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Der Wachstumszyklus unserer Pflanzen ist uns allen von Kind an vertraut. Die Laubbäume bilden im Frühling neue Blätter, Stauden beginnen zu wachsen und vergehen im Herbst, die Bäume verlieren ihre Blätter erneut. Dieser regelmäßige Zyklus wird in unseren mitteleuropäischen Breiten durch die Temperatur und durch die unterschiedliche Tageslichtdauer und Zusammensetzung gesteuert. Die Laubbäume sind also durch sehr stark ausgeprägte Wachstums- und Ruhezyklen gekennzeichnet.
Es gibt aber auch zahlreiche andere Pflanzen, die eine ausgeprägte Ruhezeit und Wachstumsperiode durchlaufen, auch wenn sie während der Ruhezeit ihre Blätter nicht verlieren.
Wenn diese Pflanzen in Wohnungskultur ihrer von Natur aus vorprogrammierten Ruheperiode beraubt werden, leiden sie darunter. Tatsächlich können einige Pflanzen mit der Zeit auch absterben, wenn man sie durch zu viel Wärme und zu kräftige Düngung zu einem unnatürlichem Wachstum außerhalb der gewohnten Jahreszeit zwingt.
Die meisten unserer Zimmerpflanzen sind immergrün. Trotzdem können sie aus kühleren Regionen stammen und benötigen im Winter eine ausgeprägte Ruhezeit. Auch zahlreiche Pflanzen aus den gemäßigten Zonen, beispielsweise der Efeu, entwickeln sich nur gut, wenn sie eine jährliche Ruheperiode bekommen.
Während der Wintermonate werden solche Pflanzen deshalb gar nicht oder nur sehr sparsam gedüngt und sehr viel weniger gegossen. Nach Möglichkeit sollte man auch versuchen die Temperaturen während dieser Ruhezeit niedriger als gewohnt zu halten, ansonsten fällt es den Pflanzen schwer die Ruheperiode einzuhalten.
Es gibt jedoch nur recht wenige Zimmerpflanzen, die aus den gemäßigten Klimazonen mit ausgeprägten Kälteperioden stammen. Bei fast allen unser Zimmerpflanzen handelt es sich um Gewächse deren ursprüngliche Heimat die Tropen oder die Subtropen sind.
Bei diesen Zimmerpflanzen ist für uns Pflanzenfreunde der natürliche Wachstumszyklus nicht ganz so klar erkennbar. Einige Pflanzen, beispielsweise einige Sukkulenten und die Wüstenkakteen unterliegen in der freien Natur stark ausgeprägten Wachstums- und Ruheperioden. Diese ergeben sich aufgrund von Temperaturänderungen, Trockenzeiten oder ausgeprägte jahreszeitliche Regenfälle.
Zahlreiche Pflanzen aus den tropischen und subtropischen Regionen wachsen in ihrer Heimat jedoch ständig weiter, oder aber das Hauptwachstum und die Ruhezeit dieser Pflanzen sind an keine bestimmte Jahreszeit gebunden.
Viele unserer Zimmerpflanzen stammen ursprünglich aus dem tropischen Regenwald, dort ändern sich die Lebensbedingungen für die Pflanzen im Laufe eines Jahres nur sehr wenig.
Auch wenn man nun annimmt, dass diese Pflanzen ohne einen ausgeprägten Wachstumszyklus unproblematisch in Wohnungen zu kultivieren sind, wenn man im Winter alle Räume ausreichend und gleichmäßig beheizt. Dies wäre wahrscheinlich so, wenn auch die übrigen Bedingungen, Lichtdauer, Lichtintensität und die Zusammensetzung des Lichts (Rot- und Blauanteil) unverändert blieben. In unseren gemäßigten Breiten ist dies leider nicht der Fall und im Verlauf der unterschiedlichen Jahreszeiten verändert sich das für die Zimmerkultur so wichtige Tageslicht beträchtlich in Dauer und Intensität.
Deshalb blühen solche Pflanzen, die von Natur aus eigentlich keine Ruhezeit einlegen, in Wohnungen häufig nur, wenn man ihnen regelmäßig eine Ruhezeit gönnt. Schwierig zu kultivierende Pflanzen aus solch tropischen Regenwaldgebieten können jedoch auch mit einer künstlichen Beleuchtung über die lichtarme Jahreszeit gebracht werden, sie danken dies häufig mit einem gesunden Wachstum und großer Blühfreudigkeit.
Wenn man eine aus den tropischen gebieten stammende Pflanze bei schlechten Lichtverhältnissen im Winter zum Wachstum anregt, wird sie mit der Zeit Schaden nehmen. Auch wenn man die anderen Faktoren Temperatur, Gießen und Düngen gewährleistet, fehlt als wichtiger Faktor eine ausreichende Lichtintensität. Die Pflanze wächst dann sparrig, weich, verliert das Chlorophyll und somit ihre grüne Farbe, sie vergilbt und wird krank. Der Mangel an Tageslicht während des Winters und zu kräftiges gießen während der Winterszeit ist der Hauptgrund dafür, dass zahlreiche Pflanzenarten im Zimmer nicht richtig gedeihen.
Fast alle Zimmerpflanzen sollten wegen des Lichtmangels im Winter nicht zum Wachstum angeregt, sondern zu einer Ruhezeit gezwungen werden. Die Pflanzen gewöhnen sich meist recht schnell an diese regelmäßige Ruhezeit, selbst wenn sie von Natur aus diesem Zyklus nicht unterworfen sind.
Während der künstlich erzwungenen Ruheperiode verlangsamt sich das Wachstum der Pflanzen, bis die Lebensbedingungen für das erneute Wachstum wieder günstiger sind. Um eine künstliche Ruheperiode einzuleiten kann man bei tropischen und subtropischen Pflanzen die Wassergaben einschränken und die Düngung vollständig einstellen. Besonders wichtig sind diese beiden Maßnahmen bei einigen Kakteen und Sukkulenten mit einer ausgeprägten natürlichen Ruheperiode. Während dieser Zeit muss das Wässern sehr stark eingeschränkt werden.
Zimmerpflanzen, die in der lichtarmen Winterszeit ihre Blätter abwerfen, benötigen eine nahezu vollständige Ruhe. Bei diesen Pflanzen gießt man während der Ruheperiode nur so viel, dass der Topfballen nicht vollständig austrocknet. Die Düngung wird vollständig eingestellt. Bei den meisten dieser Pflanzen muss auch die Temperatur stark gesenkt werden. In den meisten Wohnungen ist es fast unmöglich, solchen Pflanzen während der gesamten Winterruhe einen Platz zu geben, der bei geeigneten Lichtverhältnissen gleichzeitig auch niedrige Temperaturen, knapp über dem Gefrierpunkt, bietet.
Es gibt jedoch auch Pflanzen die eine vollkommene Ruhezeit einlegen, der oberirdische Teil der Pflanze stirbt zu Beginn der Ruhezeit ab. Fast alle Zwiebel- und Knollenpflanzen fallen in diese Kategorie.
Eine im Winter ruhende Zwiebel oder Knolle wird meist nicht gegossen, sondern sie werden während der ganzen Zeit trocken gelagert. Eine solch ruhende Knolle oder Zwiebel kann im Dunkeln gelagert werden, sie benötigen während der Winterzeit kein Licht.
In der Familie der Gesneriengewächse gibt es Ausnahmen, die geschuppten Rhizome solcher Pflanzen können wesentlich weniger Feuchtigkeit als Zwiebeln speichern und benötigen deshalb während der Ruhezeit gelegentlich ein wenig Wasser, ansonsten schrumpfen sie ein.
Das Ende der pflanzlichen Ruheperiode erkennt man meist daran, das die Knospen der Pflanze aufbrechen und sich junge Blätter und Triebe bilden.
Das Gießen der Zimmerpflanzen während der Ruhezeit ist in unseren Kulturanleitungen stets angegeben, wir empfehlen Ihnen diese Angaben zu beachten.