Kohlmeise

Amsel

In Europa ist die Kohlmeise die größte Meisenart und trägt den lateinischen Namen Parus major. An ihren vielfältigen Rufen kann man sich nicht nur im Frühling und Sommer, sondern auch im Winter an sonnigen Tagen erfreuen. Zudem nimmt die Kohlmeise gerne Futterhaus und Nistkasten an, sodass Gartenbesitzer diesen Vogel eingehend beobachten können.

 

Steckbrief / Aussehen der Kohlmeise

Die Körperlänge der Kohlmeise beträgt 14cm. Die Spannweite der Flügel liegt zwischen 23cm und 25cm. Eine Kohlmeise wiegt ungefähr 14 bis 22 Gramm.

Der recht kräftige Schnabel hat eine schwärzliche Färbung, wobei die Kanten leicht heller sind. Krallen und Beine sind von blaugrauer Farbe.

Erscheinungsbild männliche Kohlmeise

  • Glänzend blauschwarz sind Halsseiten, senkrecht verlaufendes Brustband, Nacken und Oberkopf
  • Ohrdecken und Wangen sind von rein weißer Farbe und werden von den blauschwarzen Gefiederpartien umrahmt
  • Die Bauchseiten und ebenso die Brustseiten fallen durch ihre zitronengelbe oder schwefelgelbe Farbe auf
  • Das schwarze, senkrecht verlaufende Band verläuft von der Brust bis zwischen die Beine
  • Im Nacken trennt ein weißes Band Rücken und Hinterkopf voneinander. Die Farbe des Bandes wird nach hinten verlaufend grünlich-gelb.
  • Die Federn an Schultern und Rücken weisen eine olivgrüne Farbe mit einem Anflug von Grau vor
  • Blaugraue Federn mit einer grünlichen Färbung befinden sich an den Oberschwanzdecken, am Bürzel und am unteren Rücken
  • Die Steuerfedern und die längeren Oberschwanzdecken haben eine dunkle blaugraue Farbe
  • Die Steuerfedern in der Mitte haben einen Schaftstrich von dunkler Farbe und die anderen Steuerfedern sind mit Innenfahnen von schwarzer Farbe versehen
  • Oberflügeldecken sind graublau gefärbt und Schirmfedern, Armschwingen und Handschwingen sind größtenteils schwarzgrau. Die Schirmfedern weisen einen hellen, grün-gelben Saum mit weißen Spitzen vor.
  • Arm- und Handschwingen haben einen schmalen, graublauen Saum mit weißen Spitzen.

Erscheinungsbild weibliche Kohlmeise

Die weibliche Kohlmeise unterscheidet sich kaum vom Erscheinungsbild des Männchens. Nur wenige Merkmale kennzeichnen das Weibchen:

  • Insgesamt hat das Weibchen mattere Farben und oberseits eine dunklere Färbung
  • Der bläuliche Glanz der Kopfplatte ist geringer ausgeprägt
  • Das schwarze Halsband ist nicht so breit wie das des Männchens und verläuft nicht durchgehend
  • Auch das senkrechtverlaufende Band auf der Brust ist matter, schmaler und manchmal mit weißen Federn durchsetzt
  • An den Armschwingen ist der graublaue Saum weniger markant

 

Aussehen Jungvögel

Das Federkleid der Jungvögel ist farblich noch nicht so ausgeprägt wie das der Altvögel. So sind die Kopfseiten einer jungen Kohlmeise sowie die Flügelbinde und das helle Nackenband von einer schmutzig-weißen oder gelblichen Farbe. Die Nackenseiten und die Kopfplatte zeigen noch keinen Glanz und diese Partien sind entweder von einem dunklen Olivbraun oder einem dunklen Grau.

Während das Großgefieder der Altvögel eine schwärzliche Färbung vorweist, ist dies bei den Jungvögeln dunkelbraun getönt. Oberschwanzdecken und Oberflügeldecken haben einen matten, olivgrünen Saum und die Decken des Unterschwanzes sind von weißer Farbe.

Die Schnäbel der jungen Kohlmeise sind noch hornfarben und die Kanten sind gelb abgesetzt. Außerdem befinden sich am Schnabel der jungen Kohlmeise noch Schnabelwinkel.

Die Geschlechtsunterschiede zeichnen sich zwar bei den Jungvögeln bereits ab, aber sie sind nur schwer zu erkennen. Bei den weiblichen Jungvögeln fehlt noch das dunkle Band unter den Wangen. Ebenso kann das Brustband noch fehlen oder es ist lediglich schwach ausgebildet.

Die Handdeckensäume sind beim weiblichen Jungvogel von einer blassgrauen, grünlichen oder bräunlichen Farbe, während sie beim männlichen Jungvogel schon denen des adulten Vogels ähnelt.

Merkmale Männchen und Weibchen

Die Geschlechtsunterschiede sind bei Kohlmeisen nur minimal. Am besten lässt sich das Geschlecht bestimmen, wenn man das schwarze Brustband und die Kopfseiten genau betrachtet:

  • Das Brustband der männlichen Kohlmeise ist recht breit. Zudem befindet sich unter dem weißen Gefieder an den Kopfseiten ein schwarzer breiter Rand. Das schwarze Brustband und der schwarze Rand sind glänzend.
  • Das Brustband der weiblichen Kohlmeise verläuft nicht durchgehend und ist schmaler als das des Männchens. Auch der schwarze Rand unterhalb der Kopfseiten ist durchbrochen und schmaler. Der Glanz an Brustband und Rand ist geringer ausgeprägt.

Ruf, Stimme, Gesang

Das stimmliche Repertoire der Kohlmeise ist sehr umfangreich. So klingt der Reviergesang der männlichen Kohlmeise laut, hoch und metallisch rein. Dieser Revierruf besteht aus zwei bis vier Silben in unterschiedlicher Tonhöhe (zum Beispiel „zi-da-tit – zi-da-tit – zi-da-tit“ oder zweisilbig „tsi-da – tsi-da“), die mehrmals (bis zu zehn Mal) wiederholt werden. Eher selten wechseln sich zweisilbige und dreisilbige Rufe ab. Das Männchen trägt die Reihe des Reviergesangs mehrfach vor, wobei dazwischen Pausen eingelegt werden. Im Frühling kann dieser Reviergesagt sogar fast pausenlos erklingen.

Nach mehrfacher Wiederholung wechselt das Männchen häufig zu einem anderen Strophentyp. Jede männliche Kohlmeise hat zwischen drei und sieben verschiedene Strophentypen in ihrem Repertoire.

Nicht nur die Silbenanzahl variiert, sondern ebenso sind Lautstärke, Betonung, Tonfolge, Tonhöhe und Tempo unterschiedlich. Es gibt noch weitere Variationen, die aber vom menschlichen Ohr so gut wie nicht wahrzunehmen sind.

Sucht ein Männchen ein Revier, so kann es anhand des Reviergesangs erkennen, wie kompetent sein Rivale bei der Verteidigung des Reviers ist. Je größer das Gesangsrepertoire, desto erfolgreicher und dominanter ist ein Männchen.

Ein Revierinhaber reagiert auf den Gesang eines Eindringlings, aber nicht auf den Gesang, der seinem ähnelt und nur wenig auf den Gesang der Nachbarschaft.

Eine weibliche Kohlmeise sucht sich in der Regel einen Partner aus, dessen Gesang wenig Ähnlichkeit mit dem ihres Vaters hat.

Männchen lassen besonders häufig einen metallisch klingenden Ruf („pink“) ertönen, der zunächst an den Ruf eines Buchfinks erinnert. Die Kohlmeise wiederholt jedoch - im Gegensatz zum Buchfink -mehrmals diesen Ruf oder verbindet ihn mit andern Lauten (zum Beispiel „zi-pink-pink-pink“). Das Männchen warnt, lockt oder alarmiert mit diesem Ruf.

Das metallische „pink“ ist oftmals auch in dem Ruf vorhanden, das die Kohlmeise erklingen lässt, wenn sie erregt oder verärgert ist. Nähert sich beispielsweise ein Bodenfeind, hört sich der Ruf mitunter schnarrend an („trrrrr“).

Rufen Partner sich bei einer kurzen Distanz, klingt der Ruf wie ein „sit“, welches mehrmals ertönt oder es wird ein weich klingendes „dü“ gerufen. Sind die Partner weiter voneinander entfernt, hört sich der Kontaktruf weich und hoch flötend an („di düi) und wird meistens mit einem sehr hohen Ton beendet.

Des Weiteren gehören zum Stimmrepertoire unter anderen noch Kontaktrufe bei fehlendem Sichtkontakt und ebenso Laute die der sozialen Verbindung dienen.

Vorkommen

Der Verbreitungsraum der Kohlmeisen umfasst Europa (Shetland, Orkney, Island und Nordrussland ausgenommen) und Teile Afrikas und Asiens. Es gibt 33 Unterarten, die wiederum in drei Gruppen Subspezies gegliedert sind. Eine vierte Gruppe der Subspezies oder auch als drei zusätzliche Unterarten stellen die sogenannten Turkestanmeisen dar (Parus bokharensis). Bei diesen Vögeln ist die Unterseite weiß oder hellgrau gefärbt.

Lebensraum

Da die Kohlmeise Nisthöhlen zum Brüten baut und eher seltener Spechthöhlen dazu nutzt, findet man diesen Vogel überwiegend in Wäldern mit einem Baumbestand, der mindestens sechzig Jahre alt ist. Dort stehen ihnen genügend Möglichkeiten zum Nisten zur Verfügung, wobei sie morsche Baumstümpfe bevorzugen.

Vereinzelt leben Kohlmeisen auch in Waldbeständen jüngeren Alters und in Randgebieten von geschlossenen Waldbereichen. Kohlmeisen ziehen zudem Wälder in Tälern den Bergwäldern vor.

Kohlmeisen sind jedoch recht anpassungsfähig und somit haben sie ihren Lebensraum auf Parks, Obstgärten, Olivenhainen, Friedhöfen und andere Grünanlagen in Stadtgebieten erweitert. Vor allem in Trockenregionen oder in höheren Berglagen bindet die Kohlmeise sich an menschliche Lebensräume.

Die Verbreitung in den Höhenlagen ist unterschiedlich. Zum Beispiel kommen Kohlmeisen in Schottland in einer Höhenlage von maximal 500 Meter vor, während sich diese Vögel im Mittelmeergebiet auch noch auf Höhen bis 1800 Meter ansiedeln.

Vor und nach der Brutzeit erstreckt sich der Lebensraum der Kohlmeise auf alle Gebietsarten, also auch auf baumlose Habitate.

Zugverhalten

Kohlmeisen gehören zu den Teilziehern. Das Zugverhalten dieser Vögel lässt sich schwer überblicken. In gemäßigten Klimazonen bleibt der Großteil der Kohlmeisen in der Nähe des Brutreviers. Aber auch in kälteren Regionen können sie Standvögel sein und binden sich dann für die Winterzeit an Städte, sodass sie aufgrund der Fütterungsstellen in Parks und Gärten gute Nahrungsquellen vorfinden.

Die Populationen, die in höheren Lagen oder in nördlichen oder östlichen Gebieten gebrütet haben, ziehen in wärmere Regionen.

Das Zugverhalten von Kohlmeisen kann jedoch generell variieren und von Jahr zu Jahr unterschiedlich sein.

Nahrung

Die Ernährung der Kohlmeise ist grundsätzlich sehr vielseitig, wobei sie sich trotzdem hauptsächlich von Insekten, Insekteneier und Insektenlarven sowie Spinnen und weitere Gliederfüßer ernährt. Andere Nahrungsquellen sind Obst, Nüsse, Sämereien, Abfälle und manchmal sogar Aas. Wird den Kohlmeisen Vogelfutter zur Verfügung gestellt, wird auch das gerne angenommen. Mit Eierschalen und Schneckenhäuser wird der Bedarf an Calcium gedeckt.

In der Brutzeit umfasst der tierische Anteil der Nahrung überwiegend Spanner- und Eulenfalterraupen. Falls nicht genügend Raupen vorhanden sind, werden Spinnentiere für die Aufzucht der Jungen genommen. Weiterhin dienen Larven und Imagines von Hautflüglern, Käfern und Zweiflüglern als Nahrung für die Nestlinge.

Das Nahrungsspektrum außerhalb der Brutzeit wird durch Buschhornblattwespen-Larven, Blattwespen-Larven, Wachsmotten, Bienen und Hummeln erweitert.

Die Kohlmeise sucht ihre Nahrung am Boden, im Bereich des Stammes und auf unteren Zweigen und Ästen. Manchmal muss die Kohlmeise ihre Nahrung erst aufbereiten, bevor sie diese fressen kann. So entfernt sie die schädlichen und ungenießbaren Teile von größeren Raupen oder die Stacheln von Bienen.

Bei extrem kalten Wintern oder anderen besonderen Ausnahmesituationen werden kleinere Vögel oder Fledermäuse getötet und kleine Teile dieser Beute gefressen.

Balzverhalten und Paarbildung

Die Paarbildung beginnt zwischen Februar und April, je nach Witterungsverhältnissen. Die Winterschwärme lösen sich aufgrund des Revierverhaltens der männlichen Kohlmeisen allmählich auf. Die Männchen zeigen anfangs ein aggressives Verhalten, das sich zunächst auch noch gegen die weiblichen Kohlmeisen richtet.

In der Regel führen diese Vögel eine monogame Ehe, die eine Saison anhält. Da Kohlmeisen sehr ortstreu sind, kommen aber auch Dauerehen vor, die mehrere Jahre anhalten. Die Paare halten jedoch immer nur während der Brutzeit zusammen.

Die männliche Kohlmeise holt sein Weibchen während der Paarungszeit in den frühen Morgenstunden ab. Dadurch möchte das Männchen unter anderem verhindern, dass es zur Fremdkopulation kommt.

Kohlmeisen paaren sich meistens früh morgens nahe der Bruthöhle und in dichtem Geäst. Die Einleitung der Kopulation kann von Beiden übernommen werden: Die Haltung der Vögel ist geduckt, der Kopf zurückgelegt, der Schwanz erhoben und die Flügel sind abgespreizt und zittern.

Nach der Paarung und vor der ersten Eiablage beginnt das Balzfüttern: Die männliche Kohlmeise versorgt sein Weibchen mit Nahrung.

Nestbau und Gelege, Eier

Das Männchen wählt Nistplätze aus, wobei aber das Weibchen letztlich entscheidet, welcher Platz der vom Männchen inspizierten Höhlen zum Brüten verwendet wird. Meistens nisten Kohlmeisen in Baumhöhlen. Es kommt aber auch vor, dass sie tiefere Rindenspalten im unteren Bereich des Baumstammes als Nisthöhle nutzen. Sollten Nistkästen zur Verfügung stehen, gehören diese zur bevorzugten Auswahl der Kohlmeisen.

Den Nestbau übernimmt das Weibchen und dies kann mitunter einen Monat dauern. Handelt es sich um eine tiefe Nisthöhle, wird diese zuerst mit einer dicken Moosschicht ausgestattet. Weiterhin besteht der Unterbau oftmals aus Flechten, Kiefernnadeln, Grashamen und feinen Wurzeln. In diesen Unterbau wird eine Mulde gedrückt, die mit feinem Material ausgekleidet wird – beispielsweise mit Federn oder Tierhaaren.

In der Regel umfasst ein Gelege zwischen 3 bis 15 Eiern. Die Eier sind rundoval , 17,5 mm x 13,5 mm groß und weisen einen leichten Glanz vor. Auf dem weißen Untergrund der Eier befinden sich Sprenkel, Kleckse oder Flecken in rotbrauner Farbe.

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Amselnest mit Eiern / Amselgelege,
von Martin Rosenlehner, CC BY-SA 4.0

Gelege

Brutverhalten

Sobald das erste Ei abgelegt wurde, bleibt das Weibchen nachts im Nest. Es steht dort über dem Gelege, um die Temperatur zu halten, die für die Entwicklung der Embryos erforderlich ist. Die permanente Bebrütung fängt meistens mit der letzten Eiablage an. Das Weibchen wird während der Bebrütung vom Männchen mit Nahrung versorgt.

Je nach klimatischen Verhältnissen dauert die Brutzeit zwischen zehn und siebzehn Tagen. Die Brutdauer ist kürzer, wenn eine Zweitbrut stattfindet.

Nach dem Schlüpfen hudert das Weibchen bis zu sieben Tage die Nestlinge. Die Nestlinge werden zwar von beiden Partnern gefüttert, aber meistens übernimmt das Weibchen nach dem Hudern den Hauptteil der Fütterung.

Die Eltern warten nach der Fütterung auf die Kotabgabe der Nestlinge, wobei sie den Kot in der ersten Zeit der Aufzucht auffressen. Später tragen sie den Kot aus dem Nest.

Die Jungen bleiben bis zu 22 Tagen im Nest, bevor sie ausfliegen. Anschließend werden sie weitere zehn Tage von ihren Eltern mit Nahrung versorgt. Die Fütterungszeit nach dem Ausfliegen dauert bei Zweitbruten länger und die Jungvögel werden mindestens 14 bis 25 Tage lang gefüttert.

Lebenserwartung

Die durchschnittliche Lebenserwartung bei Kohlmeisen liegt bei fünf Jahren.

Kohlmeisen sind recht anfällig für Infektionskrankheiten. Zudem erkranken diese Vögel manchmal an der Viruskrankheit namens Vogelpocken.