Trocknen von Heilkräutern und Heilpflanzen

   
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Das Trocknen der Heilpflanzen

Karde / Dipsacus silvesterKarde / Dipsacus silvester
Foto: Renardeau Lizenz: GFDL

Beim Trocknen geben die gesammelten Heilpflanzen einen Teil des in dem Pflanzengewebe vorhandenen Wassers ab. Da dieser Vorgang für die weitere Aufbewahrung sehr wichtig ist, sollte die Trocknung der Pflanzen möglichst bald nach dem Sammeln beginnen.

Pflanzen getrennt trocknen
Schon vor dem Sammeln sollte deshalb ein geeigneter Ort und die zum Trocken benötigten Utensilien vorbereitet werden. Alle gesammelten Pflanzenarten müssen gesondert getrocknet werden. Auf keinen Fall dürfen besonders aromatische Heilpflanzen und Heilkräuter miteinander vermischt werden. Giftpflanzen sollten immer unerreichbar für Kinder, am besten an einem abschließbaren Ort getrocknet und gelagert werden.

Reinigen und Waschen der Heilpflanzen
Manchmal muss man ein Teil der gesammelten Pflanzen waschen, dies ist z.B. der Fall, wenn die Blätter staubig oder verschmutzt sind. Nach Möglichkeit sollte man aber bereits beim Sammeln darauf achten, möglichst saubere Heilpflanzen zu sammeln. Falls das Reinigen mit Wasser jedoch unumgänglich ist, muss man die Pflanzen unmittelbar nach dem Waschen zügig in warmer Luft bis zum Verwelken abtrocknen.

Wurzeln vor dem Trocknen reinigen und zerkleinern
Auch alle gesammelte Wurzeln werden bereits vor dem Trocknen sorgfältig und gründlich von anhaftender Erde befreit und dann mit einer kleinen Bürste unter fließendem, kaltem Waser abgeschrubbt. Danach schneidet man die frischen Wurzeln in etwa 1 cm lange Stücke. Dicke Wurzelabschnitte trennt man zusätzlich noch der Länge nach auf.

Diese vor dem Trocknen der Wurzeln notwendige Maßnahme hat zwei Gründe: Kleine Wurzelstücke trocknen erheblich schneller als eine ganze Wurzel, und getrocknete Wurzeln sind bei einem Aufguss unhandlich und lassen sich, da sie beim Trocknen zäh und hart werden, nur sehr schwer zerkleinern.

Erstes Anwelken der Pflanzen bereits beim Sammeln
Bereits kurz nach dem Sammeln beginnen die Pflanzen zu verwelken. Dafür ist es vorteilhaft die frisch geschnittenen Pflanzen beim Sammeln leicht gebündelt in einem offenen Weidenkorb zu transportieren. Nachdem die gesammelten Pflanzen in der Sonne welk geworden sind, werden sie an einem schattigen, gut durchlüfteten und trockenen Platz zu endgültigen Trocknen aufbewahrt.

Pflanzenbündel und Äste trocknen
Ganze Pflanzenstängel mit Blättern oder dünne Äste von Sträuchern und Bäumen hängt man gebündelt, mit der Wuchsspitze nach unten an eine Leine oder einen Bindedraht. Zu dich gebundene und stark beblätterte Pflanzen trocknen langsam ab. Besser ist es die Bündel aufzulockern oder die Pflanzen einzeln, wie die Wäsche auf der Leine, zum trocknen aufzuhängen.

Blätter, Blüten, Sprossspitzen und Wurzeln trocknen
Von den Pflanzenstängeln abgetrennte Blätter, Sprossspitzen, Blüten und Wurzelstücke breitet man man besten auf einem dünnen Geschirrtuch aus. Das Tuch wird auf einen Gitter oder Küchenrost (z.B. aus dem Backofen) gelegt. Damit durch das Tuch und das Gitter Luft zirkulieren kann, legt man seitlich zwei Holzleisten darunter. Das Geschirrtuch hält beim Trockenvorgang die feinen Bruchstücke zurück, die sonst wahrscheinlich verlorengehen. Die Wurzeln, Blüten, Sprossspitzen und Blätter sollten nicht mehr als ein bis maximal zwei Zentimeter hoch auf dem Geschirrtuch aufgeschichtet werden.

Beeren und Früchte trocknen
Beeren kann man sehr gut in einem großen, flachen Pappdeckel trocknen. Vor dem Trocknen sollte man Blätter und Blattstückchen von den Beeren trennen. Dies geht sehr gut, wenn man eine Handvoll der Beeren in einen leicht schräg gestellten Karton gibt. Die Beeren rollen nach unten, die Blätter bleiben auf der Schräge hängen.

Die runden Beeren werden beim trocknen aufgrund ihrer Form rundum belüftet, besondere Maßnahmen für eine gesonderte Belüftung sind deshalb nicht notwendig. Um ein gleichmäßiges Trocknen der Beeren zu sichern, schüttelt man die Früchte lediglich ein bis zweimal pro Tag etwas durch.

Zaunwinde / Calystegia sepiumZaunwinde / Calystegia sepium
Foto: André Karwath Bestimmte Rechte vorbehalten

Wie viel Wasser müssen die Pflanzen verlieren?
Eine frisch gesammelte Landpflanze enthält nach dem Ernten etwa 75-85 Prozent Wasser. Sumpf- oder Wasserpflanzen haben meist einen deutlich höheren Wasseranteil. Bei diesen Pflanzen liegt der Feuchtigkeitsgehalt oft bei über 90 Prozent. Durch das Trocknen sollten die Heilpflanzen den größten Teil dieses Feuchtigkeitsgehaltes verlieren. Wichtig ist jedoch, das den Pflanzen niemals alles Wasser entzogen werden darf. In richtig getrockneten Heilpflanzen beträgt der Anteil an Feuchtigkeit immer noch etwa 10-12 Prozent des Pflanzengewichts. Im allgemeinen verlieren im Frühjahr gesammelte Heilpflanzen deutlich mehr an Gewicht als im Herbst geerntete Pflanzen.

Wie lange müssen die Pflanzen trocknen?
Die Zeit, welche eine Heilpflanze zum Trocknen benötigt, hängt von der Temperatur, der Belüftung und im Besonderen von der Wassermenge ab, welche die Pflanze abgeben muss. Einige Pflanzen sind aufgrund ihres Zellaufbaus resistenter gegen Verdunstung, diese Pflanzen benötigen bei gleichen Bedingungen mehr Zeit als andere.

Eine Pflanze ist dann ausreichend und richtig getrocknet, wenn Blätter und Blüten beim Berühren keine Feuchtigkeit mehr abgeben, wenn sie fest und hart, doch nicht zerbrechlich oder leicht zu zerkrümeln sind.  Bei zu schwacher Belüftung ist wegen der meist erheblich länger dauernden Trocknungszeit die Gefahr der Schimmelbildung größer. Angeschimmelte oder gar verschimmelte Heilpflanzen sind wertlos oder sogar schädlich. Darum gilt als Faustregel, dass das gesammelte Pflanzenmaterial nach spätestens drei Wochen getrocknet sein sollte.

Verwendung und Verarbeitung der Heilpflanzen