Zeit der Blüte ist bei den zahlreichen verschiedenen Pflanzenarten sehr unterschiedlich. So blüht der Huflattich in tiefer gelegenen Gebieten mit milderem Klima etwa zwischen Februar und April, erst danach erscheinen die Blätter und Früchte dieser Pflanze. Aber auch wenn der Huflattich in den tieferen Lagen bereits verblüht ist, so kann man in höheren Lagen durchaus noch blühenden Huflattich sammeln. Prinzipiell gilt für alle Pflanzen, dass je nach geographischer Breite und Höhenlage, Abweichungen von bis zu 5 Wochen auftreten.
Vorbereitung ist wichtig für das Ernten der Heilpflanzen Wenn man die richtige Pflanze gefunden und sorgfältig bestimmt hat, muss man wissen welche Pflanzenteile man benötigt. Bei einigen Arten ist die ganze Pflanze mitsamt ihrer Wurzel nützlich. Auf jeden Fall sollte man folgende Ausrüstung zum Sammeln der Pflanzen und Kräuter mitnehmen:
- Ein scharfes, stabiles Messer - Eine kleine Baumschere - Einen offenen Korb, am besten aus Weidengeflecht - Bindfaden, bzw. ein speziell zum zusammenbinden von Pflanzen geeignete Schnur aus dem Gartencenter
Kamille Foto: H. Zell, Lizenz: GFDL
Pflanzensträuße vor Ort zusammenbinden Pflanzen die als Strauß oder Bund zusammengebunden werden können bereitet man direkt vor Ort zum Trocknen vor. Man bindet diese Heilpflanzen zu Sträußen von 15 bis 20 Pflanzen zusammen. Damit die Sträuße später gut zum Trocknen aufgehängt werden können, wählt man die Länge der Schnur etwa 30 cm länger als für das Zusammenbinden der Pflanzen eigentlich notwendig ist.
Nach dem Sammeln in den Schatten Praller Sonnenschein auf die frisch gesammelten Pflanzen und Kräuter begünstigt das sofortige Verwelken der Pflanzen, dies ist bereits die erste Stufe zum Trocknen. Die in dem Korb gesammelten Pflanzen werden also nicht abgedeckt, durch das schnelle Verwelken wird die Gefahr des Verderbens, bzw. der Schimmelbildung stark reduziert. Sobald man die gesammelten Pflanzen dann nach Hause gebracht hat, müssen die Sträuße möglichst schnell zum Trocknen an einem schattigen Ort dem Luftzug ausgesetzt werden. So sinnvoll und erwünscht die direkte Sonneneinwirkung direkt nach dem Sammeln ist, so schadet längere Sonneneinstrahlung besonders den leicht flüchtigen Inhaltsstoffen einiger Heilpflanzen.
Besonders wichtig ist es, die Doldengewächse und Lippenblütler mit ihren zahlreichen flüchtigen Inhaltsstoffen, müssen spätestens nach dem Verwelken vor der Sonne geschützt bleiben, da sie sonst einen großen Teil ihrer medizinischen Wirkstoffe verlieren.
Verwendung und Verarbeitung der Heilpflanzen |