Pflege eines Obstbaums

Im Obstgarten sind verschiedene Arbeiten von Bedeutung, wenn die Obstbäume einen guten Ertrag erzielen sollen. Neben der Schneidearbeit fallen noch weitere, wichtige Aufgaben an.

Zwetschge, ungepflegt

Bäume vor Wildschäden schützen

Je nachdem in welchem Gebiet sich der Obstgarten befindet, kann es im Winter zu Fraßschäden durch Rehe, Hasen und Kaninchen kommen. Die Tiere suchen in der kalten Jahreszeit nach Nahrung und fressen somit gerne die Rinde oder auch Jungtriebe und Knospen an. Der beste Schutz wäre eine Umzäunung des Gartens. Kann dies nicht bewerkstelligt werden, helfen Drahthosen: Ein Geflecht aus Maschendraht wird um den Baumstamm noch junger Obstbäume gelegt. Diese Drahthosen sollten erst entfernt werden, wenn nicht mehr mit Schnee zu rechnen ist.

Bei älteren Bäumen hilft es, beim Auslichten die abgeschnittenen Äste und Zweige am Baum liegen zu lassen. Hasen und Kaninchen lassen dann die Rinde der Bäume in Ruhe und nagen an dem Schnittholz.

Pflege von Wunden

Wunden ab einer Größe eines Zwei-Euro-Stücks sollten behandelt werden. Wunden können durch den Schnitt, aber auch durch Krebs, Hasenfraß, Frost oder andere Ursachen entstehen.

Für die Wundpflege schneidet man die Wundränder mit der Hippe (scharfes Messer) nach und verstreicht die Wunde mit einem Wundverschlussmittel. Bei Obstbaumkrebs wird die betroffene Stelle bis in das gesunde Holz ausgeschnitten. Auch bei Wunden, die durch Frost entstanden sind, schneidet man die betroffenen Rindenteile und die braunen Ränder heraus, bis man das gesunde Holz sehen kann.

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Baumstämme vor starken Temperaturschwankungen schützen

Das Kalken der Südseite von Baumstämmen schützt vor Schäden, die durch Temperaturschwankungen entstehen. Anfang des Jahres wird die Südseite eines Baumes tagsüber und an sonnigen Tagen erwärmt und nachts kommt es zu einem starken Temperaturabfall. Dadurch können Risse im Stamm entstehen.

Vorbeugend können die Stämme gekalkt werden, sodass die Sonnenstrahlen reflektiert werden. Dazu kann im Handel eine Kalkbrühe gekauft werden.

Anstatt zu kalken kann auch an der Südseite ein Brett gegen den Stamm gestellt werden. Auch dies ist eine Möglichkeit, um die Rinde vor extremen Temperaturschwankungen zu schützen.

Erneuerung der Pfähle

Die Pfähle an Hochstämmchen von Beerenobst oder an Spindelbüschen sollten regelmäßig kontrolliert werden. Dazu werden die Pfähle hin und her bewegt um festzustellen, ob sie eventuell morsch sind und gegen neue ausgetauscht werden müssen. Auch das Bindematerial sollte bei dieser Gelegenheit überprüft werden.

Ausdünnung der Früchte

Bei einigen Obstsorten und niedrigen Baumformen sollte nach dem Junifall ausgedünnt werden. Trägt der Baum zu viele Früchte, wird die Ernte im Folgejahr kleiner oder komplett ausfallen. Zudem verbessert man durch die Ausdünnung die Größe der Früchte.

Zum Ausdünnen werden zunächst die Äste geschüttelt, damit die Früchte abfallen, die nicht fest genug sitzen. Anschließend werden alle Früchte mit Hilfe einer Gartenschere entfernt, die von einer Krankheit befallen oder zu klein oder missgestaltet sind. Zwischen den einzelnen Früchten sollte nach dem Ausdünnen ungefähr eine Handlänge Platz sein.

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Beseitigung der Triebe

Manchmal bilden sich vom Stammgrund aus neue Triebe, die sich in der Regel aufgrund von Verletzungen des Wurzelhalses entwickeln. Diese sollten entfernt werden, da diese Triebausschläge zur Wachstumsbeeinträchtigung führen. Das bodennahe Abschneiden reicht im dem Fall nicht aus, denn dadurch treiben die auf der Sämlingsunterlage verbleibenden Augen wieder aus. Man legt den Stammgrund frei und schneidet die Triebe direkt am Stamm ab.

Bildet sich beim Spindelbusch eine zu große Krone, wurde der Zwergbaum entweder zu tief eingepflanzt oder er wurde in der Baumschule auf einer Unterlage gezogen, die zu stark wachsend ist.

Wurde der Spindelbusch zu tief eingepflanzt, befindet sich die knollige Verdickung der Veredlungsstelle unter der Erde. Über dieser Veredlungsstelle bilden sich dann Wurzeln  und die schwach wachsende Unterlage wirkt nicht mehr: Der Baum wächst wie bei einer Veredlung auf einer Sämlingsunterlage, treibt stark aus und bildet eine zu üppige Krone. In diesem Fall entfernt man die Erde rund um den Stamm und legt die Veredlungsstelle frei. Die Wurzeln, die sich über dieser knolligen Verdickung gebildet haben, werden abgeschnitten.

Wurde auf einer zu stark wachsenden Unterlage gezogen, sollte man keinen Schnitt durchführen, denn dieser würde den Triebzuwachs fördern. Wurden mehrere solcher angeblich klein bleibenden Spindelbüsche gepflanzt, sollte man nur jeden zweiten Zwergbaum stehenlassen und die anderen beseitigen. Dadurch bekommen die verbleibenden Spindelbüsche genügend Luft, um die Kronengröße zu erreichen, die aufgrund der Unterlage vorprogrammiert ist. Diese Größe der Krone muss erreicht werden, soll der Baum blühen und schließlich Früchte bilden.

Richtig wässern bei Trockenheit

Im ersten Jahr ist das Wurzelwerk von neu gepflanzten Obstbäumen noch recht spärlich und flach verlaufend. Diese Bäume brauchen generell im ersten Jahr mehr Wasser als bereits länger stehende Obstbäume. Bei Trockenheit muss man besonders auf genügend Wasser achten, damit sich das Wurzelwerk ausbilden kann und nicht vertrocknet.

Bei älteren Obstbäumen wird lediglich in der Blütezeit, vor der Ernte und bei länger anhaltender Trockenzeit gewässert. Dabei wird auf durchdringende Wässerung geachtet und im gesamten Bereich der Kronentraufe gegossen.

Pflegemaßnahme Mulchdecke

Unter einer Mulchschicht bleibt die Erde feucht und locker. Dies fördert die Entwicklung von „guten“ Bakterien und verhindert das Wachstum von Unkraut. Eine Mulchdecke stellt somit eine sehr wichtige Pflegemaßnahme dar, besonders für Beerensträucher und flach wurzelnde Spaliere und Obsthecken.

Die Mulchdecke wird im Frühling angelegt und vor dem Winter wieder beseitigt. Würde man die Mulchschicht auch im Winter liegenlassen, so erhöht sich das Risiko von Mäusefraß, der selten verheilt.

Eine Mulchdecke aus kurzem Rasenschnitt sollte eine Höhe von rund fünfzehn Zentimetern vorweisen. Eine Mulchschicht aus verrottetem Stallmist, Häckselgut oder kurzem Stroh kann niedriger sein.

Bei halb- oder hochstämmigen Bäumen, die in den Rasen gepflanzt wurden, sollten zunächst der Bodenbereich rund um den Stamm freigelegt werden. Durch Wiese oder Rasen bekommt das Wurzelwerk des jungen Baumes zu wenige Nährstoffe und Wasser. Besser ist also das Anlegen einer Baumscheibe, die im Sommer mit einer Mulchschicht abgedeckt wird. Die Baumscheibe sollte einen Durchmesser von rund 1,50 Meter vorweisen. Hat der junge Baum eine Krone ausgebildet, kann man die Baumscheibe mit Kapuzinerkresse oder Gras bewachsen lassen.

Tipps bei Schäden durch Hagel

Durch starken Hagelschlag sind die Schäden an Jungbäumen häufig so groß, dass sie nicht mehr zu retten sind. Schäden durch Hagel bei älteren Bäumen können jedoch behandelt werden.

Für die Erholung benötigt der betroffene ältere Baum eine zusätzliche Düngung mit Stickstoff und anderen Nährstoffen. Dabei werden der Stickstoff und weitere Nährstoffe über die Blätter zugeführt, sodass Nährstoffe und Stickstoff direkt verwertet werden können. Für diese Zusatzdüngung bietet sich ein stickstoffreicher Blattdünger an.

Sträucher und Bäume mit Hagelschäden benötigen zudem eine Mulchschicht und müssen bei Trockenheit gut gewässert werden. Die betroffenen Bäume und Sträucher erhalten keinen Sommerschnitt.

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