Pflanzen überwintern: Welches Winterquartier ist das Richtige?

Mediterrane und tropische Pflanzen zieren in Töpfen und Kübeln unsere Balkone, Terrassen und Wohnungen. Bei guter Pflege entwickeln sie sich prächtig, solange es draußen warm ist, doch ist es nicht ganz einfach, sie alle auch gut über den Winter zu bringen. Der richtige Platz für die Überwinterung ist entscheidend für den Erfolg, denn Licht und Temperaturen müssen auch im Winter stimmen.

Elefantenfuß

Brauchen nur Kübelpflanzen ein extra Winterquartier?

Der Begriff "Kübelpflanze" ist kein botanischer, sondern ein umgangssprachlicher Begriff, ganz ebenso wie die Bezeichnung "Zimmerpflanze". Leider ein recht unscharfer, denn mal ist nur das Pflanzgefäß gemeint und alles ist Kübelpflanze, was in einem Kübel wächst. Oder es geht um den Standort: Was im Wohnraum kultiviert wird, ist Zimmerpflanze, was Garten und Terrasse verschönert, heißt Kübelpflanze. Dass für viele Zimmerpflanzen das "Übersommern" im Freien empfohlen wird, bei Kübelpflanzen das Überwintern im Winterquartier, macht die Unterscheidung nicht einfacher.

Um Klarheit in der Frage nach der passenden Überwinterung zu gewinnen, ist es hilfreich, das Ziel im Auge zu behalten: Die Überwinterung einer Pflanze gelingt am besten, wenn eine artgerechte klimatische Situation geschaffen wird, wie sie für den Winter im Herkunftsland der Pflanze typisch ist. Somit muss eine Orchidee aus dem tropischen Regenwald anders überwintert werden als ein Kaktus aus der Wüste oder eine mediterrane Ficus-Art. Ob die Pflanze im Topf oder Kübel steht, spielt keine Rolle für die Entscheidung, welche Umgebung ihr im Winter gut tut und welche ihr schadet.

Da der Handel mittlerweile eine schier unüberschaubare Pflanzenvielfalt anbietet, empfiehlt es sich in jedem Fall, Herkunft und Bedürfnisse der eigenen Zimmer- und Kübelpflanzen zu recherchieren. So lassen sich Pflegefehler vermeiden und die Standortfrage für den Winter ist leichter zu beantworten.

Zimmerpflanzen im Winter: Viele brauchen eine kühle Ruhephase

Pfennigbaum oder Geldbaum

Auch unsere meist immergrünen Zimmerpflanzen unterscheiden sich also in ihren winterlichen Ansprüchen, je nachdem, woher sie stammen:

  • Pflanzen aus kühlen und gemäßigten Zonen (z.B. Efeu) benötigen im Winter einen kühleren Standort mit Temperaturen zwischen 10 und 15 Grad, um ihre natürliche Winterruhe einhalten zu können.
  • Pflanzen aus tropischen und subtropischen Regionen stellen die Mehrzahl unserer Zimmerpflanzen und haben recht unterschiedliche Ansprüche an die Temperaturen. Sukkulenten und Wüstenkakteen haben deutliche Wachstums- und Ruhephasen, bei anderen ist das nicht so klar erkennbar oder an Jahreszeiten nicht gebunden. Da das Licht im Winter unserer Breiten stark nachlässt, sollte man diesen Pflanzen eine künstliche Ruhephase gönnen und auf keinen Fall ihren Stoffwechsel anregen. Das bedeutet: kühlere Temperaturen, wenig gießen, nicht düngen!
  • Pflanzen aus dem Regenwald sind gleich bleibende Temperaturen gewohnt, was sie eigentlich zu idealen Zimmerpflanzen machen sollte. Dies ist jedoch nur mit Abstrichen der Fall, denn der Lichtmangel und trockene Heizungsluft macht ihnen im Winter schwer zu schaffen. Sie stehen an einem warmen Ort gut, doch sollte die Luftfeuchtigkeit rund um die Pflanze erhöht und mit Pflanzenlampen das Lichtdefizit gemildert werden.

Die optimalen Temperaturen und Pflegetipps für einzelne Zimmerpflanzenarten erfahren Sie bei Sichtung unserer Pflanzenlexika.

Kübelpflanzen überwintern: Temperatur und Beleuchtung

Was für Zimmerpflanzen gilt, stimmt auch für Kübelpflanzen: die Herkunft entscheidet, wie sie den Winter verbringen sollten. Für immergrüne Pflanzen, die auch im Winter über ihr Blattwerk Photosynthese betreiben, bedeutet das:

Bei Blatt abwerfenden und ganz herunter geschnittenen Pflanzen findet keine Photosynthese mehr statt. Sie fallen in eine Art Winterschlaf, können also auch ohne Licht im Dunkeln überwintern. Allerdings nur bei entsprechend kühlen, aber frostfreien Temperaturen, damit ihr Stoffwechsel nicht durch Wärme angeregt wird:

  • bei knapp über Null bis 5 Grad überwintern z.B. Sternjasmin, Wollmispel und Cassia)
  • bis maximal 10 Grad vertragen Myrte, Gewürzrinde, herunter geschnittene Engelstrompete, Feige, Fuchsie, Bleiwurz, Granatapfel, Jasmin und Kaki.

Aus alledem ergibt sich als Faustregel für Winterquartiere: Je dunkler, desto kühler, je heller, desto wärmer muss es sein.

Das richtige Winterquartier: Wintergarten, Keller, Diele oder Gartenhaus?

Ein beheiztes Gewächshaus mit viel Licht, das konstant die optimale Temperatur für hell und warm überwinternde Pflanzen hält, steht nur wenigen Glücklichen zur Verfügung. Also werden vielfach andere Räumlichkeiten genutzt, die sich jeweils für eine bestimmte Art der Überwinterung eignen - mit mehr oder weniger Abstrichen.

Winterquartiere für die helle Überwinterung immergrüner Pflanzen:

  • Beheizte Wohnräume und Wintergärten: Sie sind von den Temperaturen her als winterlicher Aufenthaltsort von tropischen Pflanzen prinzipiell geeignet. Voraussetzung ist genügend Licht und die Schaffung eines Kleinklimas mit erhöhter Luftfeuchtigkeit (häufiges Sprühen, Zimmerbrunnen etc.).
  • Unbeheizte Wohnräume: Heutzutage fallen die Temperaturen in Wohnhäusern meist nicht unter 15 Grad, da sie gut isoliert sind. Plätze auf der Fensterbank und - evtl. mit Pflanzenlicht-Unterstützung - in Fensternähe eignen sich sowohl für mediterrane bzw. subtropische Kübelpflanzen, die draußen standen, als auch für Zimmerpflanzen, die eine kühlere Ruhephase benötigen.
  • Gartenhaus: Mit einem Radiator lässt sich ein Gartenhaus problemlos auf die gewünschte Temperatur heizen. Allerdings ist auch hier der Lichteinfall entscheidend: Nur moderne Gartenhäuser mit vielen großen Fenstern eignen sich für die helle und warme Überwinterung.
  • Treppenhaus, Flur: ein häufig genutztes Winterquartier, das jedoch nur passt, wenn genügend Licht herein fällt. Auch Zugluft und dadurch verursachte starke Temperaturschwankungen schadet den Pflanzen! Ein zugiges Treppenhaus mit viel Publikumsverkehr ist deshalb eher ungeeignet.

Winterquartiere für die dunkle Überwinterung blattabwerfender und herunter geschnittener Pflanzen:

  • Keller: Kellerräume sind nur dann noch geeignet, wenn es nicht zu warm ist! In heutigen, gut isolierten Häusern mit Zentralheizung ist der Keller oft nicht mehr kühl genug für die dunkle Überwinterung.
  • Garage: Sie ist bedingt für dunkle Überwinterung geeignet. Es kommt auf die Intensität der Hauptnutzung an: mehrmals tägliches Öffnen der Garagentür setzt die Pflanzen der Zugluft und herein strömender frostiger Kälte aus, was ihre Winterruhe stört.
  • Geräteschuppen: reine Geräteschuppen und lichtlose bzw. lichtarme Gartenhäuser sind für die dunkle Überwinterung geeignet, sofern die Temperaturen mit einem Heizelement über Null gehalten werden können.

Vor dem Einzug ins Winterquartier: Kontrolle und Beschnitt

Alle Pflanzen, die ins Winterquartier oder an einen kühleren Standort innerhalb der Wohnung wechseln, sollten bei dieser Gelegenheit auf Krankheiten und Schädlingsbefall überprüft werden. Kranke, befallene und auch vertrocknete Triebe und Pflanzenteile werden entfernt, auch etwa nötige Behandlungen gegen Pilze sollten zuvor abgeschlossen werden.

Müssen Kübelpflanzen aus Platzgründen beschnitten werden, sollte dies vorsichtig und nicht radikal erfolgen. Der bessere Zeitpunkt für einen Rückschnitt ist das Frühjahr, um nicht jetzt noch das Wachstum anzuregen. Gewächse, die bereits Knospen fürs nächste Frühjahr angelegt haben, dürfen allenfalls ein wenig ausgelichtet werden.

Gehört das Gewächs allerdings zu den Pflanzen, die dunkel und kühl überwintert werden, ist ein starker Rückschnitt unumgänglich. Da der Stoffwechsel der Pflanze durch Lichtmangel und kühle Temperaturen stark herunter gefahren wird, wirkt sich der Beschnitt nicht wachstumsanregend aus.