Torfersatz? (Karnivorenerde)

    • Torfersatz? (Karnivorenerde)

      Hallo liebe Pflanzenfreunde,

      ich bin seit heute neu im Forum, habe hier aber schon oft hilfreiche Tipps gefunden, und hoffe, dass mir mit meiner heutigen Frage auch jemand weiterhelfen kann.
      Seit Jahren Teile ich mein Zuhause mit mehreren Karnivoren (Fettkraut und Sonnentau), die auch sehr gut gedeihen, und liebevoll gepflegt werden.
      Nun, zu Zeiten von Corona, hat die (leider einzige) kleine Gärtnerei in der Umgebung leider aufgeben müssen, und ich bekomme vor Ort keine Karnivorenerde mehr. - Klar, ich könnte jetzt online bestellen, aber es hat eher dazu geführt, darüber nachzudenken, künftig das Substrat selbst zu mischen, um flexibler zu sein. Nun brauchen die Karnivoren ja nicht einfach bloß ein "saures Substrat", sondern auch eines mit einer guten Beschaffenheit und möglichst nährstoffarm sollte es auch sein. Die einfachste aber wohl auch bewährteste Mischung soll laut ersten Recherchen eine Mischung aus Weißtorf und Quarzsand sein. Erschließt sich mir auch.
      Meine Frage ist, ob jemand von euch schon Erfahrungen mit anderen Mischungen, die gänzlich auf Torf verzichten, gemacht hat. Da die Torfgewinnung ja nun nicht gerade die umweltfreundlichste Sache ist, denke ich gerne über Alternativen nach, und komme sowohl im Garten, als auch bei den anderen Zimmerpflanzen problemlos torffrei aus. Bei den Karnivoren bin ich mir da allerdings unsicher...
      Freue mich über Tipps und Meinungen zu dem Thema!
      Liebe Grüße aus Nordbayern,
      Rebecca
    • Danke trotzdem für die Rückmeldung! :)

      Am häufigsten stößt man im Netz auf eine Mischung aus Kokosfasern, Perliten und Pinienrinde. Da solche skurrilen Ideen wie "Styropor" für mich definitiv rausfallen, traue ich mich jetzt einfach mal, und probiere eine Mischung aus den drei genannten aus. Werde für andere Interessierte dann meine Erfahrungen hier dokumentieren.
    • Also, so wie ich das bisher verstehe, soll wohl die relativ nährstoffarme Kokosfaser den Hauptbestandteil bilden. Da diese aber keinen optimalen pH-Wert hat, sondern nur durchschn. auf ca. 4,7 kommt, mischt man etwas "saure" Pinienrinde unter. Die Perlite tun dann den Rest. Manche setze da scheinbar auch auf Quarzsand, für eine Versorgung mit Mineralien. Problem damit ist wohl hauptsächlich die "Wasser-Haltekraft", im Vergleich zu Weißtorf. Vielleicht lässt sich das mit guter Beobachtung ind häufigeren Wassergaben ausgleichen...? (momentan regnet es ja schön viel :)


      ...ich experimentiere ja grundsätzlich gern, nur muss es nicht unbedingt auf Kosten der geliebten Pflanzen gehen :/
    • Torf ist halt auch so eine Sache. Ist er trocken, dann ist er staubtrocken und braucht Unmengen an Wasser, bis der wieder gezogen hat.
      Ich denke, hat man ein Auge auf seine Kulturen, dann ist der Punkt ganz simpel keiner. Man schaut eh regelmäßig nach.

      Wenns um Mineralien geht, dann denke ich an Staub. Gibts überall, blöderweise halt nicht in deklarierter Zusammensetzung. Staub ist ähnlich wie Asche ein guter Dünger. Nur weiss man nichts über die Zusammensetzung und das kann böse enden.

      Es sei denn, man produziert beides selber und weiss was man braucht.

      Es gibt auf dem Markt Mulchfaser. Nicht zu verwechseln mit Rindenmulch. Die Mulchfaser hat keine Gerbsäuren und ist damit auch nicht aggressiv. Vielleicht lässt sich damit arbeiten? So ein Hauch davon an der Oberfläche? Kleingehackt und geschreddert?

      Langsam find ich das Thema echt spannend :)
    • Ja, das ist schon ein wirklich spannendes Thema, da gebe ich dir recht!

      Ich denke, die Natur hat für alles schon die besten Lösungen und "Kompositionen" entwickelt. Und auch, wenn manch einer meint, "der Naturschutz dürfte unseren grünen Daumen nicht beeinträchtigen" :thumbdown: - ich bin der Meinung, dass ich nicht auf Kosten der Natur (Torfabbau) Sumpfpflanzen in meine Wohnung holen darf. Also entweder, da findet sich eine Lösung, unter der nicht gelitten/kein Schaden angerichtet wird, oder man lässt es einfach bleiben.
      Ich muss dazu sagen, diese Karnivoren waren vor Jahren mal ein "hübsch arrangiertes" Geschenk, und ich hatte keine Ahnung, was ich damit Anfängen sollte. Erst mit der Zeit und viel Recherche wurde mir das klar.

      Nun jedes Jahr auf's neue einen Sack Torf dafür zu verbrauchen, weil Torf sich neunmal recht schnell zersetzt, und im heimischen "Glaskasten" ja nichts nachkommt, so wie es in der Natur der Fall ist, kann für mich einfach nicht die Lösung sein...

      Das mit der Mulchfaser klingt interessant. Die kannte ich noch nicht. Gibts die dann im Fachhandel? Wäre bestimmt mal einen Versuch wert! :D Da ich meinen Sonnentau sowieso aus Platzgründen bald mal aufteilen muss, und das Gluck hatte, vor kurzem sogar Samen ernten zu können, könnte ich da mal mit mehreren verschiedenen Mischungen experimentieren... :rolleyes:
    • Hallo zusammen

      Ich bin auch seit heute neu im Forum. Erst seit meinem Umzug vor zwei Jahren habe ich mich etwas mehr mit Pflanzen beschäftigt. Deine Frage finde ich sehr spannend, daher habe ich auch etwas im Internet recherchiert.

      Bei der Suche bin ich auch am häufigsten auf eine Mischung aus Kokosfasern, Perliten und Pinienrinde gestossen. Ich bin sehr gespannt, was deine eigene Mischung aus den drei genannten Komponenten ergibt und freue mich auf deine dokumentierten Erfahrungen.

      Grüsse Mila
    • So, heute kann ich mal erste Ergebnisse mit euch teilen.

      Heute habe ich die Pflanzen "umgetopft" und dabei gleich geteilt. Das Teilen hat beim Sonnentau etwas überwindung gekostet (es war das erste Mal, dass ich das gemacht habe), und ich war vermutlich etwas zu zaghaft :D letztlich konnte ich hier aus ursprünglich einer Pflanze 4 einzelne heruasteilen, die nun hoffentlich gut wieder anwachsen.

      Da ich das übrige Torfsubstrat, welches ja noch in den Gefäßen drin war, nicht entsorgen wollte, habe ich es als unterste Schicht in beide Gefäße verteilt, und mein neu gemischtes Substrat oben aufgeschüttet, in der Hoffnung, dass es das Wachstum nicht beeinträchtigt.

      Meine Mischung besteht nun aus Kokosfasern (Hauptanteil mit ca. 60%), Perliten (ca. 20%), etwas Quarzsand und Pinienrinde.
      Leider war es unmöglich, die Bestandteile einzeln vor Ort zu bekommen, sodass ich leider doch wieder nicht drum herum kam, online zu bestellen. Aber immerhin ist es nun schon mal praktisch torffrei :thumbup:
      Die Perlite und die Pinienrinde gab es jedoch auch Online nur in recht großen Packungen, sodass ich davon jetzt mehr als einen Jahresvorrat habe :D aber wenn diese Substratmischung gut funktioniert, ist es ja vielleicht gar nicht verkehrt, mehr davon da zu haben.... :thumbsup:

      Da es die Pinienrinde nur in recht groben Stücken gab, habe ich mir die Mühe gemacht, diese dann vorher noch klein zu hacken, was leider echt mühsam ist, und sich auf Dauer hoffentlich noch anders lösen lässt.

      Die Mischung selbst habe ich rein nach Gefühl gemischt, wobei ich zuerst das Problem hatte, dass der feine Quazsand sofort nach unten durchrieselt, während sich die leichten groben Perlite mehr an der Obenfläche gesammelt haben. - Dieses "Problem" lässt sich aber leicht lösen, indem man das ganze anfeuchtet, und dann mit den Händen nochmal kräftig durchmischt, bevor man die Pflanzgefäße damit befüllt.
      Meine Mischung teilt sich ungefähr so auf:
      - 60% Kokosfaser
      - 20 % Pinienrinde
      - 15 % Perlite
      - 5% Quarzsand

      was allerdings nur grob stimmt, da ich zum Ende hin nicht mehr abgewogen habe.

      Um den richtigen pH-Wert zu erreichen, habe ich das Substrat gut angefeuchtet, etwas "ziehen lassen" und nach ca. 15 Minuten einen Wasserprobe genommen. Teststreifen für den pH-Wert bekommt man für ein paar Euro in jeder Apotheke. Nach der ersten Mischung lag der pH-Wert bei 4,8, weshalb ich dann nachträglich noch mehr Pinienrinde untergemischt habe, bis das ganze einen pH-Wert von 4,5 erreicht hat.

      Die beiden Glasgefäße sind in meinem Fall schon vorhanden gewesen (wie bereits erwähnt, waren die Karnivoren mal ein Geschenk ;) ) aber die meisten Karnivoren lassen sich auch in herkömmlichen Töpfen ziehen, was dann natürlich Substrat spart. Vorteil meiner Glasgefäße ist allerdings, dass ein Austrocknen auch während des Urlaubs nicht befürchtet werden muss. Hier habe ich in Vergangenheit einfach etwas mehr gewässert, sodass das gestaute Wasser ca. 1 cm über der Substratoberfläche stand. Das ist kurzzeitig für die Moorpflanzen keine Belastung, und sorgt auf einfache Weise dafür, dass auch bei längerer Abweisenheit niemand Wassermangel leidet.

      Das angefeuchtete Substrat habe ich gleichmäßig auf beide Gefäße verteilt, danach die Pflanzen wieder eingesetzt, und alles so lange gewässert, bis die Masse gleichmäßig matschig-feucht war. Nun heißt es abwarten, und beobachten, wie sich alles entwickelt. Ich halte euch gerne auf dem Laufenden ;)


      Das Beste zum Schluss: Als ich einen Abend lang über Srunden hinweg nach einem Bezugspunkt für reine Perlite gegoogelt habe, bin ich auf folgende Website gestoßen: Green Jaws Ludwigsburg - hier gibt es nicht nur jede Menge spannender Karnivoren, sondern auch ein torffreies Karnivorensubstrat zu kaufen :D :D :D Es setzt sich laut Angaben ganz ähnlich zusammen, wie das, was ich nun gemischt habe, und ist im Vergleich zu herkömmlicher Karnivorenerde aus dem Fachmarkt, auch nicht teurer. Leider habe ich das erst entdeckt, nachdem ich meine Substratteile zum Großteil schon bestellt hatte. Aber vielleicht ist das ja für jemand anderen hier spannend, und jemand möchte da mal einen Versuch starten?


      Beste Grüße aus Unterfranken,
      Rebecca
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    • Ich habe übrigens festegestellt, dass ich beim Torfsubstrat durch das Gießen mit Regenwasser mit der Zeit eine Schicht aus Moosen auf der Oberfläche bildet. Bisher habe ich das einfach wachsen lassen. Aber es wäre natürlich interessant zu wissen, ob das bei Karnivoren/Moorpflanzen eine spezielle Bedeutung hat, bzw. ob es eine gute Symbiose ergibt (was man ja bei Moorpflanzen zumindest vermuten könnte), oder ob es doch eher unvorteilhaft ist (falls ja, warum?) und ich es besser entfernen sollte. Weiß darüber jemand was?
      Jetzt beim "Umtopfen" habe ich das Moos soweit es ging an den Pflanzen gelassen (sieht am teils auf den Fotos). Ich kann jedoch nicht sagen, was für eine Art Moos das ist. Ich vermute, dass ich mit dem Regenwasser was "einschleppe"...
    • Das waren auch meine ersten Gedanken zum Moos. Aber ich bin immer dankbar für andere Meinungen und Sichtweisen. Man Sieg ja selbst auch nicht immer alles, bzw. gewohnt sich ja mit der Zeit gewissen Sichtweisen an, und verliert dadurch vielleicht manchmal auch den Blick für Alternatives... ;)

      Dann werde ich das einfach weiter "wuchern" lassen, und schauen, was mit der Zeit noch so passiert. :)

      Diese "Terrarien" waren anfangs schon dabei, wahrscheinlich aufgrund des Kleinklimas. Und es scheint den Pflanzen auch nicht geschadet zu haben. Allerdings hat sich das Torfsubstrat immer schnell abgesetzt, sodass die Pflanzen samt Substrat früher recht schnell "abgesunken" sind, und dann sehr tief in den Glaskästen saßen. Oft hat das dazu geführt, dass die Pflanzen selbst sich sehr stark nach oben gestreckt haben, und der Sonnentau wurde nun auch langsam zu breit. Deshalb habe ich ihn geteilt, und die Kästen stärker befüllt. Mal schauen, wie gut das auf Dauer klappt. Denke mal, dass sich das torffreie Substrat nicht so stark und schnell komprimieren wird, wie das torfhaltige.
      Es bleibt also weiter spannend :D
    • Wie schaut das bitte überhaupt mit der nötigen Luftfeuchte aus?
      Die Gläser erwärmen sich ja sicher ein bisschen, aber dampft es im Gefäß auch wie benötigt?

      Ich hab eine Erdorchidee in einem solchen Glas stehen, mit ein paar Lavabrocken drin und neble das Gefäß mit sehr warmem Wasser. Es entsteht dann an den Innenwänden und am Grund Dampf. Also kleines wie feines Mikroklima. Hält halt auch nicht ewig. Ist aber besser wie nix.
    • Ja, wichtige Sache! Ich habe beide Gefäße seit über einem Jahr an Südfenstern stehen, und wässere ca. 1-2 mal pro Woche (je nach beobachtetem Bedarf).
      Außerdem sind in den Gefäßen selbst einige Tonscherben/Schieferplatten mit eingesetzt. Das sorgt zusätzlich für Wärme und Oberflächen. Bisher hatte ich damit keine Probleme.
      Anfangs standen beide Gefäße in Zimmer mit Ost- bzw. Westfenstern, und ca. 2 Meter von den Fenstern entfernt. Ging zwar auch noch, aber seit ich beide an den Südfenstern habe, scheint es den Pflanzen sichtlich besser zu gehen. Der Sonnentau hat seit dem seine (eigentliche) rötliche Färbung, die er vorher kaum hatte, und alle haben in dem Jahr mit mehr Sonnenlicht auch mehrfach Blüten ausgebildet, was in der Zeit zuvor auch nicht vorkam.
      Ich bin da echt kein Experte, aber ich nehme mal an, dass es ihnen zumindest nicht allzu schlecht geht. ;)

      Denke, was die Luftfeuchtigkeit angeht, kommt es mir da auch zugute, dass das Wasser in den Glasgefäßen nicht abläuft, sondern mit der Zeit mehr verdunstet.
    • Ich bin ja wirklich nicht in dem Thema drin, hab allerdings von Walnusslaub gelesen, es wäre leicht säuernd.
      Es zersetzt sich nur recht schwer und dauert auch eine Weile, aber vielleicht kann man das unterstützend für den Säurewert verwenden.

      Mich persönlich ärgert das schon, dass das Wissen über Komponenten so komplett verloren gegangen ist und alles immer horrendes Geld kosten muss, obwohl man Hilfsmittel vor der Nase hat.

      So als kleiner Anschieber :)