Stieglitz

Amsel

Der Stieglitz wird mit wissenschaftlichem Namen Carduelis carduelis genannt. Dieser Singvogel gehört zur Familie der Finken, zur Unterfamilie der Stieglitzartigen sowie zur Gattung der Zeisige. Im Volksmund wird der Stieglitz als Distelfink bezeichnet, da sich dieser Sperlingsvogel gerne an Distelblüten aufhält. Dort zieht er mit seinem Schnabel die Samen heraus.

Aussehen der Stieglitz

Der Stieglitz erreicht eine Körpergröße von etwa vierzehn Zentimeter. Die Färbung seines Gefieders ist recht auffällig:

  1. Er trägt eine markante Gesichtsmaske in roter Farbe
  2. Kopf und Halsseiten sind weiß
  3. Oberkopf und Nacken sind schwarz
  4. An den schwarzen Flügeln befinden sich breite Binden in leuchtend gelber Farbe
  5. Der Rücken hat eine hellbraune Färbung
  6. Der Bürzel ist weiß
  7. Der schwarze Schwanz ist gegabelt und ist im spitzen Bereich weiß gefleckt
  8. Die Unterseite hat eine bräunliche Färbung

Der spitze, lange Schnabel ist elfenbeinfarbig und während der Brutzeit hat er eine weiße Farbe.

Besonderheit

Im Jahre 2016 wurde der Stieglitz vom Naturschutzbund Deutschland und vom Landesbund für Vogelschutz in Bayern zum Vogel des Jahres ernannt.

Aussehen Jungvögel

Der Kopf der Jungvögel ist braun und die Färbung des Kopfes unauffällig. Die Oberseite hat eine gräuliche oder gelbbraune Farbe und ist mit Streifen und Flecken versehen. Weiterhin haben Jungvögel einen schwarzen Schwanz und schwarzgelbe Flügel.

Merkmale Männchen und Weibchen

Die Geschlechtsunterschiede sind nur minimal vorhanden:

  • Die Gesichtsmaske des Weibchens ist heller und kleiner
  • Das Gefieder am Bauch hat beim Männchen eine gelbe und beim Weibchen eine grüngelbe Färbung
  • Der Schnabel des Weibchens ist etwas kürzer und nicht ganz so spitz wie der des Männchens. Auch hat die Schnabelspitze des Weibchens keine gebogene Form.

Stimme

Seinen deutschen Namen erhielt der Stieglitz wegen seines dreisilbigen, hellen Rufes, der in der Lautsprache mit „sti ge litt“ übersetzt wird.

Der Alarmruf ist ein gezogener Ton („wäii“) und wenn der Stieglitz sich im Streit befindet, lässt er einen schnarrenden Ruf erklingen („tschrrr“).

Der Gesang besteht aus zwitschernden und lebhaften Strophen mit eingestreuten einzelnen Rufen. Beim Gesang macht der Stieglitz pendelnde Bewegungen. Während der Brutzeit wird mit dem Gesang der Nestbereich markiert und außerhalb dieser Zeit dient er dem Zusammenhalt von männlichen Gruppen. Die Männchen tragen den Gesang den Jungvögeln vor, sodass diese den Gesang erlernen.

Auch von weiblichen Stieglitzen ist Gesang zu hören, allerdings wird dieser nicht so anhaltend vorgetragen und in leiserem Ton gesungen.

Vorkommen

Stieglitze sind in Europa weit verbreitet und sie kommen fast im kompletten europäischen Raum vor. Sie kommen bis Zentralasien und ebenso in Zentralsibirien und im Norden Afrikas vor.

ITIS unterscheidet zwischen zwei Unterarten: Die Nominatform Carduelis carduelis carduelis und Carduelis carduelis britannica. Andere Quellen erkennen bis zu vierzehn Unterarten an.

Lebensraum

Stieglitze bevorzugen offene Landschaften mit hohem Baumbestand und das sowohl in Niederungen als auch in Höhenlagen bis 1.600 Metern. Obstgärten mit Hochstämmen und Sträuchern sind beliebte Lebensräume für den Stieglitz. Dieser Vogel ist in Feldgehölzen, Heckenlandschaften, Streuobstwiesen sowie an Flussufern und Waldrändern anzutreffen. Auch in Parks, Alleen, Friedhöfen, alten Gärten und Weinbergen lässt er sich nieder.

Zugverhalten

Stieglitze sind je nach Verbreitungsgebiet Standvögel oder Teilzieher. In Europa überwintert er in westlichen Gebieten. Populationen, die in westlichen Regionen verbreitet sind, ziehen nicht weg und sind somit Standvögel.

Nahrung

Der Stieglitz ernährt sich vorwiegend von Samen. Im Frühling wird die Ernährung mit Knospen und im Sommer mit Insekten erweitert.

Für die Nahrungssuche begibt er sich entweder auf den Boden oder auf einen Ast, von dem aus er kopfüber oder in vorgebeugter Haltung Nahrung aufpickt. Auch fliegt er dünne Stängel von unten an, sodass sich aufgrund des Körpergewichtes der Pflanzenstängel nach unten biegt und die Samen leicht erreichbar werden.

Während er unreife und weiche Samen direkt frisst, werden bei reifen Samen zunächst die Hüllspelzen entfernt. Bei offenen Fruchtständen pickt er entweder die Samen heraus oder packt sie zuerst und zupft sie dann erst heraus. Sitzen die Samen fester, wird das Samenbett erweitert. Dazu bewegt der Stieglitz sich hin und her.

Eine andere Technik müssen die Jungvögel von den adulten Vögeln erst lernen: Stieglitze meißeln die Samen auf, die versteckt und komplett umhüllt sind.

Balzverhalten und Paarbildung

Stieglitze führen monogame Brutehen. Vor der Balz beginnen die Männchen mit Gesangsübungen, um diesen Gesang zu optimieren. Damit fangen sie zwischen Februar und März an und die Gesangsübungen können einige Wochen dauern.

Die Balz wird vom Weibchen eingeleitet, sobald sich die Männchen eingesungen haben. Es pendelt mit seinem Körper hin und her, senkt den Schnabel und nähert sich auf diese Weise dem Männchen. Die gelblichen Flügelbinden sollen mit aufgeplustertem und gesträubtem Gefieder verdeckt werden. Das Gefieder des Männchens wird dagegen angelegt und es zeigt seine gelben Flügelbinden, indem es die Flügel leicht lüftet und spreizt.

Das Männchen singt zur Balz einen Gesang und führt pendelnde Bewegungen mit seinem Körper durch. Außerdem wird das Weibchen vom Männchen gefüttert. Ist das Weibchen paarungsbereit, zeigt es das durch eine leicht geduckte Haltung, hochgeklapptem Schwanz und vibrierenden Flügeln an.

Nestbau und Gelege

Der Stieglitz brütet in lockeren Baumbeständen und lichten Wäldern und vorzugsweise in lockeren Gruppen mit bis zu zehn Brutpaaren.

Der Nestbau beginnt, nachdem Weibchen und Männchen verschiedene Nistplätze inspiziert haben. Das Nest des Stieglitzes ist dickwandig und napfförmig. Es wird meistens im oberen Bereich von Sträuchern oder Bäumen gebaut.

Als Nistmaterial werden Pflanzenfasern, Flechten, Moos, feine Halme und Stängel sowie kleine Wurzeln verwendet. Die Nistmulde erhält aus Wolle, Federn, Fasern, Halmen und Wurzeln eine Polsterung. Für den Nestbau benötigt das Weibchen zwischen vier und sechs Tage. Meistens wird schon das erste Ei abgelegt, obwohl das Nest noch nicht komplett fertig erstellt ist.

Ein Gelege besteht aus vier bis sechs Eiern, die bläulich gefärbt und rotbraun gefleckt sind.

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Amselnest mit Eiern / Amselgelege,
von Martin Rosenlehner, CC BY-SA 4.0

Gelege

Brutverhalten

Ab dem dritten abgelegten Ei beginnt das Weibchen mit der Bebrütung. Das Männchen versorgt das Weibchen mit Nahrung und bewacht es. Die Brutzeit dauert zwölf bis vierzehn Tage.

Nachdem die Küken geschlüpft sind, werden sie sechs Tage lang vom Weibchen gehudert. Das Männchen bringt weiterhin die Nahrung an, die das Weibchen aus dem Kropf an die jungen Vögel weitergibt.

Die Jungvögel verlassen nach etwa zwei Wochen das Nest, wären bei Gefahr dazu aber schon ab dem achten Lebenstag fähig. Sie werden dann noch von den Eltern mit Nahrung versorgt, wobei das Weibchen bereits mit dem Bau des Nestes für die Zweitbrut beginnt. Ab ungefähr der dritten Lebenswoche sind die Jungvögel soweit, dass sie selbstständig Nahrung aufnehmen können und nach einer weiteren Woche sind die jungen Stieglitze selbstständig.

Die Jungvögel bilden Trupps und streunen umher. Geht es auf den Winter zu, bilden sich große Schwärme. In diesen Schwärmen bilden sich dann Brutpaare für das nächste Jahr. Die Männchen fangen im späten Winter mit der Suche nach einem geeigneten Brutplatz an.

Stieglitze brüten zwei bis drei Mal jährlich.

Lebenserwartung

Das maximale Lebensalter freilebender Stieglitze liegt bei neun Jahren.