Cannabis selbst anbauen: Hanfpflanzen erfordern einiges an Aufwand

Es ist in Deutschland mit einer Konzession vom behandelnden Arzt möglich, zu Hause für die eigene medizinische Behandlung Cannabis anzubauen.

Cannabis Blüten

Cannabis selbst anbauen

Der Anbau von Cannabis ist an vielerlei Bedingungen geknüpft. So muss zunächst eine Erkrankung vorliegen, gegen die Cannabis in der Medizin überhaupt angewendet wird. Weiterhin muss der Patient nachweisen, dass er sich die hohen Kosten für eine Cannabisbehandlung nicht leisten kann. 1 Gramm medizinisches Cannabis kostet derzeit rund 20 Euro in der Apotheke. Vor allem Schmerzpatienten, welche die Vorzüge von Cannabis im Vergleich zu Opiaten wie Morphium genießen möchten, können monatliche Medikamentengebühren im drei- bis vierstelligen Bereich verursachen.

Wer die Erlaubnis erhält, zu Hause Cannabis anzubauen, muss einen abschließbaren Raum vorweisen, welcher vor Fremdzutritt jederzeit geschützt werden muss. Aber auch neben der Bürokratie muss eine Menge getan werden, damit die Cannabispflanzen einen ausreichenden Ertrag zur Behandlung der eigenen Beschwerden liefern. Medizinisches Cannabis ist übrigens reich an CBD, dieses Cannabinoid wirkt schmerzstillend, ohne Halluzinationen oder Rauschzustände hervorzurufen

Cannabis im Anzucht-Topf keimen lassen und männliche Pflanzen aussortieren

Die weiblichen Cannabispflanzen sind in den Blüten reich an über 100 natürlichen Wirkstoffen, den sogenannten Cannabinoiden. Cannabidiol (CBD) und Tetrahydrocannabinol (THC) sind die beiden in der medizinischen Anwendung eingesetzten Vertreter. Für den Eigenanbau können Cannabissamen ausgewählt werden, welche eine zu den Beschwerden passende Kombination an diesen beiden Wirkstoffen enthalten. Cannabispflanzen können in Anzucht-Töpfen auf eine Höhe von etwa 30 Zentimetern über einige Wochen kultiviert werden, wobei schon in der ersten Phase der Cannabiszucht eine korrekte Stundenzahl in der Beleuchtung ausgewählt werden muss. Der behandelnde Arzt kann Ihnen bei der Wahl der richtigen Lichtquelle für den Anbau von Cannabis beratend zur Seite stehen und Ihnen verraten worauf es sonst noch zu achten gilt, damit die Erträge so ausfallen, dass sie für die Versorgung des Patienten langfristig ausreichen.

In männlichen Cannabispflanzen sind nur wenige Wirkstoffe in den fertigen Blüten vorhanden, daher werden sie für die Zucht nicht benötigt. Es muss in jedem Fall vermieden werden, dass die Cannabispflanzen sich gegenseitig bestäuben, da sonst Samen gebildet werden, wobei die Cannabisblüten dann alle Wirkstoffe für die Samenproduktion verwenden. Bei der Cannabispflanze handelt es sich, wie übrigens auch beim Hopfen, um einen sogenannten Windbestäuber. Bei diesen Pflanzen werden keine Insekten für die Bestäubung der Pflanzen benötigt. Eine Vermehrung der Pflanzen in der Cannabiszucht gelingt Pflanzenfreunden über das Ziehen von Ablegern der stärksten, weiblichen Pflanzen.

Welche Hanfsorten werden für den Einsatz im medizinischen Bereich eingesetzt?

Cannabis Experte Thomas Harmeier von Cannadoc ist im Gespräch mit Cannabiszüchtern aus der ganzen Welt. Zusammenfassend schlussfolgert er: „Mit der Entdeckung immer weiterer Anwendungsgebiete von Cannabidiol haben viele Züchter ihren Fokus von einem möglichst hohen THC-Gehalt ihrer Ernte auf einen maximalen CBD-Gehalt gelegt“. Dabei wird zum Teil auf die bekannten Indica- oder Sativa-Hanfsorten zurückgegriffen. Aber auch völlig neuartige Hanfsorten können für den medizinischen Einsatz entstehen, in denen die Cannabinoide durch gezielte Pflanzenkreuzungen an die verschiedenen Krankheiten angepasst werden.

Neben einer schmerzlindernden Wirkung ist Cannabis außerdem dafür bekannt, die Stimmung aufzuhellen. Das Cannabinoid CBD wird unter anderem daher auch zur Behandlung von Psychosen und anderer, starker Nervenstörungen eingesetzt. Dabei kann es von Männern und Frauen ebenso angewendet werden wie auch von Kindern und Jugendlichen. Gerade bei Kindern mit Anfallsleiden wird Cannabis mit seinem entspannungsfördernden Wirkstoff CBD bereits seit vielen Jahren in der psychiatrischen Rehabilitation eingesetzt.

Welche Darreichungsformen von medizinischem Cannabis gibt es?

Das Verdampfen im Vaporisator ist besonders für Raucher geeignet. Bei dieser Form der Medikamenteneinnahme werden eher geringe Mengen Cannabis benötigt, außerdem sind die wohltuenden Wirkstoffe rasch im Blutkreislauf verfügbar. Wird die Cannabisblüte in Verbindung mit Tabak geraucht, kommt es zu einer erhöhten Aufnahme von Körpergiften wie Nikotin oder Teer. Ärzte empfehlen diese Art der Dosierung in der Regel nicht.

Aus den Cannabisblüten lässt sich aber auch Tee kochen, wodurch die Beschwerden nachhaltig gelindert werden können. Viele Cannabispatienten trinken den Tee über den ganzen Tag verteilt, wobei Nervenstörungen bei Multipler Sklerose nach einer Tasse Tee rasch abgeschwächt werden. Auch das Zittern der Muskeln verschwindet meist innerhalb weniger Minuten, wie Anwender berichten. CBD und THC sind außerdem in unterschiedlichen Reinheitsgraden als Tabletten oder Öle in der Apotheke erhältlich. Wer Cannabis zu Hause selbst anbaut, wird keine komplexen Extraktionsverfahren anwenden wollen, sondern die gezüchteten Blüten lieber komplett für die Behandlung einsetzen.