Ruta graveolens

Weinraute (Ruta graveolens L.)
Anbau, Pflege, Ernte & Verwendung

Systematik

Ordnung: Seifenbaumartige (Sapindales)
Familie: Rautengewächse (Rutaceae)
Unterfamilie: Rutoideae
Tribus: Ruteae
Gattung: Rauten (Ruta)
Art: Weinraute
Wissenschaftl. Name: Ruta graveolens L.
Verwendung: Gewürz, Küchenkraut, Heilpflanze
Schwierigkeit Anbau & Pflege: leicht

Die Weinraute stammt aus dem Mittelmeergebiet und wird heute kaum noch als Heil- und Gewürzpflanze angebaut. Die Pflanze mit dem botanischen Namen Ruta graveolens dient in den meisten Gärten als Zierpflanze. Im Volksmund wird die Weinraute auch als Kreuzraute, Raute, Totenkraut, Gnadenkraut oder als Gertrudenkraut bezeichnet.

In vergangenen Zeiten galt die Weinraute als bedeutende Heilpflanze und war in vielen Klostergärten vorzufinden. Sie wurde unter anderem von den Mönchen angewendet, um ihre Lust zu reduzieren. Aber auch zur Appetitanregung, zur Nervenstärkung und gegen andere Beschwerden und Probleme wurde die Weinraute als Heilmittel verwendet.

Bei der Anwendung muss man allerdings vorsichtig sein und die genaue Dosierung beachten. In größeren Mengen wird die Gewürz- und Heilpflanze zur giftigen Pflanze!

Ruta graveolens gehört zur Familie der Rautengewächse. Es handelt sich um einen Halbstrauch, der eine Höhe von ein Meter erreichen kann. Die geteilten Blätter sind spatelförmig und von blaugrüner Farbe. Die Weinraute blüht von Juni bis November mit gelben Blüten. Die Pflanze enthält ätherische Öle, die sich in allen Pflanzenteilen befinden.

Weinraute Arten / Sorten

Im Handel findet man zwei Sorten vor:

  • Ruta graveolens Jackman´s Blue
    Die Sorte wird sechzig Zentimeter hoch und ihre Blätter haben eine blaugraue Farbe
  •  Ruta graveolens Variegata
    Diese Sorte ist eher selten, wird ebenfalls sechzig Zentimeter hoch und ihre Blätter sind graugrün-gelblich

Eine weitere Sorte stammt von der Burg Hohentwiel in der Nähe des Bodensees. Dort soll früher die etwa fünfzig Zentimeter hohe Sorte Ruta graveolens Hohentwiel den Garten verziert haben.

Weinraute / Inhaltsstoffe

Die Weinraute enthält:

  • Ätherisches Öl
  • Glykoside
  • Cumaringlycosid
  • Rutin
  • Harz
  • Gummi
  • Apfelsäure
  • Stärke
  • Bitterstoffe

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Weinraute Anbau im Garten

Die Weinraute ist eine recht pflegeleichte Pflanze, wenn folgende Faktoren beachtet werden:

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Standort

Der Standort muss warm und sonnig sein.

Substrat

Die Weinraute mag einen leicht mageren, kalkhaltigen und durchlässigen Boden. Mit normaler Gartenerde wäre die Pflanze zufrieden. Sollte der Boden lehmig sein, muss Sand untergemischt werden, um Staunässe zu vermeiden.

Gießen

Die Pflanze braucht sehr wenig Wasser und wird grundsätzlich nur bei langanhaltender Trockenperiode gegossen. Beim Anwachsen benötigt sie jedoch eine etwas größere Wassermenge.

Düngen

Auch beim Thema Düngen ist die Weinraute genügsam, denn sie muss nicht gedüngt werden. Wer dennoch der Pflanze Gutes tun möchte, dem steht im Frühling die Möglichkeit offen, ein wenig Kompost in die Erde einzuarbeiten.

Überwintern

Ruta graveolens ist recht winterfest. Dennoch sollte der Wurzelbereich mit Reisig, Jute oder einem Gartenvlies abgedeckt werden. Die Weinraute ist einer der Pflanzen, die im Winter komplett zurückfrieren. Es bleibt nur der holzartige Stock stehen. Im Frühling zeigen sich am Grundstück wieder neue, frische Triebe.

Weinraute vermehren

Die Vermehrung der Weinraute gelingt mit Stecklingen leichter als durch Aussaat. Generell sind aber beide Varianten möglich.

Aussaat

Sollen die Pflanzen vorgezogen werden, kann mit der Aussaat im März begonnen werden. Möchte man direkt ins Freiland aussäen, fängt man damit ab Mai an.

Die Samen brauchen zum Keimen eine Temperatur von mindestens zwanzig Grad. Man steckt die Samen in Anzuchterde und deckt sie leicht ab. Die Erde muss feucht gehalten werden, darf aber nicht zu nass werden.

Bei der Vermehrung mittels Aussaat ist Geduld gefragt, denn bis sich die ersten Keimlinge zeigen, können vier Wochen vergehen.

Stecklinge

Für die Vermehrung mittels Stecklingen werden Zweige abgeschnitten, die noch nicht komplett verholzt sind. Ideal sind noch weiche Triebe. Im unteren Bereich der Zweige entfernt man die Blätter. Als Substrat werden nährstoffreiche Erde und ein wenig Torf mit Sand gemischt. Die Stecklinge werden in dieses Substrat gesteckt. Die Vermehrung mit Stecklingen sollte im Spätsommer stattfinden. Im Folgejahr können sie nach der Frostperiode ins Freiland umgepflanzt werden.

Weinraute im Topf / Kübel

Die Weinraute lässt sich sehr gut im Kübel kultivieren. Dabei gelten dieselben Pflegerichtlinien, wie beim Anbau im Beet.

Bei der Kultivierung im Topf muss die Weinraute frostfrei, kühl und hell überwintert werden. Die Pflanze darf nicht in einem warmen Raum oder sogar nahe eines Heizungskörpers stehen.

Probleme / Schädlinge / Krankheiten

Die Weinraute wird selten von Krankheiten oder Schädlingen befallen, da es eine recht robuste Pflanze ist. Wurzelfäule oder Pilzkrankheiten entstehen nur dann, wenn sie zu viel Wasser bekommen hat und Staunässe entstanden ist.

Hier können Sie Schadbilder und Symptome an ihrer Pflanze bestimmen und Gegenmaßnahmen ergreifen.

Der richtige Schnitt der Weinraute

Die Weinraute benötigt keinen jährlichen Schnitt. Es reicht aus, sie gelegentlich im Frühjahr mäßig zu schneiden.

Ernte der Weinraute

Geerntet wird von Mai bis Juni, wobei Blüten, Blätter und Kraut verwendet werden können. Für die Ernte ist allerdings einiges zu beachten.

Die Pflanze ist phototoxisch. Berührt man die Weinraute, wenn eine starke Sonneneinstrahlung vorherrscht, kann es zu Brandblasen, Hautverfärbungen und Hautreizungen kommen. Deshalb wird stets früh morgens oder spät abends geerntet. Findet die Ernte dennoch bei Sonnenschein statt, sollte man sich mit Handschuhen schützen.

Konservieren der Weinraute

Die Blätter der Weinraute können getrocknet, eingefroren oder in Öl eingelegt werden.

Currykraut, Helichrysum italicum

Weinraute trocknen

Zum Trocknen bieten sich die Varianten Lufttrocknung, Trocknen im Dörrautomaten oder im Backofen an. Zum Trocknen an der Luft werden die Zweige gebündelt und kopfüber an einen luftigen, schattigen und warmen Ort aufgehängt.

Im Backofen werden die Blätter bei vierzig Grad getrocknet. Dazu verteilt man die Blätter auf ein Backblech. Damit Feuchtigkeit entweichen kann, wird ein Holzlöffel zwischen die Backofentüre geklemmt.

Das Trocknen im Dörrautomaten geschieht nach Anleitung des Gerätes.

Weinraute einfrieren

Die frischen Blätter werden kleingehackt und in die Fächer eines Eiswürfelbehälters gelegt. Diese füllt man mit Wasser auf und stellt den Behälter in das Gefrierfach.

Weinraute einlegen

Man steckt wenige Zweige der Weinraute in eine verschließbare Flasche und füllt diese mit Öl auf. Nach etwa einer Woche filtert man das Weinrautenöl ab und füllt das Öl in die ausgespülte Flasche zurück.

Weinraute in der Küche

In Italien dienen die Blätter der Weinraute zum Würzen von Gemüse, Suppen, Käse und fettigen Fleischgerichten. Die Weinraute lässt schwere Speisen verträglicher werden. Auch in Grappa sind Weinrautenblätter enthalten. Zum Würzen nimmt man täglich maximal drei kleine Blätter! Die Einhaltung der minimalen Menge ist wichtig, da eine Überdosierung gesundheitsschädlich ist!

Weinraute Tee

Für die Zubereitung von Weinrauten-Tee wird 250ml kochendes Wasser über einen Teelöffel Weinraute gegossen. Nun lässt man den Tee fünf Minuten ziehen und seiht ihn dann ab. Von dem Tee sollten höchstens zwei Tassen pro Tag getrunken werden. Achtung: Weinrauten-Tee darf nicht von Schwangeren getrunken werden, da es durch den Tee zu einer Fehlgeburt kommen kann!

Weinraute als Heilkraut

Die Weinraute wirkt krampflösend, regt den Appetit an, beruhigt, fördert den Schlaf und wirkt wassertreibend.

In der Vergangenheit diente die Pflanze als Heilmittel gegen Würmer und Hysterie und galt ebenso als Prävention gegen die Pest.

Kneipp verwendete die Weinraute gegen Kopfschmerzen, Schwindel, Herzklopfen, Atemprobleme, Schüttelfrost und Unterleibskrämpfe. Weinrauten-Umschläge fanden eine äußere Anwendung bei Hauterkrankungen, Quetschungen, Verstauchungen, Geschwüren, Wunden, Rheuma, Augenentzündungen und Ohrenschmerzen.

Da bei der Weinraute unbedingt die richtige Dosierung beachtet werden muss, sollte sie nicht von Laien als Heilmittel genutzt werden.

Bildnachweis

Ruta graveolens, Weinraute von Jörg Hempel, , Ruta graveolens Blatt von Jeffdelonge, Ruta graveolens, Weinraute, Blüte, von H. Zell, alle unter CC BY-SA 3.0