Bluthänfling

Der wissenschaftliche Name des Bluthänflings lautet Carduelis cannabina. Im Volksmund wird dieser Singvogel auch als Flachsfink oder Hänfling bezeichnet. Er gehört zur Familie der Finken, zur Unterfamilie der Stieglitzartigen und ist den Sperlingsvögeln zugeordnet.

Der Bluthänfling gilt derzeit international als nicht gefährdet. In Deutschland ist dieser Vogel jedoch als gefährdet und in Bayern als stark gefährdet eingestuft.

Bluthänfling

Bluthänfling, von Arnstein Rønning, CC BY-SA 4.0

Aussehen der Bluthänfling

Der schlanke Vogel wird etwa vierzehn Zentimeter groß und zwischen fünfzehn und zwanzig Gramm schwer.

Die Weibchen haben ein unscheinbares Aussehen. Das kastanienbraune Gefieder ist an der Ober- und Unterseite deutlich längsgestreift. Der Kopf hat eine graubraune Färbung und bei den Männchen ist der Kopf grau. Der dunkelbraune Schwanz ist tief gegabelt und hat eine weiße Bänderung. Ebenso weiß gebändert sind die dunkelbraunen Schwingen.

Im Schlichtkleid sieht das Männchen dem Weibchen sehr ähnlich. Nur im Prachtkleid ist das Erscheinungsbild des Männchens auffälliger

Merkmale Männchen und Weibchen

Im Prachtkleid hat das Männchen eine auffällige rote Färbung an der Stirn und an der Brust. Die Kehle ist weiß mit braunen Streifen. Die Oberseite hat eine rotbraune Färbung und die Unterseite ist gelbbraun und mit dunklen Längssteifen versehen.

Stimme

Die Rufe des Bluthänflings sind zweisilbig oder dreisilbig („tü gitt“). Auffällig ist sein nasaler Flugruf („gegegeg“). Auch wenn der Bluthänfling gestört wird, klingt der Ruf nasal und wie ein „düje“.

Der leise Warnruf ist ein gedehnter Laut („tjuiid“) und der Lockruf klingt wie „gjä gjä“.

Der sehr wohlklingende Gesang besteht aus Zwitschern, Trillern sowie keckernden und flötenden Tönen. Zudem werden Rufe eingebaut und es werden Gesangselemente von anderen Vögeln übernommen.

Dieser Gesang wird von den Männchen ganzjährig gesungen und durch Vorsingen den Jungvögeln beigebracht. Beim Gesang sitzt das Männchen auf einer hohen Warte, fächert seinen Schwanz, lässt die Flügel hängen und schüttelt das Gefieder.

Der Gesang der Weibchen klingt leiser und wird hauptsächlich vor der Kopulation und vor der Eiablage gesungen.

Vorkommen

Bluthänflinge kommen in Europa, im Norden Afrikas, in Vorderasien und im westlichen Teil Zentralasiens vor. Ebenso leben diese Singvögel auf Madeira und den Kanarischen Inseln. In Island und im Norden Fennoskandinaviens kommt der Bluthänfling nicht vor.

Laut ITIS sind sieben Unterarten anerkannt:

  • Carduelis cannabina cannabina ist die Nominatform, die überwiegend in Europa vorkommt
  • Carduelis cannabina bella weist einen weißen Bürzel auf und im Vergleich zur Nominatform ist der Kopf heller. Diese Unterart ist in Kleinasien verbreitet.
  • Carduelis cannabina autochthona kommt in Schottland vor und ist insgesamt dunkler gefärbt.
  • Carduelis cannabina harterti ist im Osten der Kanarischen Inseln verbreitet. Der Kopf ist noch heller als der der Unterart Carduelis cannabina bella und der Bürzel ist weiß.
  • Carduelis cannabina guentheri kommt auf Madeira vor und hat eine geringere Körpergröße wie die Nominatform. Die Zeichnung leuchtet mehr als die der Nominatform.
  • Carduelis cannabina mediterranea ist auf den Balearen, dem Balkan, der iberischen Halbinsel sowie auf Sizilien, Sardinien und Korsika zuhause. Auch in Griechenland und an der Küste der Adria kommt diese Unterart vor.
  • Carduelis cannabina meadewaldoi ist im Westen der Kanarischen Inseln verbreitet und hat ebenfalls eine leuchtendere Zeichnung und eine geringere Körpergröße im Vergleich zur Nominatform.

Lebensraum

Der Bluthänfling bevorzugt offene Landschaften mit dichtem Gebüsch. Sind diese Bedingungen in Siedlungsbereichen gegeben, ist er auch dort anzutreffen. So findet man den Bluthänfling in Gärten, Parks, Obstgärten und Weinbergen vor. Im Winter sind oftmals ganze Schwärme zu sehen.

Zugverhalten

Ursprünglich war der Bluthänfling in Mitteleuropa ein Teilzieher. Heute ist er ein Standvogel, mit Ausnahme der Populationen im Nordosten.

Nahrung

Bluthänflinge ernähren sich hauptsächlich von Sämereien, die sie außerhalb von Ortschaften auf Brachflächen und an Wegrändern suchen. Die Samen stammen überwiegend von krautigen Pflanzen ab und eher selten von Bäumen.

Zudem frisst er unter anderem Löwenzahn, Knöterich, Vogelmiere, Wiesenrispengras, Sternmiere, Gänsefuß, Beifuß, Hahnenfuß, Knoblauchrauke, Raps, Wegrauke, Sauerampfer, Distel, Mauerpfeffer, Klatschmohn sowie Körner von Getreide. In der Brutzeit wird die Ernährung mit Blattläusen und kleinen Insekten erweitert.

Balzverhalten und Paarbildung

Bluthänflinge führen monogame Brutehen. Die Balz wird vom Männchen eingeleitet: Der Schwanz wird gespreizt, damit die weißlichen Außenfahnen sichtbar sind. Das Kopfgefieder wird gesträubt und die hängenden Flügel vibrieren. Mit trippelnden Schritten bewegt sich das Männchen und dreht den Kopf weit nach oben. Dabei lässt es anhaltend einen Gesang hören, der erst beendet wird, wenn das Weibchen signalisiert, dass es zur Paarung bereit ist.

Nestbau und Gelege

Bluthänflinge bauen ihre Nester besonders gerne in Hecken. Aufgrund von Rodungen stehen ihm solche Brutplätze nicht mehr häufig zur Verfügung. Nun nutzt er überwiegend Ziersträucher in Gärten, um dort sein Nest zu errichten.

Nest des Bluthänflings

Nest des Bluthänflings,
von Sanja565658, CC BY-SA 3.0

Den Nistplatz wählen beide Partner aus, wobei das Männchen geeignete Zweige oder Büsche zeigt und das Weibchen letztlich den genauen Brutplatz bestimmt. Zwecks Überprüfung der möglichen Plätze setzt sich das Weibchen in diese hinein. Das Männchen bleibt während dieser Überprüfung in der Nähe des Weibchens und lässt seinen Gesang hören.

Der Nistplatz liegt bevorzugt an Plätzen, die nicht direkt von der Sonne angestrahlt werden und einen guten Ausblick über die Umgebung bieten.

Das Nest wird in den unteren Bereich der Sträucher oder Hecken gebaut und dazu werden Pflanzenfasern und Halme verwendet. Für die Polsterung werden feines Wurzelgeflecht, Wolle und Tierhaare genutzt. In der Regel ist ein Nest in drei bis vier Tagen fertiggebaut.

Das Gelege besteht aus vier bis sechs Eiern, die bläulich gefärbt und dunkel gefleckt sind.

Eier der Bluthänflinge

Bluthänflingeier

Eier des Bluthänflings,
von Didier Descouens, CC BY-SA 4.0

Brutverhalten

Nach der vorletzten Eiablage beginnt die Bebrütung, die vom Weibchen alleine übernommen wird. Die Brutzeit dauert zwölf bis dreizehn Tage. Während dieser Zeit versorgt das Männchen das Weibchen mit Nahrung.

Nachdem die Küken geschlüpft sind, werden sie vom Weibchen fünf Tage lang gehudert. Das Männchen bringt Nahrung an, die das Weibchen aus dem Kropf an die Nestlinge weitergibt.

Ab dem vierten oder fünften Tag öffnen sich die Augen der jungen Bluthänflinge. Dann betteln sie die Eltern um Futter an. Das Weibchen hudert nun lediglich nachts. Tagsüber geht es mit auf Nahrungssuche.

Ab dem neunten Lebenstag könnten die Jungvögel bereits bei Störungen aus dem Nest flüchten. Das Weibchen beginnt nun mit der Suche nach Nistmaterial für das nächste Nest.

Die Jungvögel fliegen spätestens nach vierzehn Tagen aus und werden noch ein paar Tage vom Männchen mit Nahrung versorgt. Auch werden die Jungvögel mit dem Schwarm vertraut gemacht. Ab dem 28. Lebenstag sind die jungen Bluthänflinge selbstständig.

Das Weibchen ist jetzt mit dem Nestbau beschäftigt, um die zweite Brut beginnen zu können.

Manchmal kommt es vor, dass ein Kuckuck sein Ei ins Nest des Bluthänflings legt. Dies wird aber meistens nur von unerfahrenen Kuckucks getan, denn der junge Kuckuck wird beim Bluthänfling verhungern: Die Brut wird ausschließlich mit Wildkräutersamen gefüttert.

Bluthänflinge brüten ein bis drei Mal jährlich.

Lebenserwartung

Die maximale Lebenserwartung freilebender Bluthänflinge liegt bei neun Jahren.