Blaukehlchen (Luscinia svecica)

Luscinia svecica lautet der wissenschaftliche Name des Blaukehlchens. Dieser Singvogel gehört zur Familie der Fliegenschnäpper und zur Ordnung der Sperlingsvögel. Sein deutscher Name weist auf das deutlichste Merkmal hin: Im Brutkleid ist die Vorderbrust und die Kehle des Männchen blau gefärbt.

Blaukehlchen

Blaukehlchen, von Thomas.abey, CC-BY 4.0

Aussehen der Blaukehlchen

Blaukehlchen erreichen eine Körpergröße von dreizehn bis vierzehn Zentimeter und ein Gewicht zwischen sechzehn und achtzehn Gramm. Der schlanke Körper hat an der Oberseite eine dunkle, grau-braune Färbung. Oberschwanzdecken und Bürzel haben eine leicht wärmere Tönung.

Die Scheitelseiten sind dunkel gestrichelt. Die Überaugenstreifen haben eine beige Färbung. Die Strichelung an Ohrdecken und Zügel sind heller als die der Scheitelseiten.

Die Farbe an den Seiten des Körpers ist von einem blassen Beige. Bauch und Hinterbrust haben eine weißliche Färbung und die Unterschwanzdecken weisen einen rahmfarbenen Ton auf.

Die Armschwingen und Handschwingen sind schwarzbraun gefärbt und von einem hellen Farbton umsäumt. Die Säume der dunkelbraunen Oberflügeldecken haben eine rötlich-braune Färbung.

Aussehen Jungvögel

Bei jungen Blaukehlchen hat die Oberseite eine schwarzbraune Färbung, mit einer keilförmigen Fleckung in rostbeigem Ton. Die Oberschwanzdecken haben einen rötlichen Braunton. Die Bauchseiten, die Brust und die Kehle weisen eine beige Färbung auf, wobei die Spitzen dunkler getönt sind.

Das Ruhekleid der jungen Blaukehlchen sieht im ersten Winter dem der erwachsenen Vögel ähnlich. Bei männlichen Jungvögeln sind die schwarzen und weißen Bereiche jedoch ausgedehnter und die Blaufärbung zeigt sich nur am Bartstreif.

Merkmale Männchen und Weibchen

Das Brutkleid – oder auch Prachtkleid genannt – des Männchens zeigt an Brust und Kehle eine auffällige blaue Färbung mit einem weißen „Stern“ in der Mitte. Bei manchen Unterarten ist dieser Stern rot gefärbt und einige Unterarten haben gar keinen „Stern“.

Bei Männchen im Schlichtkleid ist das blaue Brustband nur schmal.

Weibchen haben keine blaue Kehle und Brust. Bei ihnen ist ganzjährig ein weißer bis beiger Latz vorhanden.

Stimme

Der kräftige Gesang klingt rau und melodisch und wird mit gereihten Strophen eingeleitet („zri zri zri“ oder „djip djip djip“). Danach wird kräftiger und schneller gesungen und der Gesang mündet in ein melodisches Flöten oder in Lautfolgen, die sich hart klirrend anhören.

In den Gesang werden oftmals Stimmen anderer Vogelarten eingeflochten. Ebenso imitiert das Blaukehlchen andere Geräusche, die im Gesang enthalten sein können. Aufgrund der vielen Imitationen, die in den Gesang eingeflochten werden, ist es nicht einfach, die typischen Laute des Blaukehlchens zu erkennen.

Bei drohender Gefahr ist ein schnalzender, harter Laut zu hören („tack“ oder „rack“). Manchmal wird dieser zweisilbig gerufen oder mit dem Lockruf kombiniert, der sanft pfeifend klingt („si“ oder „huid“). Bei Erregung werden aber auch Rufreihen geflötet, die ein bisschen der Gesangseinleitung ähneln.

Vorkommen

Blaukehlchen sind in Deutschland lediglich in den Alpen zu finden. Im Tiefland kommen sie nur selten vor und wenn, dann an Ufern mit Schilfbestand, in Feuchtgebieten und in Gärten mit Nähe zum Wasser.

Da es in Europa an geeigneten Lebensräumen mangelt, ist der Bestand im europäischen Raum bedroht.

Aufgrund der verschiedenen Blaufärbungen der männlichen Blaukehlchen, unterscheidet man zwischen zwei Gruppen, zu denen wiederum Unterarten gehören:

  • Die Cyanecula-Gruppe hat einen weißen „Stern“ in der blauen Färbung der Männchen oder der Stern fehlt. Diese Gruppe umfasst die Unterarten Luscinia svecica cyanecula, Luscinia svecica namnetum und Luscinia svecica manga sowie die Übergangspopulationen Luscinia svecica volgae und Luscinia svecica abbotti. Die Blaukehlchen dieser Gruppe kommen u.a. in den Niederlanden, in Frankreich, auf der Iberischen Halbinsel, in Weißrussland, in der Ukraine, im Nord-Westen des Irans sowie in der Osttürkei, in Afghanistan und in Kaschmir vor.
  • Die Svecica-Gruppe hat einen roten „Stern“ in der Blaufärbung der Männchen. Zu dieser Gruppe gehören die Unterarten Luscinia svecica svecica, Luscinia svecica pallidogularis, Luscinia svecica saturatior, Luscinia svecica przevalskii sowie Luscinia svecica kobdensis. Blaukehlchen dieser Gruppe kommen u.a. in Skandinavien, Nordasien, Nordalaska, Kasachstan, Altai, in der Mongolei und in China vor.

Lebensraum

Die bevorzugten Lebensräume des Blaukehlchens sind Biotope in Feuchtgebieten mit Bestand an Schilf und Büschen. Die Nähe zu Gewässern ist zwar nicht unbedingt notwendig, doch Blaukehlchen ziehen Lebensräume mit Gewässernähe vor.

Zugverhalten

Blaukehlchen sind Zugvögel und die europäischen Brutvögel ziehen zur Überwinterung nach Nordafrika, Südspanien oder Südasien.

Nahrung

Für die Nahrungssuche begibt das Blaukehlchen sich in die Krautschicht oder auf den Boden. Dort sucht es nach verschiedenen Insekten, beispielsweise nach kleinen Libellen, Heuschrecken oder Käfern. Außerdem gehören kleine Schnecken, Würmer und Spinnen zur Nahrung der Blaukehlchen.

Früchte und Beeren bereichern ab dem späten Sommer das Nahrungsangebot.

Balzverhalten und Paarbildung

Blaukehlchen führen in der Regel monogame Saisonehen. Im Brutgebiet treffen zuerst die Männchen ein und etwa zwei Wochen später folgen die Weibchen.

Sobald die Weibchen eingetroffen sind, beginnt die Balzzeit, die manchmal recht aggressiv verlaufen kann. Das Männchen führt schwirrende, auffällige Imponierflüge durch. Steuert es ein Weibchen an, führt dies zu Verfolgungsflügen, die mit einer Flucht aus dem Revier seitens des Weibchens endet. Dieser Vorgang wird wiederholt, falls das Weibchen ins Revier zurückkehrt.

Auch stellen die Männchen die farbigen Körperbereiche zwecks Werbung zur Schau. Dazu wird das Gefieder von Brust und Kehle gesträubt und Hals und Kopf aufgerichtet. Dabei schlägt das Männchen mit den Flügeln und fächert den Schwanz auf. Außerdem wiegen Männchen sich zwecks Balz hin und her. Das Umwerben findet am Boden statt oder das Männchen sitzt singend auf einem Ast oder verfolgt das Weibchen.

Zur späteren Balzzeit fängt das Weibchen an zu signalisieren, dass es nun paarungsbereit ist. Doch zunächst verhält es sich noch aggressiv gegenüber sich nähernden Männchen. Das Männchen versucht nun die Distanz zu verringern und präsentiert den Kehlbereich und lässt einen halblauten Gesang hören. Zudem wird das Weibchen mit schwirrenden Flügeln überflogen.

Nachdem ausgedehnt am Boden gebalzt wurde, wird das Weibchen zur Paarung aufgefordert. Dazu streckt das Männchen seinen Körper vor, vibriert mit den Flügeln, stellt den Schwanz auf und zirpt dabei.

Für den Bau des Nestes ist das Weibchen zuständig. Das Nest wird in Bodennähe oder am Boden zwischen der Vegetation versteckt gebaut. Ebenso werden Vertiefungen oder Höhlungen als Nistplatz gewählt.

Das napfförmige Nest wird mit einer rund sechs Zentimeter tiefen Mulde ausgestattet. Als Nistmaterial dienen Moos, Blätter, dürre Halme und Schilfrispen. Die Mulde erhält eine Polsterung aus Haaren und feinen Pflanzenfasern.

Ein Gelege umfasst meistens fünf bis sechs Eier, die eine dunkle, olivgrüne Färbung aufweisen.

Eier der Blaukehlchen

Blaukehlcheneier

Eier der Blaukehlchen
von Klaus Rassinger, CC BY-SA 3.0,

Brutverhalten

Sobald das letzte Ei abgelegt wurde, beginnt das Weibchen mit der Bebrütung. Die Brutzeit dauert zwischen 12 und 14 Tage.

Die Fütterung der Nestlinge wird von beiden Elternteilen übernommen. Nach etwa zwei Wochen verlassen die Jungen das Nest. Dann bleiben sie noch zirka einen Monat im elterlichen Revier.

Lebenserwartung

Bei guten Bedingungen können Blaukehlchen ungefähr acht Jahre alt werden.