Blaumeise (Cyanistes caeruleus )

Die Blaumeise gehört zur Ordnung der Sperlingsvögel und ist Teil der Meisen-Familie. Diesen kleinen Singvogel trifft man oft in Gärten und Parks an. Er fällt durch sein buntes Gefieder von blau-gelber Farbe direkt ins Auge. Die wissenschaftliche Bezeichnung der Blaumeise lautet Cyanistes caeruleus oder Parus caeruleus.

Blaumeise

Blaumeise, von Kathy Büscher, CC BY 2.0

Steckbrief / Aussehen der Blaumeise

Die Blaumeise ist zwischen zehn und elf cm groß. Die Spannweite der Flügel liegt zwischen 18 und 20 cm. Ihr Gefieder fällt vor allem durch eine recht bunte Färbung auf:

  • Der Rücken ist blaugrün gefärbt
  • Die Unterseite ist gelb, die von einem schwarzen Strich in Längsrichtung geteilt wird
  • Der Schwanz ist blau
  • Die Steuerfedern sind hellblau und meistens am Kiel dunkler gefärbt; oft sind der Rand der Steuerfedern oder der Saum weiß
  • Die blauen Flügel werden von einer weißen Binde durchzogen
  • Am blauen Hals befindet sich ein Kragen von dunkelblauer Farbe
  • Wangen und Stirn sind weiß, wobei vom Schnabel bis zum Kragen ein schwarzer, feiner Streifen verläuft
  • Die Kopfplatte ist von hellblauer Färbung

Die Mauser der Blaumeise findet nach der Hochzeit statt und das in Form einer Vollmauser. In der Regel beginnt die Mauser noch während der Aufzucht der Jungen. Ungewöhnlich ist die Dauer der Mauser, denn sie beläuft sich auf rund 120 Tage.

Besonderheit

Das Gefieder der Blaumeise besitzt eine ultraviolette Musterung, die vom menschlichen Auge nicht zu erkennen ist. Es wird davon ausgegangen, dass diese Färbung im ultravioletten Bereich für die Partnerwahl eine wesentliche Rolle spielt.

Mit dem menschlichen Auge sind die Geschlechtsunterschiede nur schwer erkennbar. Schaut man aber im ultravioletten Licht auf die Blaumeisen, sind diese Unterschiede klar zu sehen.

Aussehen Jungvögel

Die Gefiederfärbung der Jungvögel ist deutlich blasser als die der Altvögel. Vor allem der Bereich des Kopfes ist noch bis zum Herbst an dem blassen Gelb zu erkennen. Das Kopfgefieder der Jungvögel verändert sich erst zum Schluss der ersten Mauser, also ungefähr im Oktober. An den Handdecken unterscheiden sich die Jungvögel nach der Jugendmauser immer noch von Altvögeln, denn diese sind bei den jungen Blaumeisen noch nicht blau sondern grün gefärbt.

Merkmale Männchen und Weibchen

Die Geschlechtermerkmale sind nur gering, sodass es nicht ganz einfach ist, männliche und weibliche Blaumeisen zu unterscheiden.

Am Kopfgefieder lässt sich der Geschlechterunterschied am deutlichsten erkennen. Männchen haben eine tiefblaue Kopfplatte, während die Kopfplatte der Weibchen weniger farbintensiv ist.
Das Halsband des Männchens ist von einer intensiven blau-schwarzen Farbe und zwischen 4 bis 10 mm breit. Das der Weibchen weist eine matte und dunkle blau-graue Farbe auf und ist zwischen 2 und 7,5 mm breit.
Die weibliche Blaumeise verfügt an der Stirn, an den Steuerfedern und an der Flügelbinde über weniger Weiß als die männliche Blaumeise.

Weibchen sind in der Regel kleiner als Männchen. Allerdings sind die Unterarten der Blaumeise unterschiedlich groß, sodass auch dieses Merkmal nicht deutlich ist. Je nachdem wo die Blaumeisen beheimatet sind, unterscheiden sie sich generell in Flügellänge, Schwanzlänge und Körpergröße.

Die weiblichen Blaumeisen haben ein geringeres Körpergewicht als die männlichen Blaumeisen. Das Gewicht schwankt jedoch je nach Jahreszeit und bei Weibchen erhöht sich das Körpergewicht kurz bevor die Eiablage stattfindet – dann sind die Weibchen schwerer als die Männchen.

Ruf, Stimme, Gesang

Die Stimme der Blaumeise ist sehr klar und hell. Ihre Revierrufe klingen wie „zizizi“. Den Anfang des Reviergesangs machen bis zu drei Tönen in hoher Frequenz, auf die ein Trillerruf in tieferem Ton folgt. Die meisten Strophenformen sind recht gleichförmig.

Die Strophenformen sind je nach Heimat der Blaumeisen so unterschiedlich, dass eine Blaumeise aus Südeuropa keine Reaktion auf den Gesang einer Blaumeise aus Nord- oder Mitteleuropa zeigt. Zum Beispiel ist der Triller bei Blaumeisen aus dem Norden wichtig, damit sich der Gesang von dem der Kohlmeisen unterscheidet. Blaumeisen aus dem Mittelmeergebiet lassen den Triller eher selten erklingen.

Blaumeisen haben zwei Alarmrufe, die auch von anderen Vogelarten verstanden werden:

  • Kommt ein fliegender Beutegreifer in Sicht, ruft die Blaumeise ein „ii“, welches lang gezogen und in sehr hohem Ton erklingt.
  • Ist die Blaumeise stark erregt oder befindet sich in einer territorialen Auseinandersetzung oder nähert sich ein Bodenfeind, lässt sie einen anderen Alarmruf erklingen, der ebenfalls artübergreifend gedeutet werden kann.

Vorkommen

Die Blaumeise kommt in ganz Europa vor, wobei sie in Nordeuropa nicht flächendeckend verbreitet ist. In den höheren Alpenregionen und wahrscheinlich auch in einigen Gebirgen des Balkans kommt die Blaumeise nicht vor.

Weiterhin ist die Blaumeise im Iran, in Kleinasien und im nordwestlichen Afrika sowie auf den Kanaren beheimatet.

Lebensraum

Grundsätzlich ist der Lebensraum der Blaumeisen das Flachland. Die Vögel, die im Gebirge vorkommen, leben vorwiegend in den Tälern. Die Höhengrenze ist unterschiedlich und hängt davon ab, ob es sich beim Gebirge um ein geschlossenes Massiv oder um isolierte Höhenzüge handelt. So kommen im Kaukasus Blaumeisen bis zu einer Höhe von 3.500 Meter vor und in den Alpen liegt die Höhengrenze bei maximal 1.700 Meter.

Beobachtungen über eine längere Zeit zeigten, dass sich die Höhengrenze der Blaumeisen oftmals nach oben hin verschoben hat. Wahrscheinlich ist die Ursache für diese Verschiebung im Waldsterben und in der globalen Erwärmung zu finden.

Je nach Heimatland sind die Lebensräume der Blaumeisen unterschiedlich. So sind diese Singvögel in Mitteleuropa hauptsächlich in Laubwäldern und Laubmischwäldern mit großem Eichenanteil zu finden. Ebenso besiedeln Blaumeisen die Lebensräume der Menschen: Parks, Gärten, Streuobstwiesen u.ä.

Kommen Blaumeisen in Mitteleuropa nur selten in reinen Nadelwäldern vor, sieht dies in Südeuropa und anderen Regionen, in denen Mischwälder fehlen, anders aus. Hier werden auch reine Nadelwälder besiedelt und in der Sahara lassen sich Blaumeisen ebenso in Palmenoasen nieder.

Auf den Kanaren kommen Eichen gar nicht vor und diese werden von Blaumeisen in der Regel bevorzugt. Auf diesen Inseln besiedeln diese Singvögel unter anderem Lorbeerwälder, Palmenhaine und andere Gehölze.

Zugverhalten

Bei den Blaumeisen besteht eine ziemlich starke Ausprägung der Dismigration und das besonders bei den Jungvögeln. Es gibt sowohl Teilzieher als auch Standvögel, wobei sich das Wanderverhalten im Laufe der Generationen verändern kann. Ebenso kann die Zugbereitschaft innerhalb einer Population von einigen Individuen unterschiedlich sein.

Die Ausprägung der Treue an den Geburtsort ist eher gering. Die männlichen Blaumeisen dismigrieren in kürzerer Entfernung zum Geburtsort im Vergleich zu den Weibchen. Die Entfernungen der Blaumeisen, die sich auf Wanderung begeben, können bis zu 1500 km betragen. An diesen großen Zugbewegungen sind vor allem weibliche Blaumeisen und dabei jüngere Vögel und Blaumeisen, die auf einem sozial niedrigeren Rang stehen, beteiligt.

Generell verläuft der Zug gen Südwesten aber eher in schwacher Ausprägung und in Großbritannien wandern die Blaumeisen gar nicht ab. Bei milden Wintern sind die Wanderbewegungen grundsätzlich sehr gering.

In Gebirgen gibt es vertikale Wanderungen der Blaumeisen, das auf das Nahrungsangebot zurückzuführen ist. So wandern die Blaumeisen im Winter in die Täler und siedeln sich dort größtenteils in den Lebensräumen der Menschen an.

Nahrung

Blaumeisen ernähren sich während der Fortpflanzungszeit und während der Aufzucht ihrer Jungen überwiegend von tierischer Nahrung wie Spinnen oder Insekten. Im Herbst und Winter besteht die Nahrung größtenteils aus Pflanzenteilen.

Schaut man sich die Nahrung der Altvögel im Jahresverlauf an, beinhaltet sie zu rund achtzig Prozent tierische Nahrung (Spinnen, Blattläuse, Mücken, Fliegen u.ä.). Zu den pflanzlichen Nahrungsbestandteilen gehören unter anderem Bucheckern, Edelkastanien, Eicheln, Samen von krautigen Pflanzen und Gehölzen, Obst und Beeren sowie im Frühjahr auch Knospen, Nektar und Pollen. Blaumeisen übernehmen bei einigen Pflanzen sogar die Aufgabe des Bestäubers.

Im Winter nehmen Blaumeisen gerne die Futterstellen an, die ihnen von Menschen bereitgestellt werden.

Nestlinge bekommen hauptsächlich Insekten gefüttert. Sind diese nur in geringem Maße vorhanden, verfüttern die Blaumeisen Käfer, Spinnen und Hautflügler. Für die Nestlinge kann es gesundheitlich gefährlich werden, wenn sich der Aufzuchtort in menschlichen Lebensräumen befindet. Dann verwenden die Blaumeisen auch Nahrungsbestandteile der Menschen, die jedoch schädlich sind (zum Beispiel Pommes frites oder Brot).

Balzverhalten und Paarbildung

Blaumeisen sind noch vor ihrem ersten Lebensjahr geschlechtsreif. Ab Mitte Januar ist bereits der Reviergesang der männlichen Blaumeisen zu vernehmen, die damit ihre Konkurrenten vertreiben wollen. Dieser Gesang richtet sich aber auch an das auserwählte Weibchen. Die aktiveren bei der Wahl des Partners sind die weiblichen Blaumeisen.

Gemeinsam wird das Brutrevier verteidigt und so kann man auch Reviergesang der Weibchen vernehmen. Aufgrund des gemeinsamen Verteidigungsverhaltens wird die Paarbindung intensiver. Dies wird noch dadurch verstärkt, dass das Männchen dem Weibchen die Bruthöhle zeigt. Später kommt noch ein intensives Balzfüttern hinzu.

Vor der ersten Eiablage beginnt die Kopulation damit, dass sich Weibchen und Männchen mit zitternden Flügeln aufeinander zu bewegen. Die Haltung erinnert an Drohgebärden. Zwecks Paarung setzt sich die männliche Blaumeise auf den Rücken der Partnerin, wo sie für einige Sekunden verweilt. Nach der Kopulation lässt das Männchen einen kurzen Reviergesang hören, während sich das Weibchen aufplustert und putzt. In der Regel kommt es zu wiederholten Kopulationen, wobei das Ritual der Annäherung nur vor der ersten Paarung stattfindet. Zu weiteren Paarungen kommt es während der Eiablage und auch noch in der frühen Brutzeit.

Nestbau und Gelege, Eier

Für den Nestbau investieren Blaumeisen relativ viel Zeit. Blaumeisen gehören zu den Höhlenbrütern und nutzen meistens Höhlen, die schon vorhanden sind. So übernehmen sie beispielsweise Spechthöhlen.

In der Regel befinden sich diese Höhlen an einer höheren Stelle eines Baumes. Die Tiefe in der Höhle ist eher gering und die Einflugöffnung klein. In Ausnahmefällen konnte man Blaumeisen beobachten, die in Bodenlöchern nisteten oder freistehende Nester bauten oder verwendeten.

In stark von Menschen besiedelten Lebensräumen nehmen Blaumeisen auch Nistkästen an oder nutzen freistehende Briefkästen oder Spalten in Mauern als Brutplatz.

Den Nestbau übernimmt das Weibchen, welches mit der Außenschicht anfängt, die meistens aus Moos besteht. Ungefähr ab dem dritten Tag des Nestbaues wird die Höhle innen ausgepolstert. Dazu verwendet das Weibchen überwiegend Federn und Tierhaare.

Das Gelege der Blaumeisen besteht aus weißen Eiern mit einer leicht glänzenden und glatten Oberfläche, die mit Punkten oder Klecksen in rötlicher und brauner Farbe gemustert ist. Die Eier sind zwischen vierzehn und achtzehn Millimeter lang und 10,7 bis 13,5 Millimeter breit. Ein Gelege besteht im Durchschnitt aus sechs bis zwölf Eiern. Die Gelegegröße hängt mit dem jeweiligen Lebensraum und dem damit verbunden Nahrungsangebot zusammen.

Eier der Blaumeisen

Blaumeiseneier

Eier der Blaumeisen,
von Klaus Rassinger, CC BY-SA 3.0

Brutverhalten

Die Bebrütung übernimmt das Weibchen. Die männliche Blaumeise ist für die Revierverteidigung und die Balzfütterung zuständig, die während der Brutzeit fortgesetzt wird. Die Dauer der Brut hängt wiederum von der Gelegegröße ab. Im Durchschnitt dauert sie 12 bis 17 Tage. Die Jungen schlüpfen asynchron, also nicht am selben Tag. Der Schlupf dauert zwei bis drei Tage.

Die Nestlingszeit beträgt 16 bis 22 Tage. Das Weibchen ist in der ersten Phase fast ausschließlich für das Hudern zuständig (beschützen und wärmen der Nestlinge). Die männliche Blaumeise schafft die Nahrung heran. Die Nahrung übergibt das Männchen an das Weibchen und sie füttert damit die Nestlinge. Nach einer Woche übernehmen Männchen und Weibchen zu gleichen Teilen die Fütterung. Sind die Nestlinge schon etwas älter, klettern sie an die Einflugöffnung, um dort die Nahrung in Empfang zu nehmen.

Während des 5. und 12. Tages nehmen die Nestlinge am deutlichsten an Gewicht zu. Wenn sie ausfliegen, sind sie fast so schwer wie Altvögel.

Nachdem die Jungvögel ausgeflogen sind, werden sie weiterhin von ihren Eltern mit Nahrung versorgt.

Lebenserwartung

Blaumeisen können sieben Jahre und älter werden. In Großbritannien gab es sogar Blaumeisen, die elf und zwölf Jahre alt wurden.

Die meisten Blaumeisen sterben jedoch im Alter von zwei Jahren. Dies hängt mit den Feinden der Blaumeise und der Wintertemperaturen zusammen. Der Energiebedarf der Blaumeisen steigt im Winter stark an. Steht dann nicht genügend Nahrung zur Verfügung, ist die Sterblichkeitsrate sehr hoch. Besonders im ersten Lebensjahr ist die Sterberate hoch und von den ausgeflogenen jungen Vögeln brüten im folgenden Jahr nur rund 25 Prozent.