Die Geschichte des Kräutergartens

Schon in der frühen Geschichte wussten Menschen um die Heilkräfte von Kräutern. Damals wurden die Kräuter in der Natur gesammelt. Erst als der Mensch sesshaft wurde, begann die Zeit der angelegten Kräutergärten. Archäologen fanden bei Ausgraben am Bodensee angelegte Kräutergärten. Die Gärten in Pfahlbauten, die vor etwa 3.000 Jahren errichtet wurden, waren eher bescheiden. Die Ausgrabungen brachten Reste von Kümmel, Angelika und Mohn hervor.

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An Tempeln in Ägypten, die rund 4000 Jahre alt sind, fand man Kräutergärten. Es wird davon ausgegangen, dass diese Kräuter für religiöse Feste und ähnliches verwendet wurden.

Im Laufe der Geschichte wurden in Deutschland nicht nur heimische Kräuter angebaut, sondern Kräuter anderer Länder wurden von Mönchen und Legionären mitgebracht. Heute besteht ein Kräutergarten oftmals aus einer Mischung von Pflanzen verschiedener Herkunft.

Vom Hag der Germanen bis zur Verordnung Karl des Großen

Der altgermanische Hag (Garten) war ein eingefasstes Grundstück, auf dem sich Sträucher, Bäume und Kräuter befanden. Die Pflanzen stammten aus der Umgebung und wurden noch nicht kultiviert: Man ließ sie einfach wild wachsen. Oft wurden diese Kräutergärten durch eine Hecke aus Holunder, Haselstrauch, Weißdorn oder Schlehe geschützt, denn diesen Pflanzen sagte man nach, dass sie böse Geister und Krankheiten abwehrten.

Als die Römer in Germanien eindrangen, wandelten sich die Kräutergärten, denn Legionäre und Mönche brachten Kräuter wie Salbei, Rosmarin und Lavendel mit. Die Römer legten Gärten mit Heil- und Würzkräutern sowie mit Nutzgärten und Blumenbeeten an. Als das Weltreich unterging, wurde diese Art von Gartenanbau lange Zeit nicht weitergeführt.

Im neunten Jahrhundert war es dann Karl der Große, der für seine Landgüter eine Verordnung erließ. Die „Capitulare de villis vel curtis imperii“ enthielt genaue Vorschriften, wie die Krongüter zu verwalten waren. Die ländlichen Betriebe sollten nach römischem Vorbild geregelt werden.

Der letzte Abschnitt dieser Verordnung enthielt eine Aufführung aller Pflanzen, die in den Gärten der Landgüter angebaut werden sollten. Darunter befanden sich unter anderem Heilpflanzen aus Südeuropa wie Salbei, Diptam und Rosmarin. Auch wilde Kräuter wurden für den Gartenbau verwendet, beispielsweise Beifuß oder Wermut. Laut Verordnung sollte in den königlichen Gärten ein umfangreiches Sortiment an Heil- und Gewürzpflanzen angebaut werden. Dazu zählten neben den oben genannten Kräutern auch Bohnenkraut, Anis, Dill, Fenchel, Eberraute, Kresse, Kümmel, Koriander, Knoblauch, Petersilie, Minze und andere Pflanzen.

Klostergärten des frühen Mittelalters

In den angelegten Klostergärten gab es in der Regel einen Gemüsegarten, einen Obst- und Baumgarten und einen Arzneigarten. So wurden einige Blumen nicht wegen ihres schönen Aussehens gepflanzt, sondern aufgrund der angenommenen oder tatsächlichen Heilwirkungen.

Klostergarten

Die Klöster waren Heilstätten für Ordensmitglieder, Reisende und für die Bevölkerung, die in der Nähe des Klosters wohnten. Die Benediktinermönche brachten beispielsweise Heilpflanzen wie Anis, Liebstöckel, Eibisch und Malve aus dem mediterranen Raum mit und ebenso das Wissen über deren Heilkräfte. Die Mönche sammelten Wildkräuter, um sie in deren Gärten zu kultivieren.

Bekannt ist unter anderem der Kräutergartenplan des Klosters in St. Gallen von 820. Im Klostergarten gab es sechzehn Beete mit Arzneipflanzen – neben Gemüse und Obst.

Ebenso bekannt ist die Äbtissin Hildegard von Bingen vom Kloster Ruprechtsberg. Ihr Buch „Physica“ erschien 1150 und dort sind mehr als zweihundert Früchte, Kräuter und Gräser samt Heilwirkungen und Nährwerten aufgeführt.

Die Gärten der Klöster dominierten lange Zeit in den Bereichen Kräuterkunde und Medizin. Später, ab dem 14. Jahrhundert, übernahmen Pharmazeuten, Ärzte und Botaniker die Aufgabe, sich mit Heilpflanzen zu beschäftigen. Die Kultur der Klostergärten verfiel nach und nach. Die heutigen Klostergärten sind größtenteils neu angelegt worden. Apothekergärten gab es bis zum 19. Jahrhundert. Danach ermöglichte der Handelsverkehr den größeren Vertrieb von Arzneipflanzen, die nun mehr und mehr von Handelsbetrieben angebaut wurden.

Spätes Mittelalter: Kräutergärten von Bürgern und Bauern

Die Buchdruckerkunst hat dafür gesorgt, dass ab dem späten Mittelalter Kräutergärten von Bauern und Bürgern angelegt wurden, da sich das Heilwissen der Pflanzen verbreiten konnte. Neben Hildegard von Bingen trugen die Bücher von Petrus Andreas Mathiolus, Jacobus Theodorus Tabernaermontanus, Hieronymus Bock, Leonhard Fuchs und Otho Brunfels dazu bei, dass immer mehr Heilkräuter in den Bürger- und Bauergärten kultiviert wurden. Ein Bauerngarten oder die Nutzgärten der Bürger waren ähnlich angelegt wie die früheren Klostergärten, natürlich im kleineren Stil und die Gartengestaltung war nicht einheitlich gleich, sondern richtete sich nach der Größe des Gartens und den zur Verfügung stehenden Freiflächen für einen Nutz- und Kräutergarten.

Daneben gab es bereits im 17. Jahrhundert Schulgärten, in denen die Kinder Gartenarbeit lernten und ebenso einzelne Pflanzen studierten.

Kräutergärten vom 20. Jahrhundert bis heute

Mit Beginn des Industriezeitalters spielten Kräutergärten eine stetig geringere Bedeutung. Zum einen wollte man modern sein und Oma´s Kräutergarten wurde als altmodisch empfunden und zum anderen erhöhten sich die Grundstückspreise, sodass die Gärten immer kleiner wurden. Die Bürger wollten diese kleinen Gärten lieber mit Blumen verzieren, statt sich in der Freizeit mit dem Anbau von Kräutern und Nutzpflanzen zu beschäftigen.

Heute nimmt der Anbau von Kräutergärten wieder zu, da mehr Wert auf Naturheilmittel und natürliche, gesunde Ernährung gelegt wird. In immer mehr Gärten oder auf Balkons findet man Küchen- und Heilkräuter vor.