Raubwürger

Amsel

Der wissenschaftliche Name des Raubwürgers lautet Lanius excubator. Es gibt noch eine Variante, die ein dunkleres Gefieder aufweist und im Südwesten Europas sowie im Norden Afrikas vorkommt. Diese Raubwürger-Variante trägt den wissenschaftlichen Namen Lanius meridonalis und galt als Unterart von Lanius excubator. Heute werden diese beiden Varianten als zwei eigene Arten betrachtet: Die Nördlichen und die Südlichen Raubwürger. Der Südliche Raubwürger wird auch als Mittelmeerraubwürger bezeichnet.

Raubwürger gehören zur Familie der Würger und zur Ordnung der Sperlingsvögel.

Aussehen der Raubwürger

Raubwürger erreichen eine Größe von rund 24 Zentimeter. Sie besitzen ein kontrastreiches Gefieder, das schwarz-weiß gefärbt ist. Die Ausprägung der weißen Partien ist je nach Unterart unterschiedlich.

Der Nördliche Raubwürger hat folgende Merkmale:

  • Der Rumpf hat eine graue Färbung. Bauch und Brust sind erheblich heller als die Oberseite.
  • Auffällig ist auch die schwarze Augenmaske, die wie ein Band von einer Ohrendecke zur anderen und über die Augen verläuft.
  • Die Flügel sind schwarz und mittig befindet sich ein oder bei manchen Unterarten zwei Flügelfelder.
  • Der Schwanz ist lang und schwarz-weiß gefärbt. Die äußeren Steuerfedern sind weiß, sodass der Schwanz von unten betrachtet weiß wirkt.

Das Erscheinungsbild des Südlichen Raubwürgers ist ähnlich, jedoch sind diese Vögel schlanker, langbeiniger und leichter.

  • Die Oberseite des Südlichen Raubwürgers hat eine bleigraue Färbung
  • Die Unterseite ist hell und leicht rosa gefärbt.
  • Die Schulterfedern sind sehr hell, oft weiß.
  • Die Oberseite der Flügel ist von einem weißen Feld gekennzeichnet, das in der Größe unterschiedlich sein kann.

Beide Raubwürger-Arten besitzen einen kräftigen, schwarzen Hakenschnabel sowie dunkelgraue Zehen und Beine.

Besonderheit

Raubwürger erbeuten Insekten und kleine Bodentiere und das auf ähnliche Art wie Greifvögel. Die Raubwürger spießen ihre Beute auf Dornen von Dornbüschen auf und legen auf diese Weise einen Nahrungsvorrat an. Außerdem hat es der Vogel dann leichter, die Beute zu zerteilen.

Aussehen Jungvögel

Das Gefieder der jungen Vögel ist meistens noch nicht so kontrastreich und zudem blasser. Bei den Jungvögeln der nördlichen Art hat die Augenmaske noch eine dunkelbraune Färbung. Meistens verläuft das Augenband auch nicht durchgehend. Das Gefieder der Oberseite ist braun und die Unterseite hat eine weißgraue Färbung.

Bei den Jungvögeln der südlichen Art ist die Sperberung deutlich erkennbar. Der Schnabel hat eine mittelbraune Färbung und der Unterschnabel hat einen hellen Ockerton.

Merkmale Männchen und Weibchen

Bei den Weibchen der Nördlichen Raubwürger kommt an Brust, Nacken und Flanken oftmals eine leichte Sperberung vor.

Bei den Südlichen Raubwürgern sehen Männchen und Weibchen gleich aus.

Stimme

Der Gesang besteht aus rauen Tönen, die schwätzend klingen sowie aus langen Pfeiflauten. In den Gesang werden auch Stimmen anderer Vögel eingebaut, allerdings bei den Südlichen Raubwürgern seltener. Der Gesang wird von Männchen und Weibchen vorgetragen.

Die Rufe sind sehr verschiedenartig und können hart, pfeifend, heiser oder nasal klingen. Ein Schnabelknappen (Ober- und Unterschnabel werden schnell aufeinandergeschlagen) ist dann zu hören, wenn eine aggressive Stimmung vorherrscht oder der Vogel bedroht wird.

Vorkommen

Die Nördlichen Raubwürger sind im europäischen Raum in Mittel- und Westfrankreich, in den Beneluxländern, in Österreich, Lettland, Litauen, Dänemark, Nordskandinavien, Estland, Polen, Rumänien, Bulgarien, in der Slowakei, in der Teschechischen Republik und Deutschland verbreitet.

Unterarten der Nördlichen Raubwürger:

  • Das Verbreitungsgebiet von L.e. excubitor verläuft über den nördliche, mittleren und westlichen Teil Europas bis zum Westen Sibiriens •
  • L. e. leucopterus ist im Südwesten Sibiriens vertreten
  • L. e. homeyeri kommt in Westsibirien, Transkaukasien und im Südosten Europas vor
  • L. e. sibiricus ist im Norden der Mongolei und im Osten Sibiriens verbreitet
  • L. e. funereus besiedeln das Hochgebirge von Tianshan
  • L. e. mollis sind im Altai und im Nordwesten der Mongolei vertreten
  • L. e. borealis kommt im Nordosten Amerikas vor
  • L. e. invictus ist im Norden Amerikas, im Norden Alaskas und in Nordost-Sibirien verbreitet
  • L. e. bianchii kommt auf Sachalin und den Kurilen vor

Die Südlichen Raubwürger kommen auf der iberischen Halbinsel, in Südfrankreich, in Nordafrika sowie in Teilen Asiens vor.

Unterarten der Südlichen Raubwürger:

  • L. m. meridionalis ist die Nominatform, die auf der iberischen Halbinsel, in Südfrankreich und im Norden Marokkos vorkommt
  • L. m. koenigii ist auf den Kanaren verbreitet
  • L. m. algeriensis kommt im Nordwesten Afrikas vor
  • L. m. elegans ist in Ägypten, Libyen, im Sudan sowie in der Zentralsahara verbreitet
  • L. m. leucopygos kommt im Südwesten der Sahara und im Süden des Sudans vor
  • L. m. aucheri und die Varianten L. m. jebelmarrae und L. m. theresae sind in Syrien, Irak, Südiran, Sinai, im Süden Israels und auf der arabischen Halbinsel verbreitet
  • L. m. unicatus ist auf Sokotra vertreten
  • L. m. buryi ist im Gebirge von Jemen verbreitet
  • L. m. lathora ist in Teilen Indiens und im Osten Pakistans vertreten
  • L. m. pallidirostris kommt im Norden Pakistans, in Afghanistan, Iran und in der Mongolei vor

Lebensraum

Der Nördliche Raubwürger mag Gebiete, bei denen er eine Rundumsicht genießen kann. Er bevorzugt halboffene Flächen mit einem lockeren Bestand an Büschen und Bäumen und niedriger Vegetation. Auch am Rand von Moorgebieten, in Streuobstwiesen und am Waldrand ist der Raubwürger anzutreffen.

Südliche Raubwürger bevorzugen trockene und offene Landschaften mit Buschbestand und spärlichem Bestand an Bäumen.

Zugverhalten

Raubwürger sind zum Teil Standvögel und zum Teil ziehen sie zum Überwintern in den Süden. Die im Norden der Verbreitungsgebiete vorkommenden Raubwürger wandern in wärmere Regionen für die Überwinterung ab.

Nahrung

Nördliche Raubwürger ernähren sich zum Großteil von kleinen Tieren wie Nagetiere und Wühlmäuse sowie von kleinen Vögeln. Insekten werden hauptsächlich für die Aufzucht der Jungen verwendet.

Südliche Raubwürger ernähren sich überwiegend von Insekten wie Heuschrecken, Grillen, Bienen, Ameisen, Wespen und Schmetterlinge. Zudem erbeuten sie kleine Bodentiere, beispielsweise Eidechsen, Frösche, Nagetiere und kleinere Schlangen und schlagen Vögel und deren Brut. An pflanzlicher Nahrung fressen sie Sämereien, Nüsse und Datteln.

Balzverhalten und Paarbildung

Raubwürger führen monogame Saisonehen. Bei der Paarbildung wird das Weibchen immer unselbstständiger. Beginnt die Eiablage, versorgt das Männchen das Weibchen mit Nahrung, wobei das Weibchen Beschwichtigungs- und Nestlingsverhalten zeigt: Es nimmt eine geduckte Körperhaltung ein, ruft Bettelrufe und zittert mit den Flügeln.

Nestbau und Gelege

Der Nistplatz wird vom Männchen ausgesucht. In der Regel wird das Nest in hohen Dornenbüschen oder in Bäumen errichtet, wobei auch bodennahe Nester gebaut werden.

Das Nest ist sehr voluminös und wird von Männchen und Weibchen gebaut. Das Männchen ist dabei vorwiegend mit der Heranschaffung von Nistmaterial beschäftigt. Das Nest wird aus Materialien wie Grashalmen, Zweigen und Stängeln gebaut und oft werden in die äußere Verkleidung Dornenzweige eingebaut. Die Nistmulde wird mit weichen Materialien wie Wollgras, Tierhaare und Federn gepolstert.

Das Gelege besteht aus vier bis sieben Eiern, die meistens bläulichweiß oder grünlichweiß gefärbt und purpur oder braun gefleckt sind.

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Amselnest mit Eiern / Amselgelege,
von Martin Rosenlehner, CC BY-SA 4.0

Gelege

Brutverhalten

Sobald das vorletzte Ei abgelegt wurde, fängt für das Weibchen die Bebrütung an. Die Brutzeit dauert fünfzehn bis siebzehn Tage.

Nachdem die Küken geschlüpft sind, wird das Weibchen zunächst vom Männchen mit Nahrung versorgt. Nach ungefähr einer Woche gehen beide Elternteile auf die Nahrungssuche. Das Weibchen ist aber die überwiegende Zeit im Nest.

Im Alter von etwa neunzehn Lebenstagen verlassen die Jungvögel das Nest. Die Eltern betreuen ihre jungen Vögel noch ungefähr vier Wochen lang. Danach löst sich der Familienverband auf.

Lebenserwartung

Brombeeren