Pflanzliche Wirkstoffe: So beeinflussen Pflanzen den Körper und das Wohlbefinden
Pflanzen begleiten den Menschen seit Jahrtausenden als Nahrungsmittel, Heilmittel und Quelle natürlicher Wirkstoffe. Ob grüner Tee, Kurkuma, Lavendel oder Cannabis: Viele Pflanzen enthalten chemische Verbindungen, die im menschlichen Körper auf verschiedene Weisen wirken. Manche regen an, andere beruhigen oder hemmen Entzündungen.
🌿 Pflanzliche Wirkstoffe – Auf einen Blick
- Sekundäre Pflanzenstoffe: Pflanzliche Wirkstoffe gehören dazu und dienen der Pflanze unter anderem zum Schutz vor Schädlingen und UV-Strahlung.
- Aufnahmeweg: Je nach Weg (Verdauung, Atemwege, Haut) gelangen unterschiedlich viele Wirkstoffe tatsächlich in den Blutkreislauf.
- Labor versus Anwendung: Eine im Labor nachgewiesene Wirkung lässt sich nicht automatisch auf die Anwendung beim Menschen übertragen.
- Bekannte Beispiele: Koffein und Catechine im grünen Tee, Curcumin in Kurkuma, ätherische Öle im Lavendel sowie Cannabinoide wie THC und CBD in Cannabis.
- Vorsicht bei Extrakten: Bei konzentrierten Extrakten und ätherischen Ölen sind Nebenwirkungen und Wechselwirkungen mit Medikamenten möglich.
Grüner Tee, Kurkuma, Lavendel und Cannabis enthalten pflanzliche Wirkstoffe, die auf unterschiedliche Weise auf Körper und Wohlbefinden wirken können. © Pflanzenfreunde / AI generiert
Was sind pflanzliche Wirkstoffe?
Botanisch betrachtet zählen pflanzliche Wirkstoffe zu den sekundären Pflanzenstoffen – chemischen Verbindungen, die Pflanzen zusätzlich zu den überlebenswichtigen Grundstoffen wie Kohlenhydraten, Eiweißen und Fetten bilden. Anders als diese primären Nährstoffe sind sekundäre Pflanzenstoffe für das Überleben der Pflanze selbst nicht zwingend notwendig, erfüllen aber wichtige Schutzfunktionen: Sie wehren Fraßfeinde und Krankheitserreger ab, schützen vor UV-Strahlung oder locken Bestäuber an. Zu den bekanntesten Gruppen zählen Polyphenole, Alkaloide, Terpene und ätherische Öle.
Für den Menschen sind viele dieser Verbindungen von Interesse, weil sie beim Verzehr oder bei äußerer Anwendung physiologische Effekte auslösen können – etwa antioxidative, entzündungshemmende oder anregende Wirkungen. Wie stark und in welcher Form ein Wirkstoff tatsächlich wirkt, hängt jedoch von zahlreichen Faktoren ab: der Konzentration in der Pflanze, der Zubereitungsart und nicht zuletzt davon, wie der Körper die Substanz aufnimmt und verstoffwechselt.
Wie gelangen pflanzliche Wirkstoffe in den Körper?
Die Teepflanze (Camellia sinensis) liefert die Grundlage für grünen Tee, der Koffein und antioxidative Catechine wie EGCG enthält. Foto: By Ranjithsiji - Own work, CC0, Link.
Damit ein pflanzlicher Wirkstoff überhaupt eine Wirkung entfalten kann, muss er zunächst in den Körper gelangen – und das geschieht auf sehr unterschiedlichen Wegen. Am häufigsten ist die Aufnahme über die Verdauung: Wirkstoffe aus Tee, Gewürzen oder Nahrungsergänzungsmitteln passieren den Magen-Darm-Trakt, werden dort teilweise resorbiert und anschließend in der Leber verstoffwechselt, bevor sie über den Blutkreislauf im Körper verteilt werden. Dieser sogenannte First-Pass-Effekt sorgt dafür, dass oft nur ein Bruchteil der ursprünglich aufgenommenen Menge tatsächlich wirksam wird.
Ein zweiter wichtiger Aufnahmeweg führt über die Atemwege: Ätherische Öle etwa gelangen beim Einatmen direkt über die Schleimhäute von Nase und Lunge in den Blutkreislauf und wirken so vergleichsweise schnell. Der dritte Weg ist die Haut, über die Wirkstoffe bei äußerlicher Anwendung – etwa in Cremes, Ölen oder Umschlägen – aufgenommen werden können. Die Hautbarriere lässt jedoch nur einen begrenzten Anteil fettlöslicher Substanzen durch, weshalb die systemische Wirkung hier meist geringer ausfällt als bei oraler oder inhalativer Aufnahme. Je nach Aufnahmeweg unterscheidet sich also nicht nur die Menge, sondern auch die Geschwindigkeit, mit der ein Wirkstoff im Körper ankommt.
Grüner Tee: Koffein und Catechine
Grüner Tee gehört zu den am besten untersuchten pflanzlichen Getränken überhaupt. Zwei Stoffgruppen stehen dabei im Mittelpunkt: Koffein und Catechine. Koffein wirkt als Gegenspieler des körpereigenen Botenstoffs Adenosin, der Müdigkeit signalisiert. Indem es dessen Rezeptoren blockiert, sorgt Koffein für ein gesteigertes Wachheitsgefühl und eine erhöhte Konzentrationsfähigkeit – ein Effekt, der schon nach wenigen Minuten einsetzen kann.
Daneben enthält grüner Tee eine hohe Konzentration an Catechinen, allen voran das antioxidativ wirkende Epigallocatechingallat (EGCG). In Laborstudien zeigte dieser Stoff unter anderem Effekte auf den Zellstoffwechsel und auf oxidativen Stress. Ob und in welchem Umfang sich solche Effekte auch beim Menschen im Alltag nachweisen lassen, ist Gegenstand fortlaufender Forschung – viele der vielversprechenden Ergebnisse stammen bislang vor allem aus Zell- und Tierversuchen. Klar ist jedoch, dass die Kombination aus Koffein und Catechinen grünen Tee zu einem der wirkstoffreichsten Alltagsgetränke macht.
Kurkuma: Curcumin und seine Eigenschaften
Die Kurkumawurzel enthält den gelben Farbstoff Curcumin, dessen entzündungshemmende Eigenschaften intensiv erforscht werden. Foto: By Herusutimbul - Own work, CC BY-SA 4.0, Link.
Die leuchtend gelbe Farbe von Kurkuma stammt von einer Gruppe von Farbstoffen, den Curcuminoiden, allen voran dem Curcumin. Diesem Wirkstoff werden in zahlreichen Laborstudien entzündungshemmende und antioxidative Eigenschaften zugeschrieben, weshalb Curcumin zu den intensivst erforschten pflanzlichen Verbindungen weltweit zählt.
Ein zentrales Problem bei der praktischen Anwendung ist jedoch die geringe Bioverfügbarkeit von Curcumin: Der Körper nimmt reines Curcumin nur in sehr geringem Umfang auf, ein Großteil wird unverändert wieder ausgeschieden. In der traditionellen Küche wird Kurkuma daher häufig gemeinsam mit schwarzem Pfeffer verwendet, dessen Inhaltsstoff Piperin die Aufnahme von Curcumin nachweislich verbessern kann. Ähnliches gilt für die Kombination mit Fetten, da Curcumin fettlöslich ist. Trotz dieser Einschränkungen bleibt Kurkuma sowohl in der Küche als auch in der traditionellen Medizin fest verankert.
Lavendel: Duftstoffe und Nervensystem
Der charakteristische Duft von Lavendel entsteht durch ein komplexes Gemisch aus ätherischen Ölen, in dem die Verbindungen Linalool und Linalylacetat dominieren. Diese Terpene stehen im Verdacht, über die Riechschleimhaut und das limbische System – den emotionalen Verarbeitungsbereich des Gehirns – beruhigend auf das Nervensystem zu wirken.
Anders als bei vielen pflanzlichen Wirkstoffen gibt es zu Lavendelöl inzwischen auch klinischen Studien am Menschen, die auf eine angstlösende Wirkung hindeuten, etwa bei leichten bis mittelschweren Angststörungen. Wichtig ist dabei, zwischen dem reinen Dufterlebnis in der Aromatherapie und standardisierten, hochkonzentrierten Präparaten zu unterscheiden, wie sie in solchen Studien häufig zum Einsatz kommen – die Alltagsanwendung über Duftlämpchen oder Kissensprays erreicht in der Regel deutlich geringere Wirkstoffkonzentrationen.
Cannabis: komplexe Wirkstoffe
Cannabis enthält über hundert verschiedene Cannabinoide, von denen THC und CBD am bekanntesten sind. Foto: By Thayne Tuason - Own work, CC BY-SA 4.0, Link.
Kaum eine Pflanze enthält ein derart komplexes Wirkstoffgemisch wie Cannabis: Über hundert verschiedene Cannabinoide wurden bislang identifiziert, dazu kommen zahlreiche Terpene und Flavonoide. Am bekanntesten sind die psychoaktive Substanz THC (Tetrahydrocannabinol) und das nicht-psychoaktive CBD (Cannabidiol), die beide an das körpereigene Endocannabinoid-System andocken, jedoch unterschiedliche Effekte auslösen.
Der medizinischen Nutzen von Cannabis wird in Deutschland und vielen anderen Ländern inzwischen anerkannt, etwa bei chronischen Schmerzen, bestimmten Formen von Spastik oder als Begleittherapie bei Chemotherapie. Neben der medizinischen Anwendung existiert auch ein Freizeitkontext, in dem Cannabis unter anderem oral in Form von Gebäck wie dem sogenannten Space Cake konsumiert wird – bei dieser Aufnahmeform setzt die Wirkung deutlich verzögert, dafür aber langanhaltender ein als beim Rauchen oder Verdampfen, was das Risiko einer Überdosierung erhöht. Die genaue Wirkung hängt stark vom individuellen Verhältnis der enthaltenen Cannabinoide sowie von Dosierung und Aufnahmeweg ab.
Was bedeutet das für das Wohlbefinden?
Die Beispiele Grüner Tee, Kurkuma, Lavendel und Cannabis zeigen, wie unterschiedlich pflanzliche Wirkstoffe auf den Körper einwirken können – anregend, entzündungshemmend, beruhigend oder in komplexer Wechselwirkung mit dem Nervensystem. Für das persönliche Wohlbefinden können solche Pflanzen und ihre Inhaltsstoffe eine sinnvolle Ergänzung sein, sie ersetzen jedoch keine medizinische Behandlung und sind kein Garant für eine bestimmte Wirkung.
Wichtig ist außerdem, eine im Labor nachgewiesene Wirkung nicht unreflektiert auf die Anwendung beim Menschen zu übertragen: Zwischen einer Zellkultur im Reagenzglas und dem komplexen Zusammenspiel im menschlichen Organismus liegen oft Welten. Wer zu konzentrierten Extrakten, hochdosierten Nahrungsergänzungsmitteln oder ätherischen Ölen greift, sollte zudem mögliche Nebenwirkungen und Wechselwirkungen mit Medikamenten im Blick behalten und im Zweifel ärztlichen oder pharmazeutischen Rat einholen. Mit diesem bewussten und informierten Umgang lässt sich das Potenzial pflanzlicher Wirkstoffe am besten und sichersten nutzen.