Meisterwurz – eine Heilpflanze der Volksmedizin
Peucedanum ostruthium (L.) Koch

ca. 5 Min. Lesezeit Aktualisiert: 

🌿 Meisterwurz – Auf einen Blick

  • Familie: Doldenblütler (Apiaceae)
  • Wuchshöhe: 30 bis 100 cm
  • Blütezeit: Juni bis August
  • Verwendete Pflanzenteile: Wurzelstock
  • Wichtig: nicht in Schwangerschaft und Stillzeit, bei schweren Lebererkrankungen oder Doldenblütler-Allergie; Furocumarine können die Lichtempfindlichkeit der Haut erhöhen

Volksmund: Kaiserwurz, Magistranz

Meisterwurz (Peucedanum ostruthium): weiße Blütendolde neben großen, gezähnten, dreiteiligen Blättern

Meisterwurz von A. Moro, CC BY-SA 4.0

Steckbrief von Meisterwurz

Steckbrief der Meisterwurz
Wissenschaftlicher NamePeucedanum ostruthium (L.) Koch
FamilieDoldenblütler (Apiaceae)
Wuchshöhe30 bis 100 cm
Verwendunginnerlich und äußerlich

Die Meisterwurz wächst in hohen, dichten Staudengruppen. Der stark aromatische Geruch dieser Pflanzen erinnert an Sellerie und Möhren. Der Trivialname Meisterwurz soll wohl auf die Heilkräfte dieser Pflanzen hinweisen. Im Mittelalter nannte man die Pflanze Magistrantia. Der lateinische Artname, ostruthium, wird zum ersten Mal im 16. Jahrhundert erwähnt. Seither wurde die als Heilpflanze gerne verwendete Meisterwurz auch häufig in Gärten angepflanzt. Die meisten Vorkommen dieser Pflanze in den tieferen Lagen dürften heute von solchen alten Anpflanzungen abstammen.

Als Gartenpflanze ist die Meisterwurz jedoch weitgehend aus der Mode gekommen. Meisterwurz genoss in der Vergangenheit einen sehr guten Ruf als Heilpflanze. Auszüge von ihr waren im 17. Jahrhundert im Orvietan enthalten, einem aus vierundfünfzig verschiedenen Kräutern zusammengesetzten Allheilmittel. Die Meisterwurzen galten auch als wirksames Mittel bei Vergiftungen und zur Behandlung von Hundebissen. Aus der Wurzel der Pflanzen wird ein Schnaps gebrannt, der in manchen Gebirgsgegenden als Magenstärkungsmittel sehr beliebt ist. Außerdem findet die Meisterwurz auch bei der Herstellung von Kräuterkäse Verwendung. Als Speisezusatz soll die Meisterwurz den Speichelfluss anregen.

Stängel und Blätter: Je nach Standort wird die ausdauernde Meisterwurz 30 bis 100 cm hoch. Die runden, grünen, aufrecht wachsenden Stängel sind gestreift, hohl und beblättert. Die Blätter der Meisterwurz sind beidseitig grün, die unteren mit 3 bis 9 großen, dreieckigen, gelappten und gezähnten Abschnitten. Die oberen Blätter sind kleiner, mit bauchiger Scheide und häufig rötlich gefärbt.

Blüten: Die Blütezeit der Meisterwurzen erstreckt sich von Juni bis in den August. Die weißen oder rosafarbenen Blüten wachsen in großen, flachen Dolden aus 20 bis 42 schlanken, ungleichen Strahlen. Die Blüten besitzen keine Hüllblätter.

Wurzeln: Der braune, geringelte, milchsaftbildende Wurzelstock einer Meisterwurz treibt Ausläufer.

Geschmack und Geruch: Der Geruch einer Meisterwurz ist stark aromatisch, der Geschmack der Pflanzen ist scharf und etwas bitter.

Standort von Meisterwurz

Die Meisterwurz wächst im Mittelmeergebiet und in den Alpen. Die Pflanze bevorzugt feuchte Wiesen und Waldlichtungen. Man findet die Meisterwurzen bis in Höhenlagen von 2200 m.

Heilkraft von Meisterwurz

In der Volksmedizin werden der Meisterwurz folgende Eigenschaften zugeschrieben:

  • appetitanregend

    Appetitanregend wirken vor allem Bitterstoffe: Sie regen über die Geschmacksknospen reflexartig die Bildung von Speichel und Magensaft an.

  • auswurffördernd

    Schleimlösend bzw. auswurffördernd (expektorierend) nennt man Mittel (Expektoranzien), die den Auswurf von Bronchialschleim erleichtern sollen, indem sie ihn vermehren oder verflüssigen.

  • magenwirksam

    Magenwirksam nennt man Mittel, die am Magen ansetzen, etwa indem sie die Bildung von Magensaft anregen.

  • verdauungsfördernd

    Ein verdauungsförderndes Mittel (Digestivum) soll die Verdauung unterstützen.

Verwendete Pflanzenteile von Meisterwurz

In der Naturheilkunde benutzt man von der Meisterwurz den Wurzelstock. Gesammelte Wurzelstöcke werden zum Trocknen im Schatten in feine Scheiben geschnitten.

Inhaltsstoffe von Meisterwurz

Wichtige Inhaltsstoffe dieser Heilpflanze sind ätherisches Öl, Cumarinabkömmlinge, Harz und Kautschuk.

Anwendung von Meisterwurz

Die Meisterwurz wird in der Pflanzenheilkunde innerlich und äußerlich angewendet. Anwendungen mit der Meisterwurz in der Naturheilkunde finden Sie auf diesen Seiten:

  • Appetit steigern

    Bitterstoffe und Kräuter, die traditionell zur Anregung des Appetits genutzt werden.

  • Blähungen

    Kräutertees und sanfte Hausmittel, die den Magen-Darm-Trakt beruhigen können.

  • Hautprobleme

    Überblick über Hausmittel, die bei verschiedenen Hautproblemen pflegend wirken können.

  • Insektenstich

    Kühlende Hausmittel, die Schwellung und Juckreiz nach Insektenstichen lindern können.

⚠️ Hinweis: In Schwangerschaft und Stillzeit auf Meisterwurz verzichten – siehe Sicherheitshinweise.

⚠️ Hinweis: Bei schweren Lebererkrankungen oder Allergie gegen Doldenblütler nicht anwenden – siehe Sicherheitshinweise.

ℹ️ Hinweis: Die Wurzel enthält Furocumarine; bei empfindlichen Personen können allergische Hautreaktionen oder eine erhöhte Lichtempfindlichkeit der Haut auftreten – siehe Sicherheitshinweise.

Quellen

Grundlage der bisherigen Texte:

  • Geheimnisse und Heilkräfte der Pflanzen. Verlag Das Beste, ISBN-10: 3716600261
  • Der Kosmos Heilpflanzenführer: Über 600 Heil- und Giftpflanzen Europas, Franckh Kosmos Verlag, ISBN-10: 3440162680
  • RHS Die große Pflanzen-Enzyklopädie von A – Z, DK Verlag Dorling Kindersley, ISBN-10: 3831017298
  • Wikipedia - Heilpflanze
  • Wikipedia - Liste von Heilpflanzen
  • Meisterwurz - Wikipedia
  • Das große Lexikon der Heilpflanzen: 550 Pflanzen und ihre Anwendungen, Dorling Kindersley Verlag GmbH, ISBN 3831032327

Häufige Fragen zu Meisterwurz

Woher hat die Meisterwurz ihren Namen?

Der Trivialname Meisterwurz soll wohl auf die Heilkräfte dieser Pflanzen hinweisen. Im Mittelalter nannte man die Pflanze Magistrantia.

Wie sieht die Meisterwurz aus?

Je nach Standort wird die ausdauernde Meisterwurz 30 bis 100 cm hoch. Die weißen oder rosafarbenen Blüten wachsen in großen, flachen Dolden aus 20 bis 42 schlanken, ungleichen Strahlen.

Wo wächst die Meisterwurz?

Die Meisterwurz wächst im Mittelmeergebiet und in den Alpen. Die Pflanze bevorzugt feuchte Wiesen und Waldlichtungen. Man findet die Meisterwurzen bis in Höhenlagen von 2200 m.

Wer sollte Meisterwurz nicht anwenden?

In Schwangerschaft und Stillzeit, bei schweren Lebererkrankungen sowie bei bekannter Allergie gegen Doldenblütler (Apiaceae) sollte auf die Anwendung verzichtet werden. Bei empfindlichen Personen können allergische Hautreaktionen oder eine erhöhte Lichtempfindlichkeit der Haut (Photosensibilisierung) auftreten.