Thripse Invasion

    • Thripse Invasion

      Hallo liebe Pflanzenfreunde und -freundinnen,

      Vorsicht: Langer Text (ich muss mal mein Herz ausschütten ;( ).
      Leider leben mein Mann und ich nicht mehr allein in unserer Wohnung. Seit ca. 3 Monaten sind ungebetene Gäste bei uns eingezogen, die in regelmäßigen Abständen meine geliebten Pflanzen attackieren. Dank dem Forum hier konnte ich sie direkt als Thripse identifizieren.

      Zuerst entdeckte ich Larven auf einer Alocasia Zebrina. Diese konnte ich retten, leider waren auch 4 andere Pflanzen in der Nähe befallen. Meiner riesigen Calathea Orbifolia konnte ich quasi täglich beim Verkümmern zuschauen. Trotz Behandlung habe ich sie schweren Herzens entsorgt. Die anderen Pflanzen zogen ins Treppenhaus in Quarantäne. Ich dachte, die Viecher seien besiegt, jedoch entdecke ich sie mit meiner Handylupe gefühlt im Wochentakt auf anderen Pflanzen in 4 Meter entfernten Ecken. Die Pflanzen behandelte ich direkt (in der Badewanne abbrausen - Quarantäne - erst täglich mit Ölspüligemisch angesprüht, dann mit Neemöl).
      Vor ca. einem Monat entdeckte ich einen Befall auf meiner Monstera. Da sie knapp 2 Meter hoch und sehr schwer ist, bekomme ich sie nicht in die Badewanne. Daher holte ich mir auf Anraten die Chemiebombe für die Erde in Form von Stäbchen und sprühte sie im 2 Wochen Abstand mit Neem-Öl ein (natürlich auch Blattunterseiten). Selbst Blautafeln habe ich aufgehängt. Bis heute entdecke ich keine weiteren braunen Blätter, heute der Schock - gleich 5 Blätter befallen (brauner silbriger Schimmer, bei genauem Hinsehen Larven und ausgewachsene Thripse entdeckt).
      Gieße sie 1x wöchentlich mit gefiltertem Wasser, Luftfeuchtigkeit ist meist bei ca. 60 %. Sie schießt auch fleißig neue Blätter raus, nun war aber direkt ein relativ neues Blatt schon leicht verkümmert (ist eine Variegata, sehr vergrünt, aber dieses Mal war auch ein Blatt mit Weißanteil befallen ;( ). Sie ist so groß, in meiner Wohnung kann sie nur in der Ecke bleiben. Quarantäne an einem anderen Ort ist nicht wirklich umsetzbar (außer Balkon?)

      :?: Nun habe ich mehrere Fragen :?:

      1. Wieso helfen die Stäbchen nicht? Habe mich exakt an die Dosierungsanleitung gehalten. Was könnte es hier für Gründe geben?

      2. Die Pflanze steht direkt an einer Balkontür - kommen die Viecher reingeweht oder meint ihr, der Platz hat damit nichts zu tun? Können sie beim Vorbeigehen auch an Menschen hängen bleiben und so zu anderen Pflanzen geschleppt werden?

      3. Ich habe überlegt, ob ich die Erde auswechsle (wegen der Chemie) und Insekten zur Bekämpfung einsetze. Wäre es einen Versuch wert? Welche helfen hier?

      4. Ich investiere wirklich viel Zeit in das wöchentliche Checken. Was ist mit diesen Thripsen los? Verstecken die sich absichtlich in der Erde um dann aufeinmal wie aus dem Nichts aufzuploppen? :bang:

      Bin dankbar für jegliche Tipps!
      Schönen Abend!
    • Ich kann mitfühlen, mein Philodendron plagt sich seit Monaten damit :(

      Das ist eine ewige Geschichte mit den Thripsen, so auf die Schnelle kriegt man die nicht weg. Also bitte Geduld und Konsequenz.

      Das heisst, immer wieder abspülen (durchaus mit der Sprühflasche bei der Monstera), die Umgebung feucht wischen und ja nicht nachlassen.

      Wenn es gar nicht anders geht, dann Spritzmittel ansetzen und nach Angabe anwenden. Kinder und Haustiere bitte nicht in die Nähe lassen, das ist kein Spass und sollte ernsthaft gehandhabt werden.

      Es kann nötig sein, täglich abzuduschen und täglich zu wischen. Die Tiere sitzen nicht brav an einer Stelle, sie verteilen sich und nicht alle knabbern zuverlässig an der präparierten Pflanze. Manche geben die Nachhut und schlüpfen einfach später.

      Wird täglich geduscht und gewischt, der Zyklus in der Vermehrung wird unterbrochen und damit bricht die Population zusammen. Das braucht aber wirklich Konsequenz in der Behandlung.

      Nicht verzagen, die lassen sich schon besiegen.
    • Tut mir leid, dass die Thripse schon Pflanzen bei dir so geschwächt haben und sogar welche entsorgt werden mussten.

      Auf den Balkon würde ich sie nun nicht mehr stellen, da es Insekten gibt, die auch gerne überwintern, da holt man sich dann nur noch mehr ins Haus im schlimmsten Fall. Gerade ist die Zeit, da wird aktiv nach Überwinterungen gesucht und die Temperaturen sind auch bald nicht mehr hoch genug für eine Alocasia im Freien.

      Es gibt sehr viele verschiedene Arten Thripse und die chemischen Mittel müssen gegebenfalls mehrfach angewendet werden. Die Tiere sitzen nicht statisch auf den Pflanzen und es kann sein, dass sie von draußen wieder hereingelangt sind oder im Puppenstadium überdauert haben. Nicht jedes Stadium ist nach einer Woche abgeschlossen, manchmal verzögert sich die Entwickung durch niedrigere Temperaturen etc.

      Wenn der Befall sehr schwer ist, helfen die Hausmittelchen nicht. Und ich würde dann auch abraten bei vielen Pflanzen, weil es zu aufwändig ist. Bei dir geht es ja bei der Monstera sowieso nicht.

      Wozu ich raten würde: Zuerst würde ich neues Substrat nehmen. Die Töpfe sind voll von den Puppen, Larven etc. Bei der Gelegenheit auch versuchen die Pflanzen noch mal abzuspülen (auch die große Monstera, soweit möglich) und soviel von den Tieren wie möglich von den Pflanzen zu bekommen. Der Neustart im neuen Substrat sollte dann einfacher gehen.
      Da vermutlich einige Tiere die Behandlung überstehen werden bzw iwo in der Wohnung/Haus leben, sind weitere Maßnahmen zu ergreifen.

      Es gibt im Handel Florfliegen, Nematoden und Raubmilben, die ich Kombination einsetzen würde.
      Die Florfliegen bzw deren Larven beseitigen die Larven der Thripse. Wirken allerdings nur kurzzeitig, dafür sind sie sehr radikal und auch beweglich auf der Pflanze.
      Raubmilben wirken zeitverzögert gegen die Puppen oder Larven und auch noch gegen andere Schädlinge. Haben dafür eine lange Wirkdauer bis über Jahre, wenn sie dauerhaft was zu fressen finden.
      Nematoden wirken gegen die verschiedenen Puppenstadien, sind schnell wirksam und bei genügend Nahrungsangebot auch so lange aktiv wie sie noch was finden. Sie können nur in der Erde leben und nicht wie die anderen beiden Pflanzen wechseln.
      Hier würde ich zu Nematoden/Raubmilben raten. Die Pflanzen wenn möglich gruppieren, so dass die Milben bzw Florfliegen auch wechseln können.
      Unterstützend ist eine Anhebung der Luftfeuchte zu empfehlen, vor allem die Milben brauchen eine hohe Feuchte. Da wäre tägliches Einsprühn der Pflanzen ratsam. Das nervt die Thripse und sie mögen es eh nicht so feucht.
      Als Kontrolle kann man sicherlich Blausticker anbringen, um zu sehen, wie sich der Befall entwickelt.
      Es sollte sich jedoch deutlich reduzieren und die erwachsenen Tiere mit der Zeit auch weniger werden. Ein paar werden sich noch paaren können und Eier legen, aber soweit sollte es sukzessive abnehmen.

      Es geht auf die kältere Jahreszeit zu und Heizungsklimata sind ideal für Thripse, deshalb nach Möglichkeit schauen, dass auch im November/Dezember die Luftfeuchte hoch bleibt.
      So ein Befall kann schon auch mal ein paar Wochen/Monate dauern.

      Ich arbeite seit Jahren mit verschiedenen Raubmilben und Nematoden und ab und zu sehe ich mal einen Thrips oder eine Trauermücke, aber es gibt keinen schadhaften Befall. Ein paar Tiere kann man nicht vermeiden, weil die ja auch mal durchs geöffnete Fenster kommen. Meist sind Eier der Tiere bereits im neuen Substrat, da ist man machtlos. Hochwertige Erde kaufen, reduziert aber das Risiko.
      Wenn etwas wächst, gibt es auf der anderen Seite etwas anderes, das wächst auch...nur negativ.
    • Hallo ihr beiden,

      vielen Dank für eure Antworten.

      Habe gestern Abend alle Pflanzen in der Wohnung inspiziert und konnte noch einen Befall an einer Goldpalme entdecken. Die erste und einzige Pflanze im Bad, die befallen ist. Sie steht hoch oben auf einem Schrank. Die beiden Pflanzen daneben haben keinen Befall (zumindest konnte ich nichts erkennen, ich rechne nun schon mit einem Aufploppen in den nächsten Tagen :( ) Dachte, die Viecher können nicht so richtig fliegen, sondern lassen sich eher irgendwo runterfallen?!

      Also die große Monsti werden wir umtopfen nach deiner Empfehlung Caleb. Werde am Wochenende hilfreiche Insekten kaufen/bestellen. Kann man da überdosieren? :D

      @kuerzlich danke, das motiviert mich dran zu bleiben. Habe die Tierchen bisher immer mit der Fusselbürste weggerollt. Werde ab sofort noch fleißiger wischen und sprühen.
      Das mit dem täglichen Duschen bekomme ich allerdings nicht hin, da sie einfach zu mächtig ist. Meinst du, konsequentes Wischen und sprühen reicht auch? Ansonsten könnte ich vielleicht noch ein Rollbrett kaufen und sie täglich in die Dusche kutschieren. ;)

      Sind denn die Larven oder die ausgewachsenen Tiere für den silbrig braunen Schimmer verantwortlich? In den Blautafeln hingen nämlich nur ganze zwei ausgewachsene Thripse ?(

      1000Dank an euch :thumbsup:
    • Ja, der Schimmer zeigt durch die Bisse zerstörten Zellen.

      Sprühen hat den Vorteil, dass man mit entsprechend Druck die Thripse von den Blättern schiessen kann. Hinterher muss halt die Umgebung gewischt werden. Sonst marschieren die zurück. In der Dusche spült man alles gleich in den Abfluss und weg sind sie.

      Die Monstera kann natürlich (an ihrem Platz) regelmäßig nass abgewischt werden, das muss ja alles nicht zu einer sportlichen Schikane werden :)

      Raubmilben kann man nicht überdosieren. Die fressen sich durch das Angebot, ist nix mehr da, sie sterben ab.
    • Es gibt eine umfassende Anleitung zur Handhabung der Tiere. Die werden in verschiedenen Stadien geliefert (Larven, Puppen, Adulte) und können auch mehrere Wochen/Monate hungern.

      Nach Packungsanleitungen in jeden Topf die Milben und/oder Nematoden ausbringen, auch wenn die Pflanzen gerade keinen Befall zeigen. Sicher ist sicher. Nützt ja nichts, wenn dann wieder ein Befallsherd im Bad oder wo auch immer steht.

      Thripse können schon fliegen. Nur nicht sonderlich elegant.

      Nicht verzweifeln. Wenn der erste Schwung Thripse weg ist, ist schon mal viel gewonnen. Die Milben machen ihr Ding und wenn man unterstützend die Blätter abwischt und die Pflanzen absprüht, sollte das auf Dauer erfolgreich sein.
      Wenn etwas wächst, gibt es auf der anderen Seite etwas anderes, das wächst auch...nur negativ.