Aus welchen Pflanzen wird Arznei hergestellt?

Bereits vor über 5000 Jahren nutzten die Menschen Pflanzen, um daraus Heilmittel für verschiedene Erkrankungen herzustellen.

Arzneipflanzen

Bildquelle: Antranias

Die erste überlieferte Sammlung von Rezepten, die der Arzneimittelherstellung dienten, stammte aus Mesopotamien. Seitdem hat sich viel getan. Die Pharmaindustrie arbeitet stetig an der Entwicklung neuer Wirkstoffe, um Krankheiten noch schneller und besser heilen zu können. Doch bis heute ist es nicht gelungen, alle wertvollen Wirkstoffe der Pflanzen zu ermitteln.

Klöster widmeten sich Anbau von Heilpflanzen

Nachdem Pflanzen schon jahrtausendelang zur Bekämpfung von Krankheiten eingesetzt wurden, erhielten die Klöster um 500 nach Christus nach der verheerenden Pestepidemie die Aufgabe, sich mit der Krankenpflege auseinanderzusetzen. Gut versteckt hinter den Klostermauern, entstanden groß angelegte Kräutergärten, die vor allem eine Funktion hatten: Sie dienten dem Anbau von Heilpflanzen, deren Wirkung seit Langem bekannt war. Die Mönche und Nonnen widmeten sich täglich der Pflege und Ernte der Pflanzen, um daraus Salben und andere Heilmittel herzustellen.

Noch lange war jedoch vollkommen unklar, wie genau die Heilkräuter tatsächlich wirkten. Die Erkenntnisse, welche Kräuter für die unterschiedlichen Therapien verwendet werden können, stammten vorwiegend aus Beobachtungen. Etwa bis zum 13. Jahrhundert nahmen die Klöster bei der einfachen Forschung nach pflanzlichen Wirkstoffen eine Schlüsselrolle ein. Schließlich wurde diese Aufgabe an die Universitäten übergeben.

Bekannte Pflanzenextrakte für die Medikamentenherstellung

Bis heute werden Medikamente mit verschiedenen Wirkbereichen aus Pflanzenextrakten hergestellt. Johanniskraut wird beispielsweise für stimmungsaufhellende Medikamente verwendet. Schon um 795 wurde es aufgrund seiner positiven Wirkung bei Melancholie bewusst eingesetzt. Heute ist Johanniskraut ein beliebtes Mittel bei depressiven Verstimmungen.

Auch das Medikament Morphin, ein Opiat, wird bis heute aus Pflanzenextrakten hergestellt. Als Basis für dieses Medikament dient Schlafmohn. Schlafmohn hat eine schmerzstillende Wirkung, weshalb es um 1806 insbesondere bei Amputationen genutzt wurde. Bis heute ist Morphin als Schmerzmittel bekannt und wird vorwiegend verwendet, um starke Schmerzen zu lindern.

Heute wird Aspirin synthetisch hergestellt, als Vorbild für die Acetylsalicylsäure diente jedoch ein Inhaltsstoff, der von Natur aus in der Weidenrinde vorkommt. Selbst Antibiotikum gebe es ohne die Pflanzenwelt nicht. Das hier enthaltene Penicillin ist ein Stoffwechselprodukt, welches von einem Schimmelpilz stammt. Es ist für seine antibakterielle Wirkung bekannt und wurde einst von Alexander Fleming, einem Bakteriologen, entdeckt. Erst durch die Entdeckung dieses Stoffwechselprodukts war es möglich, die verschiedenen Antibiotika mit unterschiedlichen Wirkmechanismen zu entwickeln.

Husten- und Erkältungsmittel basieren meist auf pflanzlichen Inhaltsstoffen

Bis heute bestehen die meisten Erkältungsmittel aus pflanzlichen Inhaltsstoffen. Sie unterstützen den Körper während des Genesungsprozesses und können Beschwerden wie Reizhusten oder Husten mit Auswurf unterstützen. Im Vergleich zu synthetischen Wirkstoffen sind die pflanzlichen Hustenlöser beispielsweise besser verträglich und wirken sanfter. Pflanzliche Hustenlöser verdünnen den Schleim, sodass das Abhusten erleichtert wird.

Hierfür werden verschiedene Pflanzen, wie Thymian, Anis und Primel verwendet, die alle eine antibakterielle Wirkung haben.” (Quelle: https://www.arzneimittelfakten.de)

Thymian wirkt zudem entkrampfend und fördert den Auswurf.

Pflanzenextrakte für Pharmaindustrie unerlässlich

Bis heute sind die Pflanzenextrakte und Auszüge aus diversen Heilpflanzen für die Pharmaindustrie unerlässlich. Es gibt in der Pharmaindustrie sogar einen eigenen Bereich, der sich ausschließlich mit der Erforschung von Naturstoffen auseinandersetzt und basierend auf diesen neue Wirkstoffe entwickelt. Heute bestehen rund 45 Prozent der Pharmazeutika zumindest zum Teil aus Heilpflanzen. Wertvolle Wirkstoffe sind dabei nicht nur in den bereits ausgeführten Pflanzen, sondern auch in Orangenbaum, Tollkirsche, Roßkastanie und Pinien enthalten.