Fragen zu SGK

    • Fragen zu SGK

      Hallo ihr lieben,

      SGK ist eine wirklich interessante Kultivierungsmethode für Orchideen und die ganzen Erfolge sprechen wirklich für sich... Daher interessiere ich mich sehr für SGK und habe sowohl hier als auch in einem anderen (Orchideen)Forum viele wichtige Infos gefunden...

      Dennoch hätte ich die ein oder andere Frage, die vielleicht auch den ein oder anderen interessieren könnte, der auch mit SGK anfangen würde...

      Ich habe mal mir erlaubt, ein Bild von dieser Website, die von einer Gruppe hiesiger Foren-User betrieben wird...

      [Blockierte Grafik: https://sites.google.com/site/substratglaskultursgk/_/rsrc/1468887315112/einleitung/Substrataufbau.jpg]

      Nun eine Frage an die "alten Hasen" hier: Wie soll ich das am besten ausdrücken... Gibt es eine Art "Verhältnis" zwischen den Stufen, also so wie "1/5 der Vase muss mit Holzkohle/ etc. gefüllt sein" oder so was in der Art? Oder ist das relativ egal?
      Und die Sägespäne als Deckschicht gefällt mir von der Optik nicht so ganz... Im anderen Forum gibt es ja auch erfahrene Leute, die anstatt des Sägemehls/ der Sägespäne ganz feine Rindenstücke (wie in der Feinstschicht) haben.... Ist das OK oder würde die Pflanze durch die fehlenden Späne z.B. nicht so gut wachsen oder einen anderweitigen "Nachteil" haben?


      Ich würde mich über hilfreiche Antworten überaus freuen!



      Viele Grüße,
      Brandon
    • Hallo, ja anstatt Sägespäne sind auch kleine Rindenstücke oder feine Kokosfasern möglich. Beides hält das Wasser aber nicht so stark zurück wie Holzspäne. Ideal wären Hartholzspäne und bei Gattungen, welche mit mehr Dünger auskommen bzw. benötigen auch Weichholzspäne. Weichholzspäne, falls sie zu dicht liegen, können dazu führen, wenn sie zu nass sind, dass Wurzeln von beispielsweise Phalaenopsen, braune Stellen bekommen (verbrennen). Das hat man bei Rindenstücken oder Kokosfasern nicht, wenn man bei der Zugabe von Wasser mit Dünger Acht gibt. Es hat somit beides seine Vor-/Nachteile

      Zum Thema Verhältnis in Bezug auf die Substratbestandteile kann ich die Frage nicht so klar beantworten, denn dies hängt von diversen Faktoren ab.

      1. Form des Glasgefäßes

      2. Größe und Form der Substratteile
      Aus diesem Grund wird häufig nur eine Richtungsweisung angegeben.
      Beispiel: Phalaenopsen größere Hohlräume (also sperrige und große Substratteile)

      3. Orchideen-Gattung

      Als Abschätzung kann man aber von gleichen Teilen der abgebildeten Bereiche bis auf den Grobanteil sprechen. Der Grobanteil kann durchaus auch mehr Teile ausmachen, abhängig von den zuvor aufgelisteten Faktoren.

      Ich hoffe die Fragen konnte ich zufriedenstellend beantworten. Ansonsten einfach wieder fragen, sollte etwas unklar sein.

      gez. Hauzi
    • Nabend,

      vielen Dank für deine Antwort!

      Das mit den möglichen Verbrennungen habe ich mir auch schon gedacht...


      Hauzi schrieb:

      Beispiel: Phalaenopsen größere Hohlräume (also sperrige und große Substratteile)
      Ah OK. Dann sollte man bei denen eher mehr grobe Rindenstücken nehmen... Interessant.



      Bis jetzt habe ich mit der Topf-Kultur etwa alle 2 Wochen gedüngt und bis jetzt haben die Pflanzen es mir immer gedankt... Aber auf der Website zu SGK steht:


      Notwendigkeit/Häufigkeit ist abhängig von der Orchideenart, von der Substratzusammensetzung und dem Gießwasser
      !!! In jedem Fall nur als seltener Zusatz anzusehen !!!
      --> Bei hoher Variation an Substratzusammensetzung sollte selten (ca. 1x) im Jahr in geringer
      Konzentration gedüngt werden (max. 1/4 der angegebenen Konz.)

      --> Bei einseitiger Substratzusammensetzung (zB.: reine Pinienrinde, nur schwer zersetzbares Material,...) häufiger düngen.
      --> Düngerzufuhr für Naturformen noch mal deutlich verringern

      *) Im Winter nicht düngen.
      *) Nach dem Umsetzen nicht düngen, erst wenn mehrere Neuwurzeln zu erkennen sind!
      *) Keinen Kalk zugeben !
      *) Leitwert und pH-Wert des Standwassers im Auge behalten
      *) Gießwasser mit Düngung über den Glasrand zuführen (oder Verwendung eines Trichters, welcher das Düngerwasser direkt nach unten führt) ohne dabei mit den oberen Schichten in Kontakt zu kommen. => Vermeidung von Verbrennungen der Wurzeln in der Deckschicht. => Kann ansonsten zu Problemen bei der Wurzelneubildung führen (Phalaenopsen, ...)
      Daher kommt mir schnell der Gedanke, ob den Orchideen das wirklich reicht... Andererseits sehe ich ja eure Erfolge mit jeglichen Orchideen... Kannst du mir das genauer erklären, wie das funktionieren kann? Wäre sehr lieb von dir. ;)


      Liebe Grüße,
      Brandon,
    • Ja, es reicht. Insbesondere in SGK muss die Häufigkeit des Düngens verringert werden. In SGK verwendet man ein geschlossenes Gefäß, wodurch der überschüssige Dünger und das ist der Großteil der zugeführten Nährstoffe am Substrat und am Gefäßboden landet. Wasser welches verdunstet und an der Substrat- und Glasoberfläche wieder verdunstet wäscht Abbauprodukte durch den Abbau vom Substrat und auch entsprechende Nährstoffe vom Substrat nach unten. Durch Kapillarwirkung und Diffusion wandern entsprechende Ionen auch wieder nach oben. Das Gleichgewicht bzw. die Konzentration von Wasserverfügbarkeit und Nährstoffe/Ionen sollte dabei ungefähr gleich bleiben, was natürlich wiederum von mehreren Faktoren abhängt. Temperaturschwankungen, Substratschichtung, etc.

      Taucht man eine Orchidee oder gießt diese sieht das ganze meist etwas anders aus.

      Im Großen und Ganzen bleibt jedoch alles im Gefäß was nicht verbraucht oder umgesetzt wird. Desweiteren sind epiphytische wie auch terrestrische Orchideen befähigt eine Symbiose mit stickstofffixierenden Bakterien einzugehen. Stimmt nun das Milieu um die Wurzeln, also pH-Wert, Feuchtigkeit, ... sollten Orchideen in der Lage sein, genügend Stickstoff zu erhalten, trotz Konkurrenz. Gibt man diesen beispielsweise direkt durch Düngung zu führt dies auch zu verstärktem Substratabbau.

      Der Substratabbau selbst, forciert durch Bakterien, Pilze, Wurzeln der Pflanze führt zur Bildung von Substanzen die teilweise ebenfalls von der Pflanze aufgenommen und umgesetzt werden können. Dahingehend kann auch das Substrat so zusammengesetzt werden, sodass es jahrelang reicht nur mit Regenwasser zu gießen und dennoch wächst und blüht die Pflanze, selbst Paphiopedilum-Hybriden welche beispielsweise mehr benötigen als typisch epiphytisch wachsende Orchideen wie Phalaenopsen.

      Ein tolles Beispiel dafür werde ich nächste oder übernächste Woche einstellen.
      Paph. amerikanische Hybride


      Dabei darf das Substrat nicht zu einseitig sein und muss im Vergleich zum Naturstandort ähnliche Verhältnisse bieten (auch entstehende Abbauprodukte). Ist das Substrat zu einseitig oder unnatürlich, muss zusätzlich gedüngt werden um die Pflanze mit allem zu versorgen, was sie braucht. Jedoch gibt es dabei auch immer wieder Substanzen, welche die Pflanze in geringsten Mengen benötigt oder verwenden kann jedoch durch industriell hergestellten Dünger nicht erhält. Ein weiterer Faktor ist die Nährstoffquelle, Bei einem entsprechenden und funktionierenden Ökosystem gibt es viele verschiedene pflanzenverfügbare Quellen für diverse Elemente. Das heißt die Pflanze kann auf verschiedene Quellen zurückgreifen (dabei sind verschiedene Quellen bei unterschiedlichen Bedingungen pflanzenverfügbar) und leidet daher unwahrscheinlicher an einem Mangel. Wird gedüngt auf zu einseitigem Material ist die Pflanze immer an Zugeführtem angewiesen und hat zudem auch meist nur eine Quelle.

      SGK selbst soll als funktionierendes Ökosystem fungieren, welches gewisse äußere Einflüsse kompensieren/ausgleichen/verkraften kann. Sind die Einflüsse zu intensiv oder zu einseitig kann dies ein Problem für das System werden und wird sozusagen aus der Bahn oder dem Gleichgewicht geworfen.

      Ich hoffe die Erklärungen sind nachvollziehbar.

      gez. Hauzi
    • Hallo Hauzi,

      mit deiner Erklärung hast du mir wirklich geholfen! Vielen Dank dafür! :thumbup:

      Apropos abwechslungsreiches Substrat: Wenn ich mich recht entsinne, dann hast du auf deiner Website geschrieben, dass man die Schale von Haselnüssen auch verwenden sollte, da bestimmte Mineralien oder so enthalten... Was kann man dann noch als Zusatz fürs Substrat verwenden?
      Das würde mich nun wirklich interessieren...


      Viele Grüße,
      Bran
    • ...verwenden kann. Die Elemente Kalzium und Magnesium sind darin vermehrt vorhanden und die Haselnussschalen zersetzen sich eher langsam.Grundsätzlich habe ich die Zusätze, von denen ich weiß wie sie sich auf SGK auswirken und das System nicht aus dem Gleichgewicht (pH-Wert, ...) bringen, auf der SGK-Seite (die zurzeit aktualisiert wird) angegeben. Teilweise werden Substanzen ergänzt sobald wir in Bezug auf SGK mehr wissen. Dauert nur immer etwas, bis man sich sicher sein kann denn sowas sollte man mehrmals und unter verschiedenen Bedingungen testen. Als Ersatz für Kalk (für Paphs.) beispielsweise ist Marmor ein guter Anwärter. Ein paar Haselnussschalen kann man getrost überall zugeben. ;)

      Falls du Vorschläge bzw. Ideen hast, lass es mich wissen. Zurzeit werden ungesalzene Pistazienschalen auf Grund deren Zusammensetzung und Verfügbarkeit ausprobiert.

      Da dieses Projekt nur ein Hobby ist und wir nicht Unmengen an verschiedenen Arten zur Verfügung haben, dauert sowas oft länger.

      gez. Hauzi

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