Obstbäume - Halbstamm und Hochstamm richtig schneiden

Junger Hochstammbaum

Junger Hochstammbaum der
Schweizer Birnensorte "Theilersbirne".
Als Unterlage wurde
die "Schweizer Wasserbirne" verwendet.

Foto: Joris Egger, CC BY-SA 3.0

Halbstämmige und hochstämmige Obstbäume können mit einem Pflanzschnitt und einem Erziehungsschnitt dahingehend geformt werden, dass sich eine ideale Krone mit einem kräftigen Gerüst entwickelt. Die folgenden Schneidetipps sind ebenfalls für Buschbäume geeignet.

Pflanzschnitt von Halb- und Hochstamm

Für den Pflanzschnitt wählen wir drei bis vier Triebe aus, die sich zu Leitästen entwickeln sollen. Diese Triebe sollten sich am Stamm verteilen, also sich nicht nur an einer Stelle des Stammes befinden.

Manchmal fehlen diese drei idealen Triebe noch. In dem Fall sucht man sich drei Triebe aus, die sich am besten eignen. Ein Jahr oder zwei Jahre später werden diese Triebe dann durch idealere Triebe ersetzt, die sich im Laufe der Zeit an der Stammverlängerung gebildet haben.

Die zukünftigen -  oder provisorischen - Leitäste sollten sich im stumpfen Winkel zum Stamm befinden. Erst mit etwas Distanz zum Stamm sollten diese Triebe im 45 Grad Winkel ansteigen. Würde man spitzwinklig angesetzte Triebe als Leitäste auswählen, käme es zu einer zu dichten Krone und diese Äste können häufig dem Druck von Schnee oder starkem Fruchtbehang nicht gut standhalten.

Beim Pflanzschnitt entfernt man nun alle Triebe, die steil nach oben wachsen. Ebenso schneidet man den Konkurrenztrieb ab. Dieser befindet sich ganz oben am Mitteltrieb und verläuft in der Regel im spitzen Winkel zur Stammverlängerung.

Sollte einer der drei späteren Leitäste zu steil stehen, spreizt man ihn ab. Dazu schneidet man in kurze Aststücke oder Holzstäbchen an beiden Enden eine Kerbe und klemmt diese zwischen Trieb und Stamm. Wächst einer dieser drei Triebe zu flach, bindet man ihn mit Bast hoch.

Neben diesen zukünftigen Leitästen können zusätzlich ein bis zwei Triebe am jungen Baum belassen werden. Stehen diese Triebe nicht im rechten Winkel, werden sie mit Bast waagerecht gebunden. Diese Triebe werden nicht geschnitten. Die drei späteren Leitäste werden um ein Drittel oder auch zur Hälfte eingekürzt: Stets auf eine Knospe, die nach außen gerichtet ist und ungefähr auf gleicher Höhe. Beim Steinobst können die Leitäste noch weiter eingekürzt werden.

Dieser Rückschnitt ist unter anderem notwendig, damit sich Krone und Wurzel wieder in Balance befinden. Die Wurzel verliert beim Ausgraben immer viel Masse. Die übrig gebliebenen Wurzeln könnten die Triebe nur unzureichend mit Nährstoffen und Wasser versorgen, würde man auf den Pflanzschnitt verzichten. Zudem würde der Neutrieb schwach ausfallen.

Der Mitteltrieb – die Stammverlängerung – wird soweit zurückgeschnitten, dass er die späteren Leitäste ungefähr eine Handbreit überragt. Der Schnitt wird über einer Knospe angesetzt, aus der sich mit hoher Wahrscheinlichkeit ein gerader Trieb fortsetzen wird.

Erziehungsschnitt von Halb- und Hochstamm

Der Erziehungsschnitt erfolgt im nächsten Spätwinter oder zu Frühlingsbeginn. Dieser Erziehungsschnitt muss jährlich wiederholt werden, damit sich die Krone aufbauen kann. In der Regel dauert dies zwischen fünf und acht Jahre.

Beim ersten Erziehungsschnitt entfernt man zunächst die Bastfäden sowie die Spreizstäbchen.

Waren beim Pflanzschnitt noch keine drei geeigneten Leitäste vorhanden, ersetzt man jetzt die provisorischen Leitäste durch günstigere Jungtriebe.

Alle zu dicht stehenden Triebe sowie Triebe, die sich auf den Oberseiten der Äste gebildet haben und alle Konkurrenztriebe werden entfernt.

Die restlichen Neutriebe werden mit Bast in waagerechte Stellung gebracht, sollten sie nicht waagerecht stehen.

Nun schneidet man die Verlängerungen des Stammes und der Leitäste zurück. Wie weit zurückgeschnitten wird, hängt von der Stärke des Austriebs ab. Bei einem nur schwachen Austrieb lässt man diesen Rückschnitt ausfallen. Bei starkem Austrieb schneidet man weniger zurück, als beim Pflanzschnitt.

Ab dem dritten Jahr nach Pflanzung zieht man pro Leitast drei Seitenäste heran. Der erste Seitenast sollte sich etwa sechzig bis achtzig Zentimeter vom Stamm entfernt befinden. Wird auf diesen Mindestabstand nicht geachtet, entwickelt sich eine zu dichte Krone. Die Distanz der drei Seitenäste zueinander sollte rund hundert Zentimeter betragen. Aufgrund dieser Abstände werden später in der fertigen Krone alle Triebteile mit ausreichend Sonnenlicht versorgt. Die Seitenäste sollten sich schräg aufrichten und werden so eingekürzt, dass die Leitäste länger sind als diese Seitenäste.

Die Triebe, die sich entlang der Leitäste gebildet haben, werden als Fruchtäste behandelt: Sie werden nicht geschnitten, sondern so gelenkt, dass sich die Spitzen leicht abwärts neigen. Auf diese Weise werden sie keine Konkurrenz der Seitenäste.

Zu dicht stehende Jungtriebe werden allerdings entfernt. Auch die Konkurrenztriebe an den Seitenästen, an den Leitästen und am Mitteltrieb werden abgeschnitten.

Nach diesem Erziehungsschnitt sollte die Baumform einer flachen Pyramide oder einem Hausdach ähneln.

Instandhaltungsschnitt von Halb- und Hochstamm

Nachdem das Kronengerüst fertig aufgebaut ist, muss lediglich ein Instandhaltungsschnitt durchgeführt werden, um die Bildung neuen Fruchtholzes anzuregen. Für hochwertige und gesunde Früchte ist es wichtig, dass die Krone licht bleibt:

  • Im ersten Schritt schneidet man alle abgestorbenen oder von Krankheit befallenen Triebe und Äste ab
  • Dann schneidet man alle Fruchtäste aus, die älter als drei Jahre sind, die häufig stark nach unten hängen und größtenteils abgetragen haben. Sollten Jungtriebe vorhanden sein, die sich nach oben oder schräg außen wachsen, werden die Fruchtäste auf diese Jungtriebe abgesetzt.
  • Junge Triebe, die sich auf den stärkeren Ästen gebildet haben, werden komplett entfernt. Dies gilt auch für zu dicht stehende Jungtriebe.
  • Die restlichen Jungtriebe werden nicht geschnitten. Sie entwickeln sich zu Fruchtholz.

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