Von der Mutterpflanze zum Ableger: Stecklingsvermehrung bei Cannabis
Die vegetative Vermehrung ist eine der wichtigsten Methoden im modernen Pflanzenbau. Viele Pflanzenarten lassen sich nämlich nicht nur aus Samen, sondern auch über sogenannte Stecklinge vermehren. Hierbei wird ein Pflanzenteil abgetrennt und unter günstigen Bedingungen zur Wurzelbildung gebracht. Dies ergibt dann eine genetisch identische Klonpflanze der Mutterpflanze.

Vegetative Vermehrung von Cannabis ist eine wichtige Methode zur Vermehrung, Foto von CRYSTALWEED auf Unsplash
Auch beim Cannabisanbau spielt diese Methode eine sehr wichtige Rolle, da sich so bestimmte Eigenschaften einer Pflanze kontrolliert weitergeben lassen, wie z. B. Wachstum, Blütenansatz, Resistenz gegen bestimmte Umwelteinflüsse uvm. Für viele Pflanzenliebhaber und Gärtner ist Stecklingsvermehrung daher ein unabdingbarer Bestandteil der Pflanzenpflege.
Vegetative Vermehrung
Vegetative Vermehrung ist in der Botanik ein weitverbreitetes Phänomen. So besitzen viele Pflanzen die Fähigkeit, aus abgetrennten Pflanzenteilen neue Wurzeln zu bilden. Dies geschieht aufgrund meristematischer Zellen, die sich in die verschiedenen Gewebetypen weiterentwickeln können. In der Gartenarbeit werden Stecklinge zum Beispiel bei Kräutern, Zierpflanzen oder Obstgehölzen verwendet. Lavendel, Rosmarin oder auch Geranien lassen sich auf diese Weise leicht vermehren.
Die Methode hat mehrere Vorteile. Die neue Pflanze hat genau die gleichen Erbanlagen wie die Mutter und wächst meist auch so ähnlich. Gegenüber der Samenvermehrung entfällt auch eine Periode mit Vererbungsvorgängen. Das ist besonders wichtig, wenn bestimmte Eigenschaften auf jeden Fall erhalten werden sollen.
Diese Vermehrungsmethode wird auch beim Cannabisanbau benutzt. Wer von einer Pflanze die Eigenschaften unbedingt stabil halten möchte, arbeitet mit Cannabis Stecklingen, die von einer gesunden Mutterpflanze gewonnen werden.
Die Bedeutung der Mutterpflanze
Die Qualität eines Stecklings richtet sich stark nach der Mutterpflanze. Die Mutterpflanze ist eine besonders ausgesuchte Pflanze, die man über längere Zeit vegetativ wachsen läßt und die nichts anderes Zweck hat, als neue Ableger zu liefern.
Bei der Auswahl einer Mutterpflanze achten die Gärtner auf verschiedene Dinge. Wichtig sind ein stabiler Wuchs, kräftige Blätter und gleichmäßige Entwicklung, ja sogar die Widerstandsfähigkeit gegen Krankheiten und andere Gefahren.
Die Mutterpflanze wird durchgehend beschnitten, damit sie Seitentriebe bildet, die gut zum Stecken geeignet sind. Der Schnitt lässt die Pflanze nicht nur kompakt bleiben, sondern zwingt sie auch, immer neue Ableger zu bilden. Der richtige Zeitpunkt
Wichtig für eine gute Vermehrung ist der richtige Zeitpunkt. Am besten sind kräftige, junge Triebe während der Wachstumszeit geeignet. Sie haben genug Saft, um neue Wurzeln zu treiben. Mit einem scharfen, sauberen Werkzeug wird der Steckling geschnitten, möglichst unterhalb eines Knotens. Hier ist die Menge der Wachstumzellen am größten, auch die Fähigkeit, die neuen Wurzeln zu bilden. Nach dem Schnitt werden die unteren Blätter entfernt. So wird die Verdunstung vermindert und der Steckling kann seine Kräfte auf die Wurzelbildung verwenden.

Stecklinge benötigen bis zur Bewurzelung stabile Umweltbedingungen, damit neue Wurzeln wachsen können. Beeblebrox, CC BY-SA 4.0
Häufig helfen auch Bewurzelungshormone. Das sind Präparate mit pflanzlichen Wachstumshormonen, die den Wurzelbildungsprozess fördern können.
Bedingungen für gelingende Bewurzelung
Stecklinge benötigen stabile Umweltbedingungen, damit neue Wurzeln wachsen können. Entscheidend sind drei Faktoren: Feuchtigkeit, Temperatur, Licht.
Die Luftfeuchtigkeit sollte hoch sein, denn der Steckling hat zunächst ja noch kein eigenes Wurzelsystem. Kleine Gewächshäuser oder transparente Hauben helfen vielen Gärtnern, eine gleichmäßige Luftfeuchtigkeit zu schaffen.
Die Temperatur beeinflusst die Wurzelbildung. In vielen Fällen liegt der ideale Bereich zwischen 20 und 25 °C. Zu tiefe Temperaturen bremsen den Prozess, zu hohe belasten den Steckling.
Licht ist für die Photosynthese wichtig, Stecklinge benötigen es jedoch nicht unbedingt in Summe reichlichem Maße. Zu starke Sonneneinstrahlung schädigt mehr, als sie nutzt. In der Regel genügt ein milderes Licht, diffuses Licht oder Kunstlicht in Form von Pflanzenlampen.
Substrate und Bewurzelungsmedien
Stecklinge bewurzeln sich in verschiedenen Substraten. Anzuchterde, frisches Kokosfasergewebe oder spezielle Stecklingswürfel aus mineralischen Fasern sind die gebräuchlichsten Materialien. Allen diesen Substraten ist gemeinsam, daß sie einerseits viel Feuchtigkeit speichern können und doch anderseits genügend Luft mit ihren Wurzeln in Berührung kommt. Eine richtige Mischung von Wasserhaltekraft und Luftdurchlässigkeit ist zur Bewurzelung wichtig.

Ein lockeres Substrat ist für die Entwicklung der noch jungen Wurzeln sehr wichtig. Foto von: Cannabis Pictures, CC BY 2.0
Ein lockeres Substrat ist für die Entwicklung der noch jungen Wurzeln sehr wichtig. Die Wurzelspitzen sind sehr zart und brauchen Sauerstoff, um sich gut entwickeln zu können. Zu schwere oder erdig verdichtete Erde macht diesen Gasaustausch unmöglich. Dadurch wird die Entwicklung der jungen Pflanzen gestört und sie zeigen sich gegen Belastungen viel empfindlicher. Lockere Substrate lassen die Wurzeln viel besser hindurchdringen und wachsen gleichmäßig weiter hinaus.
Auch die Struktur des Substrates ist wichtig. Kokosfasern oder mineralische Stecklingswürfel behalten ihre Form und bieten gleichzeitig kleine Hohlräume, in denen sich Luft sammeln kann. Dadurch werden die Bedingungen für die Wurzelbildung stabiler und eine gleichmäßige Feuchtigkeitsverteilung im ganzen Medium wird begünstigt.
Während der Bewurzelungsphase ist das Bewurzelungsmedium gleichmäßig feucht zu halten. Zu große Trockenheit läßt die Stecklinge sofort Wasser entziehen und die Blätter hängen. Zu große Feuchtigkeit bewirkt Staunässe, die den Sauerstoff im Wurzelbereich verringert. Stehen die Wurzeln lange unter Luftmangel, so nisten sich Schimmelpilze und Fäulniserreger sehr schnell ein, die der jungen Pflanze großen Schaden bringen können.
Eine gewisse Kontrolle des Feuchtigkeitszustandes bewirkt ein ausgewogenes Verhältnis. Viele Gärtner halten das Substrat leicht feucht, ohne daß es durchtränkt ist. Dadurch wird die Bildung von Luftpolstern ermöglicht, in denen die Stecklinge neue Wurzeln bilden können und allmählich zu kräftigen Jungpflanzen heranreifen.
Nach der Bildung der Wurzeln
Nach einigen Tagen oder Wochen ist der Steckling in der Lage, sich selbst zu versorgen. Das kann je nach Pflanzenart, Temperatur, Luftfeuchte und Lichtverhältnissen einige Zeit in Anspruch nehmen. Ein kleines, aber stabiles Wurzelsystem ist Voraussetzung, dass der Steckling vorsichtig in einen größeren Topf umgesetzt wird. Damit hat er mehr Platz, um die Wurzeln zu erweitern und ihre Festigkeit zu erhöhen. Hierbei verwendet man gewohnt ein nährstoffreiches, aber locker bleibendes Substrat.
Die Wurzeln sollen sich ohne große Mühe im Boden ausdehnen können. Die gute Struktur des Substrates hat zudem den Vorteil, dass genug Luft an die Wurzeln gelangt.
Nach dem Einpflanzen wird die junge Pflanze vorsichtig angegossen, damit sich das Substrat gleichmäßig um die Wurzeln legt. Jetzt beginnt die Pflanze wieder stärker zu wachsen. Sie entwickelt neue Blätter und treibt frische Seitentriebe aus. Die Energie, die zuvor in die Wurzelbildung geflossen ist, wird jetzt für das oberirdische Wachstum genutzt.
In dieser Zeit ähnelt die Pflege immer mehr der Pflege einer normalen Pflanze in der Wachstumszeit. Ein Augenmerk gilt natürlich auch jetzt der ausgewogenen Versorgung mit Wasser, Licht und Nährstoffen. Ausreichend Licht fördert die Photosynthese und damit kräftiges Wachstum, während das Substrat gleichmäßig feucht, aber nicht dauerfeucht sein muss.
Eine moderate Düngung kann gegeben werden, wenn die Pflanze neue Wachstumsaktivität zeigt. Eine gleichbleibende Umgebung ist jetzt von besonderer Bedeutung. Gleichmäßige Temperaturen, ausreichend Luftzirkulation und ein gemäßigt feuchtes Klima tragen dazu bei, dass die junge Pflanze sich gut etabliert.
Zu schnelle Änderungen der Umwelteinflüsse müssen weitgehend vermieden werden. Mit der Zeit ist aus dem Steckling eine vollwertige Pflanze geworden, ausgestattet mit einem stabilen Wurzelsystem und kräftigen Trieben. Gerade dieser Entwicklung widmen viele Gärtner ihre besondere Aufmerksamkeit. Sorgfältige Pflege und Beobachtung des Werdegangs der jungen Pflanze trägt wesentlich dazu bei, daß sie sich gesund entwickelt und ihr volles Wachstumspotential ausschöpfen kann.
Stecklinge als Mittel der stabilen Pflanzenlinie
Ein großer Vorteil der Stecklingsvermehrung sind die stabilen Eigenschaften. Der Steckling ist ja ein Stück der Mutterpflanze, und seine Wuchsform und Blütenstruktur ist also die gleiche wie die der Mutter.
Pflanzen, die aus Samen gezogen werden, können nämlich sehr verschiedene Eigenschaften entwickeln. In der Pflanzenzüchtung ist es gut, wenn neue Sorten mit Eigenschaften entstehen, die ihre Eltern nicht hatten. Im reinen Anbau, den der Hobbygärtner ja macht, ist es manchmal weniger praktisch, wenn die Pflanzen so verschieden sind.
Durch die Stecklinge lässt sich eine gleichmäßige Pflanzenart herstellen. Immer wieder greifen die Gärtner und Pflanzenfreunde auf diese Methode zurück, um bestimmte Eigenschaften über mehrere Generationen stabil zu halten.Die vegetative Vermehrung über Stecklinge zeigt, wie vielseitig Pflanzen auf ihre Umwelt reagieren können. Mit ein wenig Gefühl für die Wachstumsprozesse, die Umweltbedingungen und die Pflege lassen sich auf diese Weise stabile, gesunde Pflanzen wachsen.
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