Gnadenkraut – eine Heilpflanze der Volksmedizin
Gratiola officinalis L.
🌿 Gnadenkraut – Auf einen Blick
- Familie: Wegerichgewächse (Plantaginaceae)
- Wuchshöhe: 15 bis 40, bisweilen 60 cm
- Blütezeit: Juli bis August
- Wichtig: stark giftig; besonders geschützt; von einer Anwendung wird abgeraten
Volksmund: Gottes-Gnadenkraut
Gnadenkraut von Stefan.lefnaer, CC BY-SA 4.0
Steckbrief von Gnadenkraut
| Wissenschaftlicher Name | Gratiola officinalis L. |
|---|---|
| Familie | Wegerichgewächse (Plantaginaceae) |
| Wuchshöhe | 15 bis 40, bisweilen 60 cm |
| Blütezeit | Juli bis August |
| Anwendung | nicht zu empfehlen |
Mit etwas Glück findet man das bei uns eher selten vorkommende Gnadenkraut an feuchten Standorten wie Gräben, Sümpfen und Seeufern, meist gut versteckt zwischen höheren Pflanzen. Durch das Gnadenkraut sind schon tödliche Vergiftungen vorgekommen.
In der Naturheilkunde wurde das Gnadenkraut früher hochgeschätzt. Die Heilpflanze war unter dem Namen „Gnade Gottes“ bekannt. Aufgrund von Unwissenheit oder nachlässigen Umgangs mit dieser Pflanze gab es in früheren Zeiten eine Anzahl unglücklicher Patienten, die an der Behandlung starben. Das Gnadenkraut gehört derselben Pflanzenfamilie an wie der sehr giftige Rote Fingerhut (Digitalis purpurea L.), der jedoch für seine Herzwirksamkeit bekannt ist. Das Gnadenkraut besitzt diese Eigenschaft allerdings nur in sehr geringem Maße. Man verwendete die Heilpflanze früher vor allem als stark abführendes und wurmtreibendes Mittel.
Je nach Standort wird das ausdauernde Gnadenkraut 15 bis 40, bisweilen 60 cm hoch. Die hohlen Stängel wachsen aufrecht, an der Basis ist der Stängel rund, im oberen Bereich vierkantig. Die grünen, lanzettlich geformten, sitzenden Blätter sind gegenständig angeordnet. Die Blattränder sind fein gesägt. Die Blütezeit dieser Heilpflanze erstreckt sich von Juli bis August. Die hellgelben Blüten mit ihren rosa Lippen stehen einzeln in den Blattachseln. Der kriechende Wurzelstock des Gnadenkrauts ist fleischig und treibt Ausläufer. Der Geruch der Pflanze ist widerlich, der Geschmack scharf.
Standort von Gnadenkraut
Das Gnadenkraut wächst in Mittel- und Südeuropa bis in Höhenlagen von 1500 m. Die Heilpflanze bevorzugt feuchte Standorte, Uferböschungen und Sumpfränder sind ideal.
Das Gottes-Gnadenkraut ist in Deutschland besonders geschützt und in der Roten Liste als stark gefährdet eingestuft (BfN, FloraWeb); wild wachsende Pflanzen dürfen nicht gesammelt werden.
Heilkraft von Gnadenkraut
In der Volksmedizin wurden dem Gnadenkraut früher folgende Eigenschaften zugeschrieben: abführend, brechreizerzeugend und harntreibend.
Verwendete Pflanzenteile von Gnadenkraut
In der Naturheilkunde benutzte man von dem Gnadenkraut die gesamte, getrocknete Pflanze ohne die Wurzel.
Inhaltsstoffe von Gnadenkraut
Wichtige Inhaltsstoffe dieser Heilpflanze sind Glykoside (nur zum Teil herzwirksam).
Anwendung von Gnadenkraut
Das Gnadenkraut wurde in der Naturheilkunde innerlich und äußerlich angewendet. Von einer Anwendung des Gnadenkrauts wird abgeraten.
⚠️ Hinweis: Das Gnadenkraut ist stark giftig; von einer Anwendung wird abgeraten – siehe Sicherheitshinweise.
Quellen
Grundlage der bisherigen Texte:
- Geheimnisse und Heilkräfte der Pflanzen. Verlag Das Beste, ISBN-10: 3716600261
- Der Kosmos Heilpflanzenführer: Über 600 Heil- und Giftpflanzen Europas, Franckh Kosmos Verlag, ISBN-10: 3440162680
- RHS Die große Pflanzen-Enzyklopädie von A – Z, DK Verlag Dorling Kindersley, ISBN-10: 3831017298
- Wikipedia - Heilpflanze
- Wikipedia - Liste von Heilpflanzen
- Gottes-Gnadenkraut - Wikipedia
- Das große Lexikon der Heilpflanzen: 550 Pflanzen und ihre Anwendungen, Dorling Kindersley Verlag GmbH, ISBN 3831032327
Für die Überarbeitung gelesen:
- Giftpflanzen-Phytotoxin-Datenbank (TPPT) der Schweizer Forschungsanstalt Agroscope (Gratiola officinalis: Sicherheitsabschnitt; gelesen am 16.10.2026)
- Bundesamt für Naturschutz, FloraWeb – Gratiola officinalis (besonders geschützt, Rote Liste 2 „stark gefährdet“; Standort; gelesen am 16.10.2026)
- Wikipedia – Gottes-Gnadenkraut (Wuchshöhe „zwischen 15 und 40, bisweilen 60 Zentimetern“; Blütezeit „von Juli bis August“; gelesen am 16.10.2026)
- EMA – Download medicine data (Liste „Herbal medicines“) (Sicherheitsabschnitt; gelesen am 16.10.2026)
Häufige Fragen zu Gnadenkraut
Wo wächst das Gnadenkraut?
Mit etwas Glück findet man das bei uns eher selten vorkommende Gnadenkraut an feuchten Standorten wie Gräben, Sümpfen und Seeufern, meist gut versteckt zwischen höheren Pflanzen.
Woher hat das Gnadenkraut seinen Namen?
In der Naturheilkunde wurde das Gnadenkraut früher hochgeschätzt. Die Heilpflanze war unter dem Namen „Gnade Gottes“ bekannt.
Ist das Gnadenkraut geschützt?
Das Gottes-Gnadenkraut ist in Deutschland besonders geschützt und in der Roten Liste als stark gefährdet eingestuft (BfN, FloraWeb); wild wachsende Pflanzen dürfen nicht gesammelt werden.
Ist das Gnadenkraut giftig?
Die Giftpflanzen-Datenbank TPPT von Agroscope (Schweiz) stuft das Gottes-Gnadenkraut für den Menschen als stark giftig ein (ganze Pflanze).
Kann man das Gnadenkraut als Heilpflanze verwenden?
Von einer Anwendung des Gnadenkrauts wird abgeraten.