Ziest – eine Heilpflanze der Volksmedizin
Stachys sylvatica L., Stachys palustris L.

ca. 4 Min. Lesezeit Aktualisiert: 

🌿 Ziest – Auf einen Blick

  • Familie: Lippenblütler (Lamiaceae)
  • Wuchshöhe: 30 bis 120 cm
  • Blütezeit: Juni bis September
  • Verwendung: innerlich

Volksmund: Waldziest: Waldnessel; Sumpfziest: Schweinerübe

Sumpfziest (Stachys palustris): ährenförmige Blütenstände mit rosa bis rotvioletten, weiß gefleckten Lippenblüten

Sumpfziest,Stachys palustris
von Storye book, CC BY-SA 4.0

Steckbrief von Ziest

Steckbrief des Ziests
Wissenschaftlicher Name Waldziest: Stachys sylvatica L.; Sumpfziest: Stachys palustris L.
Familie Lippenblütler (Lamiaceae)
Wuchshöhe 30 bis 120 cm
Blütezeit Juni bis September
Verwendung innerlich

Waldziest und Sumpfziest sind kräftige Pflanzen, die in fast allen Ländern Europas weit verbreitet sind.

Waldziest (Stachys sylvatica): ährenförmiger Blütenstand mit dunkel purpurroten Lippenblüten über behaarten Blättern

Waldziest, Stachys sylvatica
von gailhampshire, CC BY 2.0

Der aus dem Griechischen stammende Gattungsname Stachys bedeutet Ähre und deutet auf die Form des Blütenstandes hin. Wie der Name vermuten lässt, findet man den Waldziest mit seinen purpurroten Blüten in Laub- und Mischwäldern. Hier ist die Pflanze weit verbreitet. Waldziest riecht unangenehm nach Wanzen. Der Sumpfziest wächst entlang von Gräben und auf feuchten Ackerböden. Der Sumpfziest bildet rosa bis rotviolette, weiß gefleckte Blüten. Die Pflanzen werden gerne von Schafen und Ziegen abgeweidet, ihre Blüten von Bienen und Hummeln besucht. Die knollig verdickten Bodenausläufer des Sumpfziests verwendete man früher in einigen Gegenden als Ersatz für den eigentlichen Knollenziest (S. sieboldii Miq.) zu Nahrungszwecken.

In der Naturheilkunde werden Wald- und Sumpfziest nur noch selten verwendet. Beide Ziest-Arten besitzen krampflösende Eigenschaften, der Waldziest wirkt außerdem menstruationsregulierend, der Sumpfziest harntreibend. Beide Ziest-Arten sind ausdauernde Pflanzen, je nach Standort erreichen sie eine Wuchshöhe von 30 bis 120 cm. Die Stängel der Pflanzen sind beblättert und behaart.

Waldziest: Die grün gefärbten und gestielt wachsenden Blätter des Waldziests sind herzförmig, die Blattränder sind gesägt. Die sich in drei- bis sechsblütigen Scheinquirlen bildenden Blüten des Waldziests haben eine dunkel purpurrote Färbung.

Sumpfziest: Beim Sumpfziest wachsen die unteren Blätter kurz gestielt, die Blätter im oberen Bereich der Pflanze sind sitzend. Die Blattform ist länglich-lanzettlich, die Blattränder sind gesägt. Die sich in vier- bis achtblütigen Scheinquirlen bildenden Blüten des Sumpfziests haben eine dunkel rosa Färbung mit weißen Flecken.

Standort von Ziest

Der Waldziest wächst im gesamten europäischen Raum. Im Mittelmeerraum sind die Pflanzen jedoch nur sehr selten zu finden. Als Standort bevorzugt der Waldziest nicht allzu trockene Wälder.

Der Sumpfziest wächst, mit Ausnahme des Mittelmeerraumes, ebenfalls im gesamten Europa. Sumpfziest bevorzugt feuchtere Standorte als der Waldziest. Gewöhnlich findet man diese Pflanze in dauerfeuchten Gräben und auch an Flussufern.

Heilkraft von Ziest

In der Volksmedizin werden dem Waldziest folgende Eigenschaften zugeschrieben:

  • krampflösend

    Krampflösend (spasmolytisch) heißt, dass die Spannung der glatten Muskulatur gesenkt oder ihre Verkrampfung gelöst wird.

  • menstruationsregulierend

    Menstruationsregulierend bezieht sich auf Mittel (Emmenagoga), die den Eintritt der Monatsblutung anregen sollen.

  • sedativ

    Sedativ bzw. beruhigend heißt, dass Funktionen des zentralen Nervensystems gedämpft werden.

Dem Sumpfziest werden folgende Eigenschaften zugeschrieben:

  • krampflösend

    Krampflösend (spasmolytisch) heißt, dass die Spannung der glatten Muskulatur gesenkt oder ihre Verkrampfung gelöst wird.

  • harntreibend

    Harntreibend (diuretisch) heißt, dass die Harnbildung in den Nieren verstärkt und mehr Urin ausgeschieden wird.

Verwendete Pflanzenteile von Ziest

In der Naturheilkunde benutzt man von dem Waldziest und auch von dem Sumpfziest die blühenden Sprossspitzen. Der Sammelzeitraum erstreckt sich vom Juni bis in den September.

Inhaltsstoffe von Ziest

Wichtiger Inhaltsstoff dieser Heilpflanzen ist ätherisches Öl.

Anwendung von Ziest

Der Ziest wird in der Pflanzenheilkunde innerlich angewendet. Anwendungen mit den Ziest-Arten in der Naturheilkunde finden Sie auf diesen Seiten:

  • Krämpfe

    Mineralstoffe und entspannende Kräuter, die bei Muskelkrämpfen helfen können.

  • Menstruationsbeschwerden

    Wärmende Tees und Kräuter, die Regelschmerzen und Menstruationsbeschwerden lindern können.

  • Ohrensausen

    Pflanzliche Hausmittel und Entspannung, die bei Ohrensausen unterstützen können.

  • Wechseljahre

    Heilpflanzen und Hausmittel, die typische Wechseljahresbeschwerden lindern können.

Quellen

Grundlage der bisherigen Texte:

  • Geheimnisse und Heilkräfte der Pflanzen. Verlag Das Beste, ISBN-10: 3716600261
  • Der Kosmos Heilpflanzenführer: Über 600 Heil- und Giftpflanzen Europas, Franckh Kosmos Verlag, ISBN-10: 3440162680
  • RHS Die große Pflanzen-Enzyklopädie von A – Z, DK Verlag Dorling Kindersley, ISBN-10: 3831017298
  • Wikipedia - Heilpflanze
  • Wikipedia - Liste von Heilpflanzen
  • Sumpf-Ziest - Wikipedia
  • Wald-Ziest - Wikipedia
  • Das große Lexikon der Heilpflanzen: 550 Pflanzen und ihre Anwendungen, Dorling Kindersley Verlag GmbH, ISBN 3831032327

Für die Überarbeitung gelesen:

Häufige Fragen zu Ziest

Was bedeutet der Gattungsname Stachys?

Der aus dem Griechischen stammende Gattungsname Stachys bedeutet Ähre und deutet auf die Form des Blütenstandes hin.

Wonach riecht der Waldziest?

Waldziest riecht unangenehm nach Wanzen.

Wo wächst der Sumpfziest?

Sumpfziest bevorzugt feuchtere Standorte als der Waldziest.

Wofür wurde der Sumpfziest früher genutzt?

Die knollig verdickten Bodenausläufer des Sumpfziests verwendete man früher in einigen Gegenden als Ersatz für den eigentlichen Knollenziest (S. sieboldii Miq.) zu Nahrungszwecken.

Gibt es eine Bewertung der EMA zum Ziest?

Für Stachys sylvatica und Stachys palustris liegt keine Bewertung des Ausschusses für pflanzliche Arzneimittel (HMPC) der EMA vor.