Holunder – eine Heilpflanze der Volksmedizin
Sambucus nigra L.

ca. 6 Min. Lesezeit Aktualisiert: 

🌿 Holunder – Auf einen Blick

  • Familie: Moschuskrautgewächse (Adoxaceae)
  • Wuchshöhe: bis über 7 m
  • Blütezeit: Mai bis Juli
  • Verwendete Pflanzenteile: Blüten, reife Früchte und Blätter
  • Wichtig: rohe Beeren, Blätter, Rinde und Samen enthalten Sambunigrin; Beeren vor dem Verzehr erhitzen

Volksmund: Holder, Holler, Holderbusch

Schwarzer Holunder (Sambucus nigra) mit Dolden glänzend schwarzer Beeren an roten Stielen vor gefiederten, grünen Blättern

Holunder, Sambucus nigra von
H. Zell, CC BY-SA 3.0

Steckbrief von Holunder

Steckbrief des Holunders
Wissenschaftlicher Name Sambucus nigra L.
Familie Moschuskrautgewächse (Adoxaceae)
Wuchshöhe bis über 7 m
Verwendung innerlich und äußerlich

Bereits die alten Griechen und die Römer verwendeten den Schwarzen Holunder häufig. Im Aberglauben und im Volksbrauchtum spielte der Holderbusch eine wichtige Rolle. Aus diesem Grund findet man den Holunder oft in der Nähe von Dörfern, auf Bauernhöfen und am Rand von Bauerngärten. Früher pflanzte man die Holunderpflanze, um gute Hausgeister anzuziehen. Heute jedoch wird der Holunderstrauch besonders wegen seines intensiven, für die meisten Menschen unangenehmen Geruches in den Gärten kaum noch gezogen. Die Anwendung des Holunders in der Naturheilkunde ist vielfältig. Vor allem die Blüten und Beeren finden bei zahlreichen Anwendungen Verwendung. Die grüne Rinde wird ebenfalls benutzt, Anwendungen mit ihr sind jedoch selten. Früher benutzte man auch die giftigen Blätter des Holunders. Ein Aufguss der Blüten soll schweißtreibend wirken und wird bei fiebrigen Erkrankungen und Erkältungen verabreicht. Im Ausbackteig gewendet, ergeben die Holunderblüten eine wohlschmeckende Süßspeise. Aus den Früchten kann man Saft, Holundersuppe, Mus und Eingemachtes herstellen.

Der Holunder ist ein bis über 7 m hoher Strauch oder Baum. Die Rinde am Stamm ist hellbraun bis grau und warzig. Die Rinde der jungen Zweige ist grün gefärbt. Die leicht zerbrechlichen Zweige enthalten ein weißes, weiches Mark. Die Blätter des Holunders sind unpaarig, mit 5 bis 7 großen, länglichen Fiederblättchen gefiedert. Die Blattränder sind gesägt. Die Blütezeit des Holunders erstreckt sich von Mai bis Juli. Die weißen bis gelbweißen Blüten wachsen in Scheindolden mit meist 5 Hauptästen. Die Holunderbeeren sind schwarzviolett, ihr Geschmack ist säuerlich.

Standort von Holunder

Der Holunder wächst im gesamten europäischen Raum mit Ausnahme des hohen Nordens. Die Pflanze bevorzugt lichte Wälder und Gebüsche. Man findet den Holunder bis in Höhenlagen von etwa 1500 m.

Heilkraft von Holunder

In der Volksmedizin werden dem Holunder folgende Eigenschaften zugeschrieben:

  • abführend

    Abführend (laxierend) nennt man Mittel, die den Stuhlgang bzw. die Darmentleerung fördern.

  • blutreinigend

    „Blutreinigend“ ist ein Begriff der Volksmedizin für Mittel, die das Blut von Schadstoffen befreien sollen; die Fachmedizin verwendet ihn nicht, entgiftet wird über Leber und Nieren.

  • erweichend

    Erweichend nennt man Mittel, die bei einer Verstopfung des Darmtraktes eingesetzt werden.

  • harntreibend

    Harntreibend (diuretisch) heißt, dass die Harnbildung in den Nieren verstärkt und mehr Urin ausgeschieden wird.

  • schweißtreibend

    Schweißtreibend (diaphoretisch) nennt man Mittel, die das Schwitzen anregen.

Verwendete Pflanzenteile von Holunder

In der Naturheilkunde benutzt man von dem Holunder die essbaren Blüten, die reifen Früchte und die Blätter. Diese werden schonend im Schatten getrocknet.

Inhaltsstoffe von Holunder

Wichtige Inhaltsstoffe dieser Heilpflanze sind ätherisches Öl, Flavonoide, Gerbstoff, Schleim, Harz, Glykosid, Saponin, Alkaloid, organische Säuren, Zucker und die Vitamine A und C.

Anwendung von Holunder

Der Holunder wird innerlich und äußerlich angewendet. Anwendungen mit dem Holunder in der Naturheilkunde finden Sie auf diesen Seiten:

  • Abszess

    Überlieferte Umschläge und Kräuterauflagen, die bei Abszessen begleitend eingesetzt werden.

  • Augen

    Sanfte Kompressen und Kräuteranwendungen für müde und gereizte Augen.

  • Bronchitis

    Hustentees, Inhalationen und Brustwickel, die bei Bronchitis lindernd wirken können.

  • Frostbeule

    Wärmende Bäder und Salben, die bei Frostbeulen lindernd wirken können.

  • Gerstenkorn

    Warme Kompressen und Hausmittel, die ein Gerstenkorn am Auge lindern können.

  • Gicht

    Kräuter und Ernährungstipps, die bei Gicht begleitend eingesetzt werden.

  • Hämorrhoiden

    Sitzbäder und Kräutersalben, die Hämorrhoidenbeschwerden lindern können.

  • Hautprobleme

    Überblick über Hausmittel, die bei verschiedenen Hautproblemen pflegend wirken können.

  • Herz

    Herzfreundliche Heilpflanzen und Hausmittel für Herz und Kreislauf.

  • Insektenstich

    Kühlende Hausmittel, die Schwellung und Juckreiz nach Insektenstichen lindern können.

  • Karbunkel

    Traditionelle Umschläge, die bei Karbunkeln begleitend eingesetzt werden.

  • Leber

    Leberfreundliche Heilpflanzen und Bitterstoffe, die die Leberfunktion unterstützen können.

  • Nasenbluten

    Einfache Hausmittel und Handgriffe, die bei Nasenbluten helfen können.

  • Niere

    Nierentees und Hausmittel, die eine gesunde Nierenfunktion unterstützen können.

  • Rauchen aufhören

    Pflanzliche Helfer und Tipps, die den Rauchstopp erleichtern können.

  • Rheumatismus

    Wärmeanwendungen und Kräuter, die rheumatische Beschwerden lindern können.

  • Schwitzen

    Salbeitee und weitere Hausmittel, die übermäßiges Schwitzen regulieren können.

  • Tabakmissbrauch

    Pflanzliche Hilfen und Tipps, die den Verzicht auf Tabak erleichtern können.

  • Transpiration

    Hausmittel und Kräuter, die eine übermäßige Transpiration regulieren können.

⚠️ Hinweis: Rohe Holunderbeeren enthalten den Giftstoff Sambunigrin; sie müssen vor dem Verzehr kurz auf über 80 °C erhitzt werden – siehe Sicherheitshinweise.

Quellen

Grundlage der bisherigen Texte:

  • Geheimnisse und Heilkräfte der Pflanzen. Verlag Das Beste, ISBN-10: 3716600261
  • Der Kosmos Heilpflanzenführer: Über 600 Heil- und Giftpflanzen Europas, Franckh Kosmos Verlag, ISBN-10: 3440162680
  • RHS Die große Pflanzen-Enzyklopädie von A – Z, DK Verlag Dorling Kindersley, ISBN-10: 3831017298
  • Wikipedia - Heilpflanze
  • Wikipedia - Liste von Heilpflanzen
  • Schwarzer Holunder - Wikipedia
  • Das große Lexikon der Heilpflanzen: 550 Pflanzen und ihre Anwendungen, Dorling Kindersley Verlag GmbH, ISBN 3831032327

Für die Überarbeitung gelesen:

  • Wikipedia – Schwarzer Holunder (Höhenverbreitung „bis in die mittlere Gebirgslage von etwa 1500 m“, gelesen am 13.10.2026; Blütezeit „Ab Mai bis in den Juli“, gelesen am 14.10.2026)

Häufige Fragen zu Holunder

Wofür wurde der Holunder früher verwendet?

Im Aberglauben und im Volksbrauchtum spielte der Holderbusch eine wichtige Rolle. Früher pflanzte man die Holunderpflanze, um gute Hausgeister anzuziehen.

Welche Teile des Holunders werden verwendet?

Vor allem die Blüten und Beeren finden bei zahlreichen Anwendungen Verwendung. Die grüne Rinde wird ebenfalls benutzt, Anwendungen mit ihr sind jedoch selten.

Wie sieht der Holunder aus?

Der Holunder ist ein bis über 7 m hoher Strauch oder Baum. Die weißen bis gelbweißen Blüten wachsen in Scheindolden mit meist 5 Hauptästen. Die Holunderbeeren sind schwarzviolett, ihr Geschmack ist säuerlich.

Sind rohe Holunderbeeren giftig?

Rohe Holunderbeeren enthalten den Giftstoff Sambunigrin und können Erbrechen, Durchfall und Schüttelfrost auslösen. Sie müssen vor dem Verzehr kurz auf über 80 °C erhitzt werden; unreife Früchte enthalten deutlich mehr Giftstoff.