Löwenzahn – eine Heilpflanze der Volksmedizin
Taraxacum officinale
🌿 Löwenzahn – Auf einen Blick
- Familie: Korbblütler (Asteraceae)
- Wuchshöhe: 10 bis 50 cm
- Blütezeit: März bis Oktober
- Verwendete Pflanzenteile: Wurzelstock, Blätter, Saft
- Wichtig: nicht bei Korbblütler-Allergie, Gallensteinen, Gallenwegs- oder Lebererkrankungen; bei Nierenversagen, Herzschwäche oder Diabetes meiden
Volksmund: Kuhblume, Gewöhnlicher Löwenzahn
Löwenzahn von Isidre, CC BY-SA 4.0
Steckbrief von Löwenzahn
| Wissenschaftlicher Name | Taraxacum officinale Kirschner, H.Øllg. & Štěpánek |
|---|---|
| Familie | Korbblütler (Asteraceae) |
| Wuchshöhe | 10 bis 50 cm |
| Verwendung | innerlich und äußerlich |
Im Altertum war der Löwenzahn vermutlich noch nicht als Heilpflanze bekannt, denn vor dem 15. Jahrhundert wird er von keinem Botaniker oder Arzt erwähnt. Hieronymus Bock führt erstmals im Jahr 1546 die harntreibenden Eigenschaften des Löwenzahns an, für Tabernaemontanus, einen Apotheker des 16. Jahrhunderts, stellte der Löwenzahn ein unvergleichliches Wundkraut dar. Damals wurde die vor der Blütezeit gesammelte Wurzel mit dem oberirdischen Teil der Pflanze in der Naturheilkunde verwendet. Der Löwenzahn ist auch heute noch eine sehr beliebte Heilpflanze. Er wird zur Behandlung zahlreicher Krankheiten und Beschwerden benutzt. Dem Löwenzahn wird zugeschrieben, dass er die Gallensekretion fördert und harntreibend wirkt. Besonders bei der ländlichen Bevölkerung wird der Löwenzahn als blutreinigendes und magenwirksames Mittel, bei Leber- und Gallenleiden, bei chronischen Ekzemen und anderem mehr verwendet. Seine Blätter werden in manchen Gegenden zu einem schmackhaften Salat angerichtet. Die im Spätsommer gestochene Wurzel wurde früher geröstet und diente nach dem Krieg als Kaffee-Ersatz.
Je nach Standort wird der ausdauernde Löwenzahn 10 bis 50 cm hoch. Die Pflanze bildet einen pfahlwurzelähnlichen Wurzelstock. Die in einer grundständigen Rosette angeordneten Blätter sind tief eingeschnitten bis fiederteilig, mit dreieckigen Abschnitten. Die Blütezeit des Löwenzahns erstreckt sich von März bis Oktober. Die großen, gelben Blütenköpfe stehen einzeln, endständig auf einfachen, hohlen, kahlen Stielen. Die gesamte Pflanze bildet Milchsaft. Der Geschmack des Löwenzahns, besonders der älteren Blätter, ist bitter.
Standort von Löwenzahn
Der Löwenzahn wächst im gesamten europäischen Raum. Man findet den Löwenzahn bis in Höhenlagen von etwa 2000 m.
Heilkraft von Löwenzahn
In der Volksmedizin werden dem Löwenzahn folgende Eigenschaften zugeschrieben:
- abführend
Abführend (laxierend) nennt man Mittel, die den Stuhlgang bzw. die Darmentleerung fördern.
- appetitanregend
Appetitanregend wirken vor allem Bitterstoffe: Sie regen über die Geschmacksknospen reflexartig die Bildung von Speichel und Magensaft an.
- blutreinigend
„Blutreinigend“ ist ein Begriff der Volksmedizin für Mittel, die das Blut von Schadstoffen befreien sollen; die Fachmedizin verwendet ihn nicht, entgiftet wird über Leber und Nieren.
- gallensekretionsfördernd
Gallensekretionsfördernd (choleretisch) heißt, dass die Leberzellen mehr Galle absondern.
- harntreibend
Harntreibend (diuretisch) heißt, dass die Harnbildung in den Nieren verstärkt und mehr Urin ausgeschieden wird.
- magenwirksam
Magenwirksam nennt man Mittel, die am Magen ansetzen, etwa indem sie die Bildung von Magensaft anregen.
- verdauungsfördernd
Ein verdauungsförderndes Mittel (Digestivum) soll die Verdauung unterstützen.
- tonisch
Tonisch heißt stärkend: Ein Tonikum ist ein Mittel, das den Körper oder einzelne Organe kräftigen soll.
Außerdem gilt der Löwenzahn als Mittel gegen Skorbut.
Verwendete Pflanzenteile von Löwenzahn
In der Naturheilkunde benutzt man von dem Löwenzahn den Wurzelstock, die im Frühjahr gesammelten Blätter und den im Herbst gewonnenen Saft. Die Blüten sind essbar.
Inhaltsstoffe von Löwenzahn
Wichtige Inhaltsstoffe dieser Heilpflanze sind Inulin, Gerbstoff, Bitterstoff, Xanthophylle, ätherisches Öl, Cholin, Provitamin A, Vitamine B und C sowie Mineralsalze.
Anwendung von Löwenzahn
Der Löwenzahn wird in der Pflanzenheilkunde innerlich und äußerlich angewendet. Anwendungen mit dem Löwenzahn in der Naturheilkunde finden Sie auf diesen Seiten:
- Asthenie
Stärkende Kräuter und Hausmittel bei allgemeiner Kraftlosigkeit und Schwäche.
- Cholesterin
Pflanzen und Ernährungstipps, die einen gesunden Cholesterinspiegel unterstützen können.
- Fettleibigkeit
Pflanzliche Hilfen und Ernährungstipps, die beim Abnehmen unterstützen können.
- Frühjahrskur
Frische Kräuter und Hausmittel für eine belebende Frühjahrskur.
- Gallensteine
Überlieferte Hausmittel, die eine ärztliche Behandlung von Gallensteinen begleiten können.
- Gelbsucht
Leberfreundliche Heilpflanzen, die bei Gelbsucht begleitend genannt werden.
- Gesichtsfarbe
Natürliche Hausmittel für einen frischen, ebenmäßigen Teint.
- Gicht
Kräuter und Ernährungstipps, die bei Gicht begleitend eingesetzt werden.
- Hämorrhoiden
Sitzbäder und Kräutersalben, die Hämorrhoidenbeschwerden lindern können.
- Hautprobleme
Überblick über Hausmittel, die bei verschiedenen Hautproblemen pflegend wirken können.
- Krampfadern
Venenstärkende Kräuter und kühlende Anwendungen, die bei Krampfadern entlasten können.
- Leber
Leberfreundliche Heilpflanzen und Bitterstoffe, die die Leberfunktion unterstützen können.
- Nierensteine
Durchspülende Kräutertees, die bei Nierensteinen begleitend eingesetzt werden.
- Rheumatismus
Wärmeanwendungen und Kräuter, die rheumatische Beschwerden lindern können.
- Sommersprossen
Aufhellende Hausmittel aus der Naturkosmetik, mit denen Sommersprossen verblassen sollen.
- Steinerkrankungen
Überlieferte Kräuter, die bei Nieren- und Gallensteinen begleitend genannt werden.
- Verstopfung
Ballaststoffreiche Hausmittel und Kräuter, die bei Verstopfung die Verdauung anregen können.
- Warzen
Überlieferte Hausmittel, die traditionell bei Warzen angewendet werden.
⚠️ Hinweis: Bei Gallensteinen, Gallenwegsverschluss oder -entzündung und Lebererkrankungen ist Löwenzahn laut EMA nicht geeignet – siehe Sicherheitshinweise.
⚠️ Hinweis: Bei Nierenversagen, Herzschwäche oder Diabetes laut EMA wegen möglicher erhöhter Kaliumwerte meiden – siehe Sicherheitshinweise.
⚠️ Hinweis: Bei Überempfindlichkeit gegen Korbblütler (Asteraceae) nicht anwenden – siehe Sicherheitshinweise.
ℹ️ Hinweis: Halten die Beschwerden länger als zwei Wochen an, sollte ärztlicher Rat eingeholt werden – siehe Sicherheitshinweise.
Quellen
Grundlage der bisherigen Texte:
- Geheimnisse und Heilkräfte der Pflanzen. Verlag Das Beste, ISBN-10: 3716600261
- Der Kosmos Heilpflanzenführer: Über 600 Heil- und Giftpflanzen Europas, Franckh Kosmos Verlag, ISBN-10: 3440162680
- RHS Die große Pflanzen-Enzyklopädie von A – Z, DK Verlag Dorling Kindersley, ISBN-10: 3831017298
- Wikipedia - Heilpflanze
- Wikipedia - Liste von Heilpflanzen
- Gewöhnlicher Löwenzahn - Wikipedia
- Das große Lexikon der Heilpflanzen: 550 Pflanzen und ihre Anwendungen, Dorling Kindersley Verlag GmbH, ISBN 3831032327
Häufige Fragen zu Löwenzahn
Seit wann ist der Löwenzahn als Heilpflanze bekannt?
Im Altertum war der Löwenzahn vermutlich noch nicht als Heilpflanze bekannt, denn vor dem 15. Jahrhundert wird er von keinem Botaniker oder Arzt erwähnt. Hieronymus Bock führt erstmals im Jahr 1546 die harntreibenden Eigenschaften des Löwenzahns an.
Wie sieht der Löwenzahn aus?
Je nach Standort wird der ausdauernde Löwenzahn 10 bis 50 cm hoch. Die in einer grundständigen Rosette angeordneten Blätter sind tief eingeschnitten bis fiederteilig, mit dreieckigen Abschnitten. Die großen, gelben Blütenköpfe stehen einzeln, endständig auf einfachen, hohlen, kahlen Stielen.
Kann man Löwenzahn essen?
Seine Blätter werden in manchen Gegenden zu einem schmackhaften Salat angerichtet. Die Blüten sind essbar. Die im Spätsommer gestochene Wurzel wurde früher geröstet und diente nach dem Krieg als Kaffee-Ersatz.
Wer sollte Löwenzahn nicht anwenden?
Wer überempfindlich auf Löwenzahn oder andere Korbblütler (Asteraceae) reagiert, sollte ihn nicht anwenden. Bei Verschluss der Gallenwege, Gallenwegsentzündung, Lebererkrankungen, Gallensteinen und anderen Gallenleiden ist Löwenzahn nach beiden EMA-Monographien nicht geeignet, da er die Gallensekretion anregen kann.