Kräuter richtig trocknen

Karde / Dipsacus silvester

Die gesammelten Kräuter und Heilpflanzen geben beim Trocknen einen Teil des in dem Pflanzengewebe vorhandenen Wassers ab. Da dieser Vorgang für die weitere Aufbewahrung sehr wichtig ist, sollte die Trocknung der Pflanzen möglichst bald nach dem Sammeln beginnen.

Pflanzenbündel und Äste trocknen

Ganze Pflanzenstängel mit Blättern oder dünne Äste von Sträuchern und Bäumen hängt man gebündelt, mit der Wuchsspitze nach unten an eine Leine oder einen Bindedraht. Zu dicht gebundene und stark beblätterte Kräuter und Heilpflanzen trocknen langsam ab. Besser ist es die Bündel aufzulockern oder die Pflanzen einzeln, wie die Wäsche auf der Leine, zum Trocknen aufzuhängen.

Blätter, Blüten, Sprossspitzen und Wurzeln der Kräuter

Von den Pflanzenstängeln abgetrennte Blätter, Sprossspitzen, Blüten und Wurzelstücke breitet man man besten auf einem dünnen Geschirrtuch aus. Das Tuch wird auf einen Gitter oder Küchenrost (z.B. aus dem Backofen) gelegt. Damit durch das Tuch und das Gitter Luft zirkulieren kann, legt man seitlich zwei Holzleisten darunter. Das Geschirrtuch hält beim Trockenvorgang die feinen Bruchstücke zurück, die sonst wahrscheinlich verlorengehen. Die Wurzeln, Blüten, Sprossspitzen und Blätter sollten nicht mehr als ein bis maximal zwei Zentimeter hoch auf dem Geschirrtuch aufgeschichtet werden.

Beeren und Früchte trocknen

Beeren kann man sehr gut in einem großen, flachen Pappdeckel trocknen. Vor dem Trocknen sollte man Blätter und Blattstückchen von den Beeren trennen. Dies geht sehr gut, wenn man eine Handvoll der Beeren in einen leicht schräg gestellten Karton gibt. Die Beeren rollen nach unten, die Blätter bleiben auf der Schräge hängen.

Die runden Beeren werden beim Trocknen aufgrund ihrer Form rundum belüftet, besondere Maßnahmen für eine gesonderte Belüftung sind deshalb nicht notwendig. Um ein gleichmäßiges Trocknen der Beeren zu sichern, schüttelt man die Früchte lediglich ein bis zweimal pro Tag etwas durch.

Reinigen und Waschen der Kräuter und Heilpflanzen

Manchmal muss man ein Teil der gesammelten Kräuter und Heilpflanzen waschen, dies ist z.B. der Fall, wenn die Blätter staubig oder verschmutzt sind. Nach Möglichkeit sollte man aber bereits beim Sammeln darauf achten, möglichst saubere Kräuter und Heilpflanzen zu sammeln. Falls das Reinigen mit Wasser jedoch unumgänglich ist, muss man die Pflanzen unmittelbar nach dem Waschen zügig in warmer Luft bis zum Verwelken abtrocknen.

Wurzeln vor dem Trocknen reinigen und zerkleinern

Alle gesammelte Wurzeln werden bereits vor dem Trocknen sorgfältig und gründlich von anhaftender Erde befreit und dann mit einer kleinen Bürste unter fließendem, kaltem Waser abgeschrubbt. Danach schneidet man die frischen Wurzeln in etwa 1 cm lange Stücke. Dicke Wurzelabschnitte trennt man zusätzlich noch der Länge nach auf. Diese vor dem Trocknen der Wurzeln notwendige Maßnahme hat zwei Gründe: Kleine Wurzelstücke trocknen erheblich schneller als eine ganze Wurzel, und getrocknete Wurzeln sind bei einem Aufguss unhandlich und lassen sich, da sie beim Trocknen zäh und hart werden, nur sehr schwer zerkleinern.

Erstes Anwelken der Kräuter und Heilpflanzen

Bereits kurz nach dem Sammeln beginnen die Pflanzen zu verwelken. Dafür ist es vorteilhaft die frisch geschnittenen Kräuter und Heilpflanzen beim Sammeln leicht gebündelt in einem offenen Weidenkorb zu transportieren. Nachdem die gesammelten Pflanzen in der Sonne welk geworden sind, werden sie an einem schattigen, gut durchlüfteten und trockenen Platz zu endgültigen Trocknen aufbewahrt.

Wie viel Wasser müssen die Pflanzen verlieren?

Frisch gesammelte Kräuter und Heilpflanzen enthalten nach dem Ernten etwa 75-85 Prozent Wasser. Sumpf- oder Wasserpflanzen haben meist einen deutlich höheren Wasseranteil. Bei diesen Pflanzen liegt der Feuchtigkeitsgehalt oft bei über 90 Prozent. Durch das Trocknen sollten die Heilpflanzen den größten Teil dieses Feuchtigkeitsgehaltes verlieren. Wichtig ist jedoch, das den Pflanzen niemals alles Wasser entzogen werden darf. In richtig getrockneten Kräuter und Heilpflanzen beträgt der Anteil an Feuchtigkeit immer noch etwa 10-12 Prozent des Pflanzengewichts. Im allgemeinen verlieren im Frühjahr gesammelte Kräuter und Heilpflanzen deutlich mehr an Gewicht als im Herbst geerntete Pflanzen.

Wie lange müssen Kräuter und Heilpflanzen trocknen?

Die Zeit, welche eine Kräuter und Heilpflanzen zum Trocknen benötigt, hängt von der Temperatur, der Belüftung und im Besonderen von der Wassermenge ab, welche die Pflanze abgeben muss. Einige Pflanzen sind aufgrund ihres Zellaufbaus resistenter gegen Verdunstung, diese Pflanzen benötigen bei gleichen Bedingungen mehr Zeit als andere.

Eine Pflanze ist dann ausreichend und richtig getrocknet, wenn Blätter und Blüten beim Berühren keine Feuchtigkeit mehr abgeben, wenn sie fest und hart, doch nicht zerbrechlich oder leicht zu zerkrümeln sind.  Bei zu schwacher Belüftung ist wegen der meist erheblich länger dauernden Trocknungszeit die Gefahr der Schimmelbildung größer. Angeschimmelte oder gar verschimmelte Heilpflanzen sind wertlos oder sogar schädlich. Darum gilt als Faustregel, dass das gesammelte Pflanzenmaterial nach spätestens drei Wochen getrocknet sein sollte.

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