Baumpieper (Anthus trivialis)

Baumpieper

Baumpieper (Anthus trivialis) GFDL 1.2, von Vogelartinfo

Mit wissenschaftlichem Namen heißt der Baumpieper Anthus trivialis. Dieser Singvogel ist Teil der Familie der Stelzen und Pieper und gehört der Ordnung der Sperlingsvögel an. Baumpieper haben ein eher unauffälliges Gefieder. Sie sind vor allem durch ihre Singflüge zu bemerken und fallen ebenso durch ihre Rufe von ihren hoch liegenden Sitzwarten auf, die auf den Menschen frohgelaunt wirken.

Seinen deutschen Namen Baumpieper erhielt der Vogel, da er gerne auf hohen Bäumen sitzt und von dort aus seine Rufe ertönen lässt.

Dieser Singvogel hat im Volksmund noch andere Namen wie Baumlerche, Holzlerche oder Spitzlerche. Diese Namen weisen auf das Verhalten hin, das an Lerchen erinnert. Andere volkstümliche Namen sind Greinerlein, Grienvögelchen oder im österreichischen Raum Schmelchen und Ziepe.

Steckbrief / Aussehen der Baumpieper

Der Baumpieper wird fünfzehn Zentimeter groß. Das Gewicht liegt zwischen 22 und 24 Gramm. Kurz vor dem Zug wiegen die Vögel mehr und manche Baumpieper bringen dann mehr als dreißig Gramm auf die Waage. Auf dem Rückflug sind die Baumpieper häufig untergewichtig und so konnten manche Individuen gefunden werden, die nur noch sechzehn Gramm wogen.

  • Die Oberseite hat eine gelbe bis olivbraune Färbung und weist schwarze Längsstreifen auf
  • Diese schwarzen Längsstreifen sind auf der Oberseite eher undeutlich und erscheinen ausgeprägter auf dem Oberkopf
  • Die Färbung der Oberschwanzdecken und des Schwanzes ist grünlicher als die der Oberseite
  • Die Unterseite hat eine rahmweiße bis gelbe Tönung
  • Kropfseiten und Brust sind stark gestreift
  • Halsseiten, Brust und Kehle haben eine starke Gelbfärbung
  • Der helle Überaugenstreif ist manchmal undeutlich
  • Der Schnabel ist auf der Oberseite und an der Spitze schwarz-braun gefärbt. Die Unterseite ist heller und hat eine gelbliche Farbe oder ist fleischfarben

Video eines Baumpiepers

Baumpieper, von Aviceda CC BY-SA 3.0

Besonderheit

Baumpieper führen Singflüge durch, bei denen sie einen hohen Sitzplatz auswählen und von dort aus steil nach oben fliegen und sich mit ausgebreiteten Flügeln singend nach unten gleiten lassen.

Aussehen Jungvögel

Das Gefieder der Jungvögel hat nur geringe Unterschiede zu dem der erwachsenen Vögel. Die Oberseite hat einen gelblicheren Ton. Der Bürzel der Jungvögel weist schwarz-braune Flecken vor, die bei adulten Vögeln nicht mehr vorkommen.

Ruf, Stimme, Gesang

Der Gesang des Baumpiepers klingt dem eines Kanarienvogels ähnlich und ist sehr melodisch.

Der Ruf hingegen klingt heiser und ertönt in hohen Frequenzen („psieh“). Der Warnruf hört sich wie ein „Zipp zipp“ an.

Der Baumpieper singt nur, wenn gutes Wetter vorherrscht. Dann zwitschert er schon leise, bevor die Sonne aufgeht und das vom Boden oder von einem niedrigen Sitzplatz aus. Ist die Witterung kalt, stürmisch oder regnerisch, bleibt er still in der dichten Bodenvegetation sitzen.

Die Singflüge werden von früh morgens bis mittags und wieder spät nachmittags durchgeführt und dienen in erster Linie der Markierung des Reviers. Dieser Singflug wird meistens von einer Baumspitze aus begonnen. Manchmal nimmt er jedoch eine geduckte Haltung am Boden ein und stößt sich dann mit den Füßen ab, um schräg nach oben in die Luft zu steigen. Die Abwärtsflüge bei diesen Singflügen sind von hoher Geschwindigkeit geprägt.

Das Stimmenrepertoire des Baumpiepers verfügt über weitere Laute wie der Kontakt- und Warnruf mit seinem metallischen Klang („siiit siiit“). In ihren Winterquartieren lassen die Baumpieper nur die Laute hören, die der Warnung oder der Kontaktaufnahme dienen.

Baumpieper: Stimme / Gesang / Ruf hören

Vorkommen

Baumpieper sind in Mitteleuropa weit verbreitete Brutvögel, die zur Überwinterung nach Afrika ziehen. Sie kommen in den borealen und gemäßigten Zonen von Eurasien vor.

Ihren Rückflug nach Mitteleuropa beginnen die Baumpieper im Februar. Je nach Witterung geht der Rückflug schneller oder langsamer vonstatten. Die Hauptzeit für die Rückkehr ist der April. Die Weibchen treffen später als die Männchen in den Brutgebieten ein.

Lebensraum

Bevorzugte Lebensräume sind offene Gelände mit Bäumen oder Waldränder. Auch in Parks sind Baumpieper anzutreffen. Allerdings suchen sie sofort Schutz in Sträuchern oder in den Ästen von Bäumen, wenn sie aufgescheucht werden. Laufen sie auf dem Boden, nehmen sie eine geduckte Haltung ein. Auf Flächen mit viel Gras oder Kraut bewegt er sich schreitend und sucht das Gelände nach Nahrung ab.

Die bevorzugten Habitate weisen einen hohen Baum- oder Strauchbestand vor sowie ausreichend viele lichte Stellen mit vielen dichtwachsenden Krautschichten. In weitläufigen Ackerflächen ist der Baumpieper nicht vorzufinden. Auch in Gebieten mit ausgedehnten Grünflächen – wie im Norden Hollands oder in Friesland – fehlt der Baumpieper.

Befinden sich an Moorgebieten, Weinbergen oder Heidelandschaften genügend Bäume und dichte Krautschichten, nutzen die Baumpieper auch solche Gebiete zum Brüten.

Der ausgewählte Lebensraum hängt somit vorwiegend von der Krautschicht oder Zwergstrauchschicht ab. Dies ist ebenfalls entscheidend für die Höhenverbreitung. So brütet der Baumpieper im Alpenraum bis auf eine Höhe von etwa 2300 Metern und im Himalaya liegen die Brutreviere teilweise auf einer Höhe bis zu über 4000 Metern.

Zugverhalten

Baumpieper sind Zugvögel, die auch auf ihrem Zugweg oftmals auf landwirtschaftlichen Flächen niederlassen, um dort in den Weiden und Wiesen auf Nahrungssuche zu gehen. Der Baumpieper fliegt morgens und nutzt den Rest des Tages für die Nahrungssuche.

Nahrung

Die Nahrung umfasst hauptsächlich Insekten, Insektenlarven, Spinnen und andere Kleinsttiere. Der Baumpieper pickt seine Beute vom Boden auf. Auch pickt er Kleinsttiere von den Pflanzen ab. Sieht er eine Beute in weiterer Entfernung, wird seine Schrittfolge schneller und die Haltung wirkt geduckter. Pflanzenteile und Sämereien werden nur in sehr geringer Menge gefressen.

Balzverhalten und Paarbildung

Kehren die Baumpieper zurück in ihre Brutareale, sind die ersten Rückkehrer mehrjährige männliche Vögel. Danach folgen die mehrjährigen Weibchen und erst zum Schluss kehren die einjährigen Männchen zurück.

Die Männchen fangen nach ihrer Rückkehr sofort mit der Revierbesetzung an. Dabei sind die Baumpieper brutorttreu. Normalweise führen Baumpieper eine monogame Saisonehe. Aufgrund der Brutorttreue verpaaren sich aber einige Vögel erneut mir ihren vorigen Partnern.

Nestbau und Gelege, Eier

Das Nest wird meistens unter hohe Grasbüschel, Farne oder Zwergsträucher versteckt und auf dem Boden gebaut. Als Nistmaterial wird Laub, Moos und Heu verwendet. Die Nestmulde hat eine halbkugelige Form und erhält eine Polsterung aus dünnen Grashalmen, Wurzeln und Fasern. Für den Nestbau ist das Weibchen verantwortlich.

Eier der Baumpieper

Baumpiepereier

Ei eines Baumpiepers,
(Sammlung Museum Wiesbaden)
CC BY-SA 3.0, K. Rassinger u. G. Cammerer

Ein Gelege besteht aus vier bis sechs dicht gefleckten Eiern, wobei die Farben variieren.

Brutverhalten

Auch die Bebrütung wird ausschließlich vom Weibchen durchgeführt. Die Brutzeit beträgt zwölf bis vierzehn Tage. Das Weibchen muss sich während der Bebrütung alleine mit Nahrung versorgen. Deshalb wird das Nest bis zu fünfzehn Mal täglich verlassen, damit das Weibchen Nahrung suchen kann.

Die jungen Vögel verlassen nach zehn bis zwölf Tagen das Nest. Falls sie dann noch nicht flügge sind, verstecken sie sich in der krautigen Schicht am Boden. Sie werden noch bis zu ihrem 25. Lebenstag von ihren Eltern mit Nahrung versorgt.

Häufig folgt eine Zweitbrut und manchmal wird sogar noch eine dritte Brut versucht. Im Schnitt werden jedoch jährlich drei bis vier Junge von einem Paar erfolgreich großgezogen.

Lebenserwartung

Nach Schätzungen liegt die durchschnittliche Lebenserwartung von Baumpiepern bei maximal zwei Jahren.