Neuntöter

Amsel

Der Neuntöter – auch Rotrückenwürger genannt – trägt den wissenschaftlichen Namen Lanius collurio. Dieser Singvogel gehört zur Familie der Würger und zur Ordnung der Sperlingsvögel.

Aussehen der Neuntöter

Der Neuntöter erreicht eine Körpergröße zwischen sechzehn und achtzehn Zentimeter und ein Gewicht von etwa 28 Gramm. Weibchen wiegen in der Brutzeit oftmals über 32 Gramm.

Der Schnabel besitzt einen Haken und eine leichte Zähnung. Bei den erwachsenen Neuntötern ist der Schnabel schwarz.

Das Erscheinungsbild von Männchen und Weibchen ist sehr unterschiedlich.

Besonderheit

Neuntöter spießen ihre Beute auf Dornen auf. Im Volksglauben wurde davon ausgegangen, dass dieser Vogel neun Beutetiere aufspießt und sie erst dann isst. Dies ist natürlich ein Irrglaube, doch daher stammt der Name „Neuntöter“ oder auch Neunwürger oder Neunmörder genannt. Andere Bezeichnungen beziehen sich auf das Aufspießen der Beute auf Dornen. So trägt der Neuntöter auch die Namen Dornkreul, Dornreich oder Dorndreher.

Aussehen Jungvögel

Bei Jungvögeln ist der Rücken meistens dunkel gefärbt. Die dunkle, angedeutete Schuppung, die manchmal auch beim Weibchen vorkommt, ist bei den jungen Vögeln auf der gesamten Unterseite vorhanden. Der Schnabel der Jungvögel ist hornfarben.

Merkmale Männchen und Weibchen

Der Kopf sowie der Nacken des Männchens sind hellgrau und die Augenbinde schwarz und breit. Der Rücken hat eine kräftige rotbraune Färbung. Die Unterseite ist weißlich mit einer rosafarbenen Tönung.

Beim Weibchen ist die Augenbinde lediglich angedeutet. Es hat ein einfarbiges, rötlich braunes Gefieder auf der Oberseite und auch am Kopf. Die Unterseite ist beige oder rahmfarben. An den Flanken und an der Brust zeigt sich eine Schuppung, die entweder kräftig und dunkel oder leicht angedeutet ist.

Stimme

Der Ruf des Neuntöters klingt hart und stoßartig („dschä“) oder wie ein stimmloses „trrt trrt“. Bei Erregung oder zur Warnung ist ein langgezogener und gereihter Ruf zu vernehmen („dschrä dschrä dschrä“.

Daneben gibt es noch den Imponierruf der Männchen, der wie ein „Chee uk“ oder „Tschock“ klingen. Andere Männchen antworten auf diesen Ruf und manchmal reagieren sie auch aggressiv darauf.

Der Gesang des Neuntöters dient nicht der Abgrenzung des Reviers, sondern wird als Balzgesang vorgetragen. Anfang und Ende des Gesangs sind häufig die harten und stoßartigen Ruflaute. Dazwischen erfolgen raue und gepresste Töne, die leise schwatzend gesungen werden. Meistens werden auch andere Vogelarten imitiert und diese Laute in den Gesang eingeflochten.

Der Gesang wird nach der Verpaarung selten vorgetragen. Sobald das Nest fertig gebaut ist, wird gar nicht mehr gesungen.

Vorkommen

Als Brutvogel kommt der Neuntöter in der westlichen Paläarktis vor. So ist er auf der iberischen Halbinsel lediglich im Norden verbreitet. Am Ärmelkanal, in der Normandie und in der Bretagne kommt der Neuntöter gar nicht vor.

Im skandinavischen Raum ist er an der Ostsee und im Süden Norwegens vertreten. Im mediterranen Gebiet kommt der Neuntöter in Kleinasien, Italien sowie auf Sardinien, Korsika und der Balkanhalbinsel vor.

Es gibt eine Unterteilung der Variationen, die aber nicht von allen Autoren übernommen wurden. Demnach:

  • kommt Lanius collurio collurio in Kontinentaleuropa vor
  • war die Art Lanius collurio juxtus in Großbritannien verbreitet, die aber wahrscheinlich ausgestorben ist
  • sind die Varianten L.c. tauricus und L.c. kobylini im südlichen Teil der Balkanhalbinsel sowie auf der Krim, in Nordiran und in Transkaukasien verbreitet
  • sind von Westsibirien bis Altai die Varianten L.c. palladifrons und L.c. loudoni verbreitet

Der Isabellwürger wird zum Teil als eigene Vogelart und zum Teil als Unterart des Neuntöters angesehen. Aufgrund der nahen Verwandtschaft bilden diese beiden eine Superspezies.

Lebensraum

Neuntöter ziehen offene, möglichst sonnige und heckenreiche Gebiete vor. Sie bewohnen Waldränder und Heideflächen und sind ebenfalls in Gärten am Siedlungsrand anzutreffen, wenn Dornensträucher vorhanden sind.

Zugverhalten

Neuntöter sind Zugvögel, die im Osten und Süden Afrikas überwintern.

Nahrung

Die Hauptnahrung besteht aus großen Insekten. Neuntöter fressen aber auch Mäuse, Frösche und junge Vögel. Die Beute wird vom Neuntöter auf die Dornen von Sträuchern aufgespießt. Diese aufgespießten Tiere dienen als Vorrat und sind für den späteren Verzehr gedacht.

Insekten werden meistens im Flug gefangen. Bodentiere werden vom Neuntöter genauso geschlagen, wie es Greifvögel tun.

Im Spätsommer und Herbst wird die Ernährung mit Beeren erweitert. Auch Nestlinge bekommen Früchte gefüttert, die früh im Jahr reifen.

Balzverhalten und Paarbildung

Neuntöter führen in der Regel Saisonehen. Es kommt aber vor, dass sich ein Paar im nächsten Jahr wieder verpaart, wenn beide in dasselbe Brutrevier zurückkehren. Da Weibchen nur eine geringe Reviertreue besitzen, kommt diese Wiederverpaarung eher selten vor. Manchmal bilden sich schon während des Zuges Paare.

In der Regel sind die Neuntöter aber noch nicht verpaart, wenn sie in den Brutgebieten eintreffen. Meistens treffen zuerst die Männchen ein und einige Tage später folgen die Weibchen.

Die Männchen zeigen ein zunehmend auffälligeres Revierverhalten, je näher der Zeitpunkt des Eintreffens der Weibchen rückt.

Trifft ein Weibchen in das Brutrevier eines Männchens ein, wird der Gesang des Männchens lauter und es umwirbt das Weibchen mit Imponierflügen. Das Männchen versucht in die Nähe des Weibchens zu kommen. Wenn ihm das gelingt und das Weibchen fliegt nicht weg, dreht es ständig den Kopf und wendet dem Weibchen die Kehle und den Oberkopf zu. Diesem Werbeverhalten folgt das Balzfüttern, wobei das Männchen leicht mit den Flügeln zittert und die Steuerfedern spreizt.

Zwischen diesen Fütterungen führt das Männchen immer wieder die Nickbalz durch: Der Kopf wird gerade nach oben gestreckt und dann wieder dem Weibchen zugewandt. Dabei lässt das Männchen seinen Gesang ertönen. Das Weibchen weicht zunächst dem Männchen aus, führt dann ebenfalls Nickbewegungen durch und rückt näher zum Männchen hin.

Das Männchen wacht nach der Paarbildung unaufhörlich über sein Weibchen und verteidigt es gegen aufdringliche Männchen, die noch nicht verpaart sind. Diese werben um verpaarte Weibchen und diese Störphase hält solange an, bis genügend Weibchen vom Überwinterungsort in die Brutgebiete zurückgekehrt sind.

Die Kopulation beginnt ungefähr drei Tage vor der Ablage des ersten Eies. Das Männchen leitet die Kopulation ein, indem es Bettelrufe erklingen lässt und mit den Flügeln zittert. Das Weibchen reagiert darauf mit ähnlichem Verhalten. Die Kopulationen werden wiederholt, bis das letzte Ei abgelegt wurde.

Nestbau und Gelege

Bevor ein Nest gebaut wird, sucht das Männchen verschiedene Nistplätze aus und zeigt sie dem Weibchen. Das Weibchen entscheidet dann, wo das Nest gebaut wird.

Das napfartige Nest wird meistens im unteren Bereich von Dornengestrüpp gebaut. Als Baumaterial dienen Halme, Moos und Zweige und für die Polsterung der Mulde werden weiche Materialien wie Haare, Federn oder Pflanzenwolle verwendet. Am Nestbau sind beide Partner beteiligt, die zur Fertigstellung eines Nestes zwischen vier und sechs Tage benötigen.

Ein Gelege besteht aus vier bis sieben Eiern, die eine grünliche oder rötliche Färbung und dunkle Flecken aufweisen. Täglich legt das Weibchen morgens ein Ei ab.

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Amselnest mit Eiern / Amselgelege,
von Martin Rosenlehner, CC BY-SA 4.0

Gelege

Brutverhalten

Mit der Bebrütung wird nach der Ablage des vorletzten oder letzten Eies begonnen. Vorher bleibt das Weibchen aber auch schon über Nacht auf dem Gelege sitzen. Die Bebrütung wird alleine vom Weibchen übernommen, wobei es ungefähr jede Stunde kurz ausfliegt, um sich Beute zu erjagen oder sich Nahrung vom Vorrat zu holen – das Männchen spießt dazu Beute auf Dornen auf. Das Weibchen wird aber auch vom Männchen während der Brutzeit gefüttert.

Nach ungefähr zwei Wochen schlüpfen die Küken. Innerhalb 24 Stunden sind dann alle Jungvögel geschlüpft. Das Weibchen bleibt nun drei Tage lang pausenlos im Nest und wird vom Männchen mit Nahrung versorgt. Das Weibchen zerteilt die Beute und füttert damit die Nestlinge. Das Hudern wird ab dem vierten Lebenstag der Küken vom Weibchen immer mal wieder unterbrochen. In diesen Pausen begibt es sich auf Jagdflüge. Ab ungefähr dem siebten Lebenstag wird seltener gehudert und beide Elternteile übernehmen die Beutejagd und die Fütterung der Jungen.

Haben die Jungvögel das Nest verlassen, werden sie bis zum Alter von 26 Tagen weiterhin gefüttert. Danach erbeuten sie eigenständig Nahrung.

Lebenserwartung

Brombeeren