Rund 100 000 Insektenarten gibt es alleine in Europa, wobei diese Zahl nur geschätzt ist, denn die Welt der Insekten ist noch lange nicht vollständig erforscht.

Die Welt der Insekten

Moschusbock, Weibchen

weiblicher Moschusbock, von Soebe, CC BY-SA 3.0

Wir Menschen sind nicht immer begeistert, wenn wir Insekten im Garten, in der Küche oder auf unserer Haut entdecken. Einige Insekten werden als Nützlinge und andere als Schädlinge bezeichnet. Für manche Tiere würde ein wichtiger Bestandteil des Speiseplans fehlen, würde es keine Insekten mehr geben und auch für Pflanzen sind einige Insekten lebenswichtig – man denke an die Bestäubung.

Macht man sich einmal bewusst, wie relevant diese kleinen Tierchen sind, macht es Spaß, sein Wissen über Insekten zu erweitern. Wie verläuft ein Insektenleben? Haben Insekten ein Skelett? Welche Merkmale helfen bei der Insektenbestimmung?

Insektengruppen

Viele Millionen von Jahren bewohnen Insekten schon die Erde. Sie sind in sämtlichen Lebensräumen anzutreffen, von der Arktis bis zum Äquator, an der Küste sowie in den Bergen. Weil sie sich auf dem gesamten Globus ausgebreitet und an die unterschiedlichen Lebensräume angepasst haben, besteht eine extrem große Artenvielfalt. Dabei ist der Grundbauplan der Insektenkörper gleich.

Die endgültige Form erreichen Insekten erst als ausgewachsenes Gliedertier. Zuvor müssen sie verschiedene Entwicklungsstadien durchlaufen.

In der Wissenschaft gehören Insekten einer Klasse an, die in 33 Ordnungen untereilt werden kann. Um ein Bestimmen der Insekten zu vereinfachen, können die Insekten in folgende Unterklassen und Gruppen gegliedert werden:

  • Unterklasse der Ur-Insekten oder ungeflügelten Insekten (Apterygota): Der Bauplan dieser Insekten ist einfach und sie sind flügellos.
  • Unterklasse der geflügelten Insekten (Pterygota): Diese Insekten besitzen Flügel oder zumindest Flügelansätze.

Die Unterklasse der Pterygota kann wiederum in zwei Gruppen unterteilt werden:

Hemimetabola – Bei diesen Insekten fehlen zwar den Larven noch die Flügel, aber ihr Aussehen gleicht schon sehr dem der Eltern. Während ihrer Entwicklung durchlaufen sie KEIN Puppenstadium. Dieser Gruppe gehören 9 Ordnungen an:

  • Ephemeroptera (Eintagsfliegen) In Mitteleuropa leben rund hundert Arten von Eintagsfliegen. Als Larve bleiben sie bis zu drei Jahren in Gewässern wie Flüsse, Seen oder Bäche. Die erwachsenen Tiere häuten sich noch einmal. In geflügelter Form leben sie nur einige Stunden oder Tage und sind nachtaktiv.
  • Odonata (Libellen) In Mitteleuropa gibt es rund achtzig Libellenarten. Die räuberischen Larven leben in Gewässern. Im Sommer schlüpfen die Larven. In geflügelter Form gehen sie im Flug auf die Jagd nach kleinen Insekten. Der Mythos, dass Libellen stechen, ist immer noch in den Köpfen der Menschen verankert. Es ist aber nur ein Mythos, denn Libellen gehören nicht zu den stechenden Insekten.
  • Plecoptera (Steinfliegen) Etwa hundert Arten von Steinfliegen gibt es im mitteleuropäischen Raum. Die Lebensräume der Steinfliegen sind Flüsse und Bäche und zwar als Larven und in geflügelter Form.
  • Dermaptera (Ohrwürmer) In Mitteleuropa gibt es sieben Arten von Ohrwürmern, die sich alle gerne in Menschennähe aufhalten.
  • Mantoptera (Fangschrecken) Fangschrecken sind in erster Linie in tropischen Gebieten beheimatet. In Mitteleuropa ist eine Art vertreten und zwar die Gottesanbeterin.
  • Blattoptera (Schaben) In Mitteleuropa gibt es zwölf Arten von Schaben, wobei einige Arten aus den Tropen eingeschleppt wurden.
  • Orthoptera (Heuschrecken) Etwa achtzig Heuschreckenarten leben in Mitteleuropa. Ihr Gesang ist vor allem im Sommer zu hören, wenn sie sich auf Bäumen, Büschen, Ödflächen oder Wiesen aufhalten.
  • Heteroptera (Wanzen) Im mitteleuropäischen Raum sind zirka neunhundert Arten beheimatet. Einige gehören zu den räuberischen Insekten und andere ernähren sich vom Pflanzensaft. Manche Wanzenarten leben im Wasser und einige an Gewässern.
  • Homoptera (Pflanzensauger) Von diesen eher unauffälligen Insekten leben über zweitausend Arten in Mitteleuropa. Zu den Pflanzensaugern gehören unter anderem verschiedene Schädlinge, Pflanzenläuse und Zikaden.

Holometabola – Die Larven der zweiten  Gruppe der geflügelten Insekten sehen den Eltern gar nicht ähnlich. Sie erreichen erst das Aussehen ihrer Erzeuger nach dem Puppenstadium. Zu dieser Gruppe zählen 8 Ordnungen:

  • Megaloptera (Schlammfliegen) In Mitteleuropa leben etwa sechzig Arten. Die Larven bleiben für einige Jahre im Gewässer und dort im Schlamm. Die Verpuppung findet an Land statt und die fertigen Schlammfliegen haben nach dem Schlüpfen nur eine Lebensdauer von einigen Wochen.
  • Rhaphidioptera (Kamelhalsfliegen) Etwa zwanzig Arten leben im mitteleuropäischen Raum. Diese Insekten leben räuberisch. Das Aussehen der Kamelhalsfliegen ist auffällig und unter anderem ist ihr langer Hals eines der Kennzeichen.
  • Neuroptera (Netzflügler) Netzflügler sind mit Ameisenjungfern und Florfliegen verwandt. In Europa gibt es rund 120 Arten. Dazu gehören unter anderem die Netzflügler, die Blattläuse auf ihrem Speiseplan stehen haben.
  • Coleoptera (Käfer) Zirka sechstausend Arten leben in Mitteleuropa, wobei die Käferarten sehr verschieden aussehen und sich ebenso in ihrer Ernährung unterscheiden. Letzteres trägt dazu bei, dass einige Käfer als Nützlinge und andere als Schädlinge betrachtet werden.
  • Hymenoptera (Hautflügler) In Mitteleuropa sind rund zehntausend Arten beheimatet. Zu den Hautflüglern zählen unter anderem Ameisen, Wespen, Bienen und Hummeln. Einige Arten bilden Staaten und leben dort auf sehr soziale Weise zusammen. Manche Hautflügler können stechen, wobei die Stiche sehr schmerzhaft sein können. Viele Arten bestäuben die Blüten von Pflanzen, sodass sie eine enorm wichtige Rolle in der Natur spielen.
  • Diptera (Zweiflügler) Zu den Zweiflüglern gehören Mücken und Fliegen, von denen etwa fünftausend Arten in Mitteleuropa vorkommen.
  • Mecoptera (Schnabelfliegen) In Mitteleuropa sind lediglich neun Arten beheimatet. Schnabelfliegen leben räuberisch und sind mit der Skorpionsfliege verwandet.
  • Trichoptera (Köcherfliegen) Rund 280 Arten leben im mitteleuropäischen Raum. Als Larve leben sie im Wasser und als fertiges Insekt könnten sie mit Motten oder Nachtschmetterlingen verwechselt werden. Ihren Namen bekamen sie aufgrund ihrer Schutzhülle, die köcherartig ist.

Körper der Insekten

Alle Insekten haben einen polaren Körperbau:

  • Am Vorderende konzentrieren sich die Sinnesorgane
  • 6 Beine
  • Der Körper ist quer in Segmente unterteilt, wobei die sechs oder sieben vorderen Segmente in einer Kopfkapsel verschmolzen sind. An der Kopfkapsel befinden sich Mundwerkzeuge, Augen und Fühler. Die Brust wird von den drei nachfolgenden Segmenten gebildet: Am ersten Segment der Brust sitzt das Halsschild und an den anderen beiden Brustsegmenten befinden sich die Gelenke der vorderen und hinteren Flügel. An der Körperunterseite sitzt an jedem Brustsegment ein Beinpaar.
  • Der Hinterleib ist beinlos und in elf Segmente gegliedert. Am Ende des Hinterleibs befinden sich der After und die Geschlechtsorgane.
 Anatomie der Insekten

Schema zur Anatomie der Insekten CC BY-SA 3.0, Piotr Jaworski

  1. Antenne
  2. Ocellus (vorne)
  3. Ocellus (oben)
  4. Komplexauge (Facettenauge)
  5. Gehirn (Oberschlundganglion)
  6. Prothorax
  7. rückseitige (dorsale) Arterie
  8. Tracheen
  9. Mesothorax
  10. Metathorax
  11. Erstes Flügelpaar
  12. Zweites Flügelpaar
  13. Mitteldarm
  14. Herz
  15. Eierstock
  16. Hinterdarm (Rektum)
  17. Anus
  18. Vagina
  19. bauchseitiges Nervensystem mit Ganglien
  20. Malpighische Gefäße
  21. Tarsomer
  22. Prätarsus
  23. Tarsus
  24. Tibia
  25. Femur
  26. Trochanter
  27. Vorderdarm
  28. Thoraxganglion
  29. Coxa
  30. Speicheldrüse
  31. Unterschlundganglion
  32. Mundwerkzeuge

Insekten atmen durch sogenannte Tracheen. Dies ist ein feines Röhrensystem, welches in Stigmen nach außen hin mündet.

Bei dem Skelett handelt es sich um ein aus Chitin bestehendes Außenskelett. Chitin ist ein sehr fester, hornartiger Stoff, der aber gleichzeitig elastisch ist. In diesem Chitin-Skelett liegen die Orange, das Muskelgewebe und das Bindegewebe sehr geschützt.

Das Skelett kann mit einer Ritterrüstung verglichen werden, die allerdings nicht mit dem Körper mitwächst. Deshalb haben die meisten Larven eine weiche Haut und besitzen entweder keine feste Kopfkapsel oder harte Kiefer. Während der Puppenruhe wird der Chitinpanzer angelegt, der sich verfestigt, sobald die Insekten geschlüpft sind.

Bei Insekten, die kein Puppenstadium durchleben, besteht der Chitinpanzer bereits als Larve. Die Larven müssen sich mehrmals häuten, da der Chitinpanzer nicht mitwächst. Bei der Häutung wird der alte Panzer abgestreift. Unter diesem zu klein gewordenen Chitinpanzer befindet sich schon der neue Panzer, der aber noch weich ist und nun gedehnt und ausgehärtet wird.

Ein Imago (fertiges Insekt) ist ausgewachsen und bleibt fest im Chitinpanzer stecken. Sollten die Bedingungen in der Larvenzeit schlecht gewesen sein, kann die Körpergröße des fertigen Insektes kleiner ausfallen. Die Größenangaben bei Insektenbeschreibungen kann somit eine große Spanne betragen.

Viele Insekten leben den Großteil ihrer gesamten Lebensdauer in Form einer Larve. Die Lebenszeitspanne als fertiges Insekt ist bei den meisten Arten relativ kurz. Zum Beispiel lebt eine Zikadenart aus Nordamerika etwa siebzehn Jahre als Larve an Baumwurzeln. Als fertiges Insekt stirbt sie bereits nach wenigen Wochen.

Wissenswertes über Insekten

Das Leben eines Insektes beginnt in den meisten Fällen als Ei. Manche Arten, beispielsweise Blattläuse oder einige Fliegen, legen keine Eier, sondern gebären Larven.

Der Entwicklungszeitraum hängt von der Art und den äußeren Bedingungen ab. Bei manchen Insekten schlüpfen die Larven direkt und bei anderen Arten bleiben die Eier einige Tage, Wochen oder Jahre in einem Ruhezustand. Bei manchen Insektenarten überdauern die Puppen mehrere Winter, bis das Insekt schlüpft.

Die Sinne der Insekten

Über dem Chitinpanzer befinden sich zahlreiche Sinneshaare und Sinnesgruben. An einigen Körperstellen sind besonders viele Sinnesorgane in dichter Form vorhanden. Somit verfügen Insekten über eine äußerst schnelle Reaktion auf Töne, veränderte Umweltbedingungen, Gefahren, Gerüche oder Erschütterungen.

Die Augen von Insekten bestehen aus bis zu 30 000 Einzelaugen. Das menschliche Auge kann lediglich das komplexe Insektenauge erkennen. Bei Nahaufnahmen mit einer guten Kamera kann jedoch zumindest erahnt werden, aus wie vielen Einzelaugen ein Komplexauge besteht. Die Sicht eines Insektes ist somit außerordentlich scharf, farbig und kontrastreich. Bewegungen können enorm schnell erfasst werden, sodass die Reaktion bei der Beutejagd oder bei drohender Gefahr ebenso schnell ist. Die Augen einiger Insekten können zudem polarisiertes Licht erfassen. Dadurch können sich Bienen oder andere fliegende Insekten selbst dann am Sonnenstand orientieren, wenn der Himmel bedeckt ist. Zudem besitzt der Großteil der flugfähigen Insekten eine Steuerungshilfe in Form von bis zu drei Punktaugen, die sich auf dem Scheitel befinden.

Auch beim Geruchssinn der Insekten handelt es sich um ein hoch entwickeltes Sinnesorgan. Dadurch können Insekten sehr schnell Nahrung oder Partner finden. Pheromone (Sexuallockstoffe) können über viele Kilometer vom Geruchssinn wahrgenommen werden. Für diese Fähigkeit sorgen Geruchsorgane, die sich an den Fühlern befinden und durch die selbst stark verdünnte Pheromone erfasst werden können.

Der gute Gehörsinn geht bei den meisten Insekten auf Sinneshaare zurück, Schallwellen und Erschütterungen wahrnehmen können. Einige Insekten besitzen zudem Hörorgane, wobei es sich um Hautstellen handelt, die dünn gespannt sind. Diese empfangen Töne und übertragen diese an die Sinneshaare.

Insekten haben auch einen Geschmackssinn, denn an ihren Mundwerkzeugen befinden sich Geschmacksorgane. Bei wenigen Insekten sitzen zusätzliche Geschmacksorgane an den Fußsohlen. Dies ist unter anderem bei einigen Fliegenarten der Fall.

Lautäußerungen

Viele Insekten geben Laute von sich. Jeder wird die verschiedenen Fluggeräusche von fliegenden Insekten kennen. Andere erzeugen Zirptöne, die erzeugt werden, indem Chitinstrukturen aneinander gerieben werden. Je nach Art dienen die Laute der Kommunikation sowie der Partnersuche.

Formen und Farben der Insekten

Insekten gibt es in den unterschiedlichsten Formen und Farben, sodass diese Kennzeichen bei der Bestimmung der einzelnen Arten hilfreich sind. Aufgrund der Farben und Muster können Insekten sich gut tarnen. Die können dadurch auch ihre Artgenossen erkennen oder Feinde abwehren.

Auch die Form des Insektes dient unter anderem der perfekten Tarnung. Man denke nur an die Stabheuschrecke, die förmlich mit der Pflanze verschmilzt, auf der sie sich befindet.

Form und Farbe wird von einigen Insekten auch zur Täuschung genutzt. Feinde können dann beispielsweise nicht unterscheiden, ob es sich bei dem Insekt um eine harmlose Fliege oder um eine stechfreudige Wespe handelt.

Insekten bestimmen

Viele Insekten können lediglich von Spezialisten bestimmt werden. Aber, einigen Insekten begegnen wir immer wieder und diese lassen sich anhand verschiedener Merkmale bestimmen. Manche Insekten sind so bekannt, dass eine Bestimmung leicht fällt. Dazu gehören unter anderem Hummeln, Stechmücken, Marienkäfer oder Stubenfliegen.

Besonders drei Punkte machen eine Insektenbestimmung einfacher:

  • Kennzeichen wie Größe, Farbe, besondere Körpermerkmale und/ oder Geschlechtsunterschiede
  • Vorkommen und Lebensraum
  • Lebensweise

Um die Bestimmung leichter zu gestalten, lassen sich Insekten in folgende 12 Gruppen unterteilen:

  1. Libellen
  2. Käfer
  3. Wanzen
  4. Zikaden
  5. Heuschrecken
  6. Grillen und Schaben
  7. Hummeln und Bienen
  8. Wespen
  9. Ameisen
  10. Netzflügler
  11. Mücken und Fliegen
  12. Pflanzenläuse und Ur-Insekten