Geigenfeige Komplettmakeover

    • Geigenfeige Komplettmakeover

      Hallo Pflanzenfreunde,

      im Zuge meiner Mission, die Pflanzen in der Wohnung meines Vaters zu retten, muss ich mich ganz dringend um diese Geigenfeige kümmern.

      1) Das Wichtigste zuerst: ich vermute Wurzelfäule. Die Blätter sehen mir danach aus, sie steht in einem zu großen Topf mit wahrscheinlich unzureichender Drainage, und sonderlich hell ist diese Wohnung nicht. Ich weiß theoretisch schon, was da zu machen ist (umtopfen in einen kleineren Topf mit Drainage, austrocknen lassen, betroffene Blätter abschneiden), aber sie ist irre unhandlich und fragil, daher ist das Umtopfen ein größeres Unterfangen. Mein Vater besteht darauf, das auf dem Balkon zu machen, aber aktuell hat's bei uns um die 10°C, was sie denke ich schocken würde. Erst am 13.04. wäre es laut Vorhersage 16°C und damit warm genug(?). Das ist noch eine gute Woche, ist das nicht viel zu spät? Gibt es Sachen, die ich provisorisch zur Überbrückung tun kann?

      2) Eine andere Sache ist eine schimmelig aussehende Stelle, die ein Überbleibsel eines gescheiterten Abmoos-Versuches ist. Könnte vielleicht auch das die Ursache für die infizierten Blätter sein? Und selbst wenn nicht, sollte ich etwas dagegen unternehmen?

      3) Und jetzt noch das wahrscheinlich langfristige Projekt: sie ist so hoch wie unsere Decke - 3,20 - und äußerst ungünstig gewachsen. Man sieht erst bei genauerem Hinsehen WIE ungünstig, deshalb habe ich eine Skizze gemacht.
      Der Wuchs ist nicht nur optisch unschön, er ist auch für die Pflanze schlecht. Wie gesagt, die Wohnung ist dunkel, aber an der Decke ist erst recht nix zu holen. Sie würde also deutlich davon profitieren, weiter unten auszutreiben.

      Auf der Skizze sieht man, wo Blätter wachsen und wo nicht. Der Stamm hat überhaupt keine, nur die Abzweigungen. Wie zum Henker soll man das schneiden? Eigentlich müsste der gesamte Kopf weg, aber ich gehe davon aus, dass eine so radikale Maßnahme sie umbringen würde. Soll ich sie dann Stück für Stück jedes Jahr ein bisschen runterschneiden, und ihr dazwischen Zeit zum Austreiben lassen? Und wo genau muss ich die ersten Schnitte setzen, dass sie nicht wieder nur ganz oben in eine dunkle Ecke austreibt?

      Mir tut dieses Gewächs wirklich leid. Sie hält jetzt schon über 20 Jahre tapfer durch und kriegt immer wieder neue Steine in den Weg gelegt. Ich bin jetzt für ein paar Monate; die perfekte Gelegenheit, sie über einen längeren Zeitraum hinweg zu betreuen und ihr endlich die Aufmerksamkeit zukommen zu lassen, die sie verdient.

      Liebe Grüße und Danke im Voraus!
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    • Bild Nr. 2 und Nr. 5............ auf diesen Seitentrieb einkürzen, Kopf weg. Schnitt nicht mit so einer Nase wie auf Bild 5, sondern im Winkel vom Seitentrieb schneiden. Also bündig.

      Zusätzlich, was sagt das Giesswasser? Hartes Wasser? Dann bitte präparieren auf weich (ich mache das mit destilliertem Wasser).

      Wasserhaushalt geht wie? Trockenphasen dabei? Das bitte vermeiden. Nicht patschnass zu staubtrocken. Ein Mittelding wäre besser. Giesswasser nicht eiskalt verwenden, das darf ruhig angenehm warm sein.

      Dann eben möglichst viel Licht, Vorhänge weg. Keine kalte Zugluft, das ist immer Gift.
    • Der Standort ist für die Pflanze nicht mehr geeignet. Der Schimmel kann oberflächlich sein, idR können gesunde Pflanzen mit so etwas umgehen.

      Da die Pflanze nicht mehr in der besten Kondition ist und vermutlich da bleiben soll, kann man einfach ein paar Kopfstecklinge machen.
      Die Geigenfeige ist schnittverträglich bis in altes Holz und wird auch neu austreiben.

      Ich würde die umtopfen, da ist die Zeit jetzt auch egal. Danach kann man hier 2/3 rückschneiden, so um die 50 bis 70 cm sollten stehen bleiben. Da hier ja am Ende nur ein Trieb ist, ist auch nur ein Schnitt erforderlich. Angießen, leicht feucht halten (nicht nass!), warm stellen, Licht und warten. Es dauert idR einige Wochen bis mehrere Monate, bis sich etwas regt. Geduld.

      Parallel kann man sich ein, zwei der Kopfstecklinge nehmen und die in Anzuchterde stecken oder ins Wasser stellen, bis sie Wurzeln bekommen.

      Ich empfehle hier, sich in die Pflege der Geigenfeige einzulesen, auch was Substrat anbelangt. Die muss etwas gehegt werden.
      Wenn etwas wächst, gibt es auf der anderen Seite etwas anderes, das wächst auch...nur negativ.
    • Vielen lieben Dank euch beiden! :)

      Mich würde noch interessieren, ob ihr auch denkt dass es Wurzelfäule ist, oder ob ihr eine andere Ursache vermutet. An den Maßnahmen würde das denke ich nichts ändern, ich bin einfach neugierig ob ich richtig lag.
      Außerdem wollte ich euch noch fragen, ob ich die Geigenfeige am selben Tag schneiden und umtopfen kann, oder ob das zuviel Veränderung auf einmal ist. Muss ich dazwischen warten?

      Zu kuerzlich's Anmerkungen: unser Wasser müsste ziemlich weich sein, wir kriegen Harztalwasser. Mein Vater gießt alle Pflanzen einmal die Woche, bei der Geigenfeige kippt er vielleicht so einen Liter rein. Mir kam das bisher angesichts der Größe des Topfes lange Zeit angemessen vor, aber das ist wahrscheinlich zu viel, oder?
      Sie steht bereits am hellsten Fenster, am Standort kann ich also leider nichts verbessern. Wenn es warm genug ist, stelle ich sie aber auf den Balkon.
      Und nur um sicherzugehen: ich soll oberhalb des untersten Triebes einen schrägen Schnitt setzen und die gesamte Krone kappen? Nicht, dass ich an diesem Rat zweifele, ich will bei einer so großen Sache einfach sichergehen.

      Zu Caleb's Anmerkungen: habe ich es richtig verstanden, dass ich mit dem Umtopfen eine Woche warten kann bis es warm genug ist?
      Und wo du das Substrat ansprichst: ich hatte vor, unten in den Topf eine Schicht Kieselsteine reinzumachen und ein Substrat aus Grünpflanzenerde, Seramis und so nem Seramis-ähnlichen Zeug für Kakteen (sieht aus wie Splitt) anzumischen. Das sind die Sachen, die ich da hab, und nach meiner bisherigen Recherche würde das auch für die Geigenfeige hinhauen. Würdest du da zustimmen?

      Nochmal ein großes Danke und sorry für die vielen Fragen!
    • Kein Problem wegen der Fragen.

      Ich persönlich würde radikaler einkürzen. Es ist genauso gut, wenn Du den Ficus dort kürzt, wie kürzlich meinte. Auf dem 5. Bild der erste Seitentrieb darüber wird angesetzt. Und zwar so, dass nichts übersteht. Das wurde ja bereits geschrieben.
      Ich würde das Umtopfen zu erst ansetzen, damit man sich die Wurzeln betrachten kann. Riecht es muffig, ist es faulig etc pp. Alles was nicht gesund aussieht, vertrocknet, matschig etc pp ist, wird abgeschnitten.
      Dann wird die Pflanze in ein dem Wurzelballen entsprechendes Gefäß mit Löchern gesetzt. Das Substrat sollte nicht zum Vernässen neigen. Grünpflanzenerde mit Seramis, etc kann man machen. Kieselsteine kannst Du weglassen.
      Ob man jetzt einen Liter pro Woche vergießen muss, weiß ich nicht. Das gibt dir die Pflanze vor. Das Substrat sollte zwischen leicht feucht und gut feucht liegen. Was das nun heißt? Weder trocken wie ein Kaktus noch klatschnass wie eine Sumpfpflanze. Die können mal trockener stehen, vertragen aber kein Extrem gut, also dauerhaft zu trocken und dauerhaft nass mögen die nicht so.
      Ich gieße meine Ficus momentan ca 7 bis 14 tätig und je nach Austrocknungsgrad kommen da 2 Liter oder auch nur ein halber Liter rein. Pauschal kann man das nicht sagen. Wenig Blätter verdunsten aber auch weniger Wasser und dein Ficus ist eben sehr licht.

      Umtopfen kannst Du jetzt machen. Kürzen vorher erledigen, so 10 bis 14 Tage. Da hier aber niemand weiß, was konkret los ist, würde ich erst umtopfen und später rückschneiden, damit noch etwas mehr Blattmasse an der Pflanze übrig ist und sie gut versorgt wird. Ich kürze aber meine Pflanzen nicht oft und habe das iVm Umtopfaktionen noch nicht gemacht, deswegen kann es sein, dass noch andere Aussagen kommen.
      Gedüngt wird aber in jedenm Fall dann dieses Jahr nicht mehr. Das kann dann ab nächstem Frühjahr so aller 2 bis 3 Wochen erfolgen, wenn die Pflanze mehr Triebe und Blätter hat.

      Auf den Balkon würde ich sie dann aber nur stellen, wenn er nicht Südseite hat und der Ficus pralle Sonne hätte. Da würde ich noch etwas warten, bis er sich erholt hat.
      Wenn etwas wächst, gibt es auf der anderen Seite etwas anderes, das wächst auch...nur negativ.
    • Ich halte die weissen Stellen für Schmierläuse. Das würde zu dem nicht wirklich guten Zustand passen. Lässt sich das abwischen?

      Topfen und schneiden geht in einem Aufwasch, das gibt nicht zusätzlich Probleme und ja, den kompletten Kopf schneiden. Nur den einen Seitentrieb lassen..

      Ich würde nicht auf mineralisches Material als Hauptstoff gehen, sondern durchaus Pflanzensubstrat verwenden. In das dann wieder andere Stoffe gemischt werden.

      Direkt nach dem Schnitt einen passend großen Schnipsel (Küchenrolle/Klopapier) auf die Wunde pressen, das reduziert den Milchfluss. Wahlweise auch ein Tuch o.ä. in heisses Wasser tauchen und dann auf die Wunde.

      Nach umtopfen gründlichst angiessen, einfach komplett feucht und dann eben nicht trocken werden lassen, sondern nur angetrocknet.

      Bei Fragen bitte fragen.
    • Huch, für eure beiden letzten Nachrichten habe ich gar keine Benachrichtigungen bekommen! Ich habe die Geigenfeige heute umgetopft und wollte deshalb ein Update machen. Aber der Reihe nach.

      Zu Calebs Anmerkungen: die Wurzeln sahen für mich sogar ganz gut aus, nichts davon hat sich matschig angefühlt, gestunken hat es auch nicht (tatsächlich überhaupt nicht, das hat mich wirklich überrascht), und daher habe ich auch nichts abgeschnitten. Ich hätte nicht gewusst, was. Auf den Fotos könnten die Wurzeln noch problematischer aussehen als in echt, weil ich den Wurzelballen leider nicht abspülen konnte. Mein Vater war schon genug genervt von der ganzen Aktion und dem "Dreck", da hätte ein unter Wasser gesetzter Balkon einen fetten Streit ausgelöst. Dass die Wurzeln so dunkel aussehen, liegt also einfach an der Erde.

      Ich habe in den Topf unten drei Handvoll Steine zum Verschließen der Löcher und darüber 1kg Lecaton getan. Dann habe ich zwei Teile Grünpflanzenerde mit jeweils einem Teil Seramis und diesem Seramis-ähnlichen Granulat für Kakteen vermischt.

      Ich hab das Gießen bei meinen Pflanzen auch im Gefühl, ich weiß einfach wann und wieviel ich gießen muss. Mein Vater allerdings ist kein Pflanzenfan, ihm sind sie eher lästig. Deshalb wäre es das Beste, wenn ich ihm einen festen Zeitintervalls und eine feste Menge nennen könnte, aber ich weiß dass ein lebender Organismus so nicht tickt.

      Der Balkon hat so ziemlich dieselben Lichtverhältnisse wie der jetzige Standort, mit Ausnahme der Tatsache, dass kein Glas zwischen Sonne und Blättern ist.

      Zu kuerzlichs Anmerkungen: oh shit, Schmierläuse? Da muss ich morgen nochmal bei Tageslicht draufgucken. Ich hab etwas dran rumgekratzt, und es fühlt sich so an als wäre die Rinde dort verfärbt. Ich konnte also keine Schicht abkratzen. Aber wie gesagt, ich gucke morgen nochmal. Es gibt auch eine zweite weiße Stelle ganz unten am Stamm, die mir erst beim Umtopfen aufgefallen ist. Auch davon habe ich ein Foto gemacht.

      Ich hab 50% Grünpflanzenerde und 50% Granulat. Findest du das in Ordnung? Ich könnte es jetzt allerdings auch eigentlich nicht mehr ändern, das würde ihr glaube ich nicht behagen.
      Geschnitten habe ich sie noch nicht, das würde ich dann morgen machen wenn du sagst dass das so möglich ist.

      Gründlich angegossen ist sie :)

      Danke euch beiden!
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    • Ist die Höhe an Topftiefe identisch mit der vorherigen Höhe? Ist das eine Wurzel, die da sichtbar ist?

      Wird umgetopft, dann bitte auf vorherige Höhe/Tiefe. Nicht tiefer als vorher und auch nicht höher. Sollte es da noch Spiel geben, dann Substrat bis vorheriges Maß anfüllen. Ansonsten habe ich nix zu beanstanden ;)

      Stimmt, giessen kann man selten nach fixem Fahrplan. Gehen bis zum "soviel braucht der Ficus von bis?" regelmäßige Besuche beim Herrn Papa? Das würde helfen Fehler zu vermeiden und die Sicherheit geben, dass da nicht viel falsch gemacht werden kann.

      Schnitt ist also gut machbar. Viel Erfolg :)
    • So! Ich will schon seit Ewigkeiten ein Update machen, aber weil ich auch gerade meine Bachelorarbeit schreibe, ist es mir immer wieder durchgerutscht.

      Erstmal noch zur letzten Nachricht: danke für den Hinweis mit der Wurzel, die war in der Tat weniger bedeckt als im alten Topf. Ich hab die Nachricht gesehen und noch etwas mehr von meiner Mischung draufgekippt.
      Ich bin den ganzen Sommer über hier (wegen besagter Bachelorarbeit) und passe auf sie auf :)

      Wegen der Schmierläuse... irgendwie kann ich weder bestätigen noch ausschließen, dass es welche sind. Ich kann auch nicht mehr sehen als auf dem Foto. Gibt es etwas, auf das man besonders achten sollte, um sie zu diagnostizieren?

      Die Geigenfeige ist nun geköpft und hoffentlich glücklicher. Von der fehlenden Krone abgesehen sieht sie unverändert aus. Neue Triebe habe ich bisher nicht gesehen, aber dass sie sich anscheinend nicht verschlechtert, reicht mir erstmal.
      Weil es so unfassbar warm ist gerade, habe ich es für sicher genug gehalten, sie auf den Balkon zu stellen. Ich kann sie leider nicht an die neuen Lichtverhältnisse gewöhnen, weil der Balkon nur ein Lichtverhältnis hergibt; und sie andauernd raus und reinzutragen bekommt uns denke ich beiden nicht. Deshalb habe ich ihr eine Mülltüte mit Löchern übergestülpt. Sicherlich keine professionelle Lösung, aber hoffentlich ist es besser als nichts.

      Sorry, dass meine Fotos immer so dunkel sind, ich mache so etwas praktisch immer nachts. Aber die sind ja jetzt auch nicht zur Diagnose, sondern einfach zum Angucken und Freuen, dass sie noch lebt. Bei Gelegenheit mache ich auch noch Fotos ohne die Mülltüte, aber ich musste vorhin mehrere Tüten durchprobieren und wollte sie dann erstmal in Ruhe lassen.

      Liebe Grüße!
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    • Mach die Mülltüte runter. Das ist auf Dauer nicht so gut für die Pflanze. Hauptsache sie bekommt bei der Wärme ordentlich Wasser und steht nicht trocken. 30 Grad sollte die in der Wohnung schon schaffen. Meine stehen auch teilweise bei über 30 Grad rum. Höhere Luftfeuchte und Substratfeuchte hilft meist, dass die Pflanzen runterkühlen können.

      Balkon mit Sonne auf dem Topf, da heizt sich die Erde extrem auf. Hier sollte ein Hitzeschutz aus weißen Tüchern oä her, damit die Wurzeln nicht schlapp machen.
      Wenn etwas wächst, gibt es auf der anderen Seite etwas anderes, das wächst auch...nur negativ.