Minzen – Heilpflanzen der Volksmedizin
Mentha L.

ca. 10 Min. Lesezeit Aktualisiert: 

🌿 Minzen – Auf einen Blick

  • Familie: Lippenblütler (Lamiaceae)
  • Wuchshöhe: 10 bis 50 cm, Arten mit ährenförmigen Blütenständen bis 100 cm
  • Blütezeit: Sommer
  • Verwendete Pflanzenteile: Blätter und blühende Triebe
  • Wichtig: Poleiminze gilt als giftig (Pulegon); Pfefferminzblätter nicht bei Reflux, Vorsicht bei Gallensteinen
Pfefferminze (Mentha × piperita): aufrechte Triebe mit gegenständigen, gesägten Blättern

Pfefferminze (Mentha × piperita), Foto: Simon, CC BY-SA 3.0

Steckbrief von Minzen

Steckbrief der Minzen
Wissenschaftlicher NameMentha L.
FamilieLippenblütler (Lamiaceae)
Wuchshöhe10 bis 50 cm
Verwendunginnerlich und äußerlich

Der Name Minze bzw. der lateinische Gattungsname Mentha leitet sich vom griechischen minthe, dem Namen einer Nymphe ab. Diese wurde der Sage nach von der eifersüchtigen Proserpina in diese Pflanze verwandelt. Minzen wurden bereits im Altertum als Heilpflanzen und als Gewürz sehr geschätzt. So rühmten die Chinesen die beruhigenden und krampflösenden Eigenschaften dieser Heilpflanzen. Hippokrates sah in der Minze ein Aphrodisiakum, und Plinius lobte ihre schmerzlindernde Wirkung. Die Gattung Mentha ist aufgrund der starken Neigung zur Bastardierung ihrer Arten eine der am schwierigsten zu katalogisierenden Pflanzen unserer Flora.

Mojito-Minze (Mentha nemorosa): buschige Pflanze mit rundlich-eiförmigen, behaarten Blättern

Mojito-Minze, Mentha Nemorosa

Von den Minzen existieren zahlreiche Zwischenformen. Die Arten der Gattung Mentha lassen sich aber grob in zwei große Gruppen einordnen. In der ersten Gruppe sind die Blüten in stockwerkartig übereinanderstehenden Scheinquirlen in den Achseln der Blätter vereinigt. In der zweiten Gruppe schließt der Stängel mit einem ährenartigen, blattlosen Blütenstand ab. Minzen werden in der Naturheilkunde innerlich bei Koliken, Magenkatarrh, Blähung, Unterleibskrämpfen und zur Einschränkung der Milchsekretion verwendet. Äußerliche Anwendungen sind der Zusatz für Bäder sowie der Einsatz von minzhaltigem Mundwasser. In großen Dosen sind die Minzen nicht ungefährlich. Zwar sind bei der kultivierten Pfefferminze (M. piperita L.) kaum Vergiftungen zu erwarten, dagegen ist die Poleiminze sehr gefährlich.

Merkmale aller Minzen

Die Minzen haben kreuzweise gegenständig angeordnete Laubblätter. Diese sind, je nach Art, breiteiförmig bis lanzettlich geformt. Die Blattränder sind gesägt bis gekerbt. Während der sommerlichen Blütezeit bilden die Minzen zahlreiche violett, rosa bis weißlich gefärbte Blüten in Scheinquirlen.

1. Minzen mit ährenförmigen Blütenständen

Die Minzen aus dieser Gruppe erreichen oft eine Wuchshöhe von bis zu 100 cm. Die Stängel wachsen aufrecht. Die Blätter sind sitzend, bei manchen Arten sind die unteren Blätter kurz gestielt. Die sich während des Sommers bildenden Blüten wachsen in langen schlanken, endständigen, aus zahlreichen Blütenquirlen bestehenden Ähren.

Grüne Minze (Mentha spicata var. crispa): Triebe mit krausen, gesägten Blättern

Grüne Minze (Mentha spicata var. crispa)
Foto: H. Zell, CC BY 3.0

Rundblättrige Minze (Mentha suaveolens Ehrh.)

Die Mentha suaveolens bildet rundliche bis eiförmige, netzrunzelige Blätter. Die Blattränder sind kerbig gezähnt. Die Blattunterseiten sind mit krausen Haaren filzig bewachsen. Die weißlichen bis schmutzig rosafarbenen Blüten haben einen kugelig-glockigen Kelch mit kurzen, dreieckig-lanzettlichen Zähnen. Die Stängel der Rundblättrigen Minze sind weichhaarig-zottig. Der Geruch dieser Minzen ist stark.

Grüne Minze (Mentha spicata L. emend. Hadey)

Die Grüne Minze wird in Gärten kultiviert, gelegentlich findet man diese Minze auch verwildert. Die Pflanze ist fast oder ganz kahl. Die Blattober- und Blattunterseiten sind grün, die Blätter wachsen ungestielt sitzend. Auf den Blattunterseiten erkennt man stark vortretende Nerven. Der Blütenkelch einer Grünen Minze ist kahl und mit pfriemlichen Zähnen versehen. Der Geruch der Grünen Minze ist angenehm, stark.

Pfefferminze (Mentha × piperita L.)

Die Pfefferminze wird wie auch die Grüne Minze in Gärten kultiviert, gelegentlich findet man die Pfefferminze auch verwildert. Pfefferminzen sind fast oder ganz unbehaart. Die Blattober- und Blattunterseiten sind grün, die Blätter wachsen gestielt. Auf den Blattunterseiten erkennt man kräftig konturierte Nerven. Der Blütenkelch einer Pfefferminze ist kahl und mit pfriemlichen Zähnen versehen. Der Geruch der Pfefferminze ist angenehm, kräftig. Der Pfefferminze sehr ähnlich ist die Grüne Minze (Mentha spicata L. emend. Hadey). Die Blätter der Grünen Minze wachsen aber ungestielt. Mehr zu dieser Art: Echte Pfefferminze.

Krauseminze (Mentha spicata L. var. crispata Schrad.)

Die Krauseminze wird kultiviert und ist nur sehr selten verwildert zu finden. Die Art ist mit der Grünen Minze verwandt. Die krausen Blätter sind breit-eiförmig. Die Blattränder sind tief gesägt-eingeschnitten, mit gedrehten Zähnen. Die Blattunterseiten sind grau.

Roßminze (Mentha longifolia (L.) Huds. emend. Hadey)

Die Roßminze hat ähnlich wie die Rundblättrige Minze weichhaarig-zottig bewachsene Stängel. Die Blätter der Roßminzen sind länglich-lanzettlich geformt. Die Blattränder sind scharf gesägt. Der Kelch ist zur Fruchtzeit oben eingeschnürt.

2. Minzen mit Blütenquirlen in den Blattachseln gestielter Blätter

Die in diese Gruppe eingeordneten Minzen werden selten höher als 50 cm. Die Stängel wachsen niederliegend bis aufsteigend und enden mit Blattbüschel oder mit kopfig gehäuften Blütenquirlen. Die Kronen sind innen mit einem Haarring bewachsen, nur bei der Poleiminze ist dieser Haarring schwach entwickelt. Der Geruch der Minzen dieser Gruppe ist aromatisch und angenehm.

Nanaminze (Mentha spicata var. crispa): dicht beblätterte Triebe mit hellgrünen, gesägten Blättern

Mentha spicata ’var.’ crispa, Nanaminze
Foto: H. Zell, CC BY-SA 3.0

Poleiminze (Mentha pulegium L.)

Die Stängel der Poleiminze enden mit einem Blattbüschel. Die kleinen, kurz gestielten Blätter sind elliptisch und bis ca. 3 cm lang. Der Blattrand ist schwach gesägt bis ganzrandig. Die Blätter sind zerstreut und anliegend behaart. Der Kelch ist fast zweilippig und innen stark behaart. Die Krone ist innen nur schwach behaart. Zur Giftigkeit der Poleiminze siehe Sicherheit.

Ackerminze (Mentha arvensis L.)

Diese robuste Minze kann man an feuchten wie auch an trockenen Standorten finden. Die liegenden bis aufsteigenden Stängel enden mit einem Blattbüschel. Die eiförmig bis lanzettlich geformten, anliegend behaarten Blätter erreichen eine Größe von bis zu 8 cm. Die Blattränder der Ackerminze sind schwach gesägt bis gekerbt. Der behaarte Kelch ist glockig mit 5 gleichen, kurzen, dreieckigen Zähnen.

Wasserminze (Mentha aquatica L.)

Die Stängel der Wasserminze wachsen aufrecht und enden mit einem Blattbüschel. Die eiförmig bis lanzettlich geformten, anliegend behaarten Blätter erreichen eine Größe von bis zu 7 cm. Die Blattränder der Wasserminze sind schwach gesägt bis gekerbt. Die Blütenquirle am Ende des Stängels sind kopfig gehäuft, darunter findet man meist noch 1-2 Quirle in den Blattachseln. Der behaarte Kelch bildet sich aus 5 gleichartigen, schmal dreieckigen Zähnen.

Standort von Minzen

Die Minzen wachsen im gesamten europäischen Raum. Die Pflanze bevorzugt feuchte bis nasse Standorte. Einige Minzenarten wachsen aber auch sehr gut auf trockenen Untergründen. Man findet die Minzen bis in Höhenlagen von etwa 1800 m.

Heilkraft von Minzen

In der Volksmedizin werden den Minzen folgende Eigenschaften zugeschrieben:

  • antiseptisch

    Antiseptisch bzw. keimtötend nennt man Mittel, die an Haut, Schleimhaut oder Wunden Krankheitserreger abtöten oder hemmen und so Wundinfektionen verhindern sollen.

  • gallentreibend

    Gallentreibend ist ein älterer, unscharfer Begriff (Cholagogum) für Mittel, die den Gallefluss fördern sollen.

  • krampflösend

    Krampflösend (spasmolytisch) heißt, dass die Spannung der glatten Muskulatur gesenkt oder ihre Verkrampfung gelöst wird.

  • schmerzlindernd

    Schmerzlindernd (analgetisch) nennt man Stoffe, die die Schmerzwahrnehmung dämpfen, ohne das Bewusstsein zu beeinträchtigen.

  • stimulierend (anregend)

    Stimulierend (anregend) heißt, dass die Tätigkeit der Nerven verstärkt, beschleunigt oder verbessert wird.

  • tonisch

    Tonisch heißt stärkend: Ein Tonikum ist ein Mittel, das den Körper oder einzelne Organe kräftigen soll.

  • magenwirksam

    Magenwirksam nennt man Mittel, die am Magen ansetzen, etwa indem sie die Bildung von Magensaft anregen.

  • verdauungsfördernd

    Ein verdauungsförderndes Mittel (Digestivum) soll die Verdauung unterstützen.

  • windtreibend

    Windtreibend (karminativ) nennt man Mittel gegen Blähungen.

Außerdem gelten die Minzen als betäubend.

Verwendete Pflanzenteile von Minzen

In der Naturheilkunde benutzt man von den Minzen die Blätter und die blühenden Triebe. Gesammelte Pflanzen werden zu Sträußen zusammengebunden und kopfüber rasch und schonend im Schatten getrocknet.

Inhaltsstoffe von Minzen

Wichtige Inhaltsstoffe dieser Heilpflanzen sind ätherische Öle mit Mentholverbindungen und Gerbstoffe.

Anwendung von Minzen

Die Minze wird innerlich und äußerlich angewendet. Anwendungen mit den Minzen in der Naturheilkunde finden Sie auf diesen Seiten:

  • Appetit steigern

    Bitterstoffe und Kräuter, die traditionell zur Anregung des Appetits genutzt werden.

  • Asthma

    Naturheilkundliche Hausmittel, die eine ärztliche Asthmatherapie ergänzen können.

  • Blähungen

    Kräutertees und sanfte Hausmittel, die den Magen-Darm-Trakt beruhigen können.

  • Badetherapie

    Kräuterbäder und ihre Anwendung in der traditionellen Naturheilkunde.

  • Husten

    Hustentees, Sirupe und Wickel, die Reizhusten und festsitzenden Husten lindern können.

  • Kolik

    Krampflösende Tees und Wärme, die bei Koliken wohltuend wirken können.

  • Lunge

    Heilpflanzen und Hausmittel, die Lunge und Bronchien unterstützen können.

  • Magenbeschwerden

    Beruhigende Tees und Hausmittel für einen empfindlichen Magen.

  • Migräne

    Pflanzliche Hausmittel und Entspannung, die bei Migräne unterstützend wirken können.

  • Mund

    Mundspülungen und Kräuter für eine gesunde Mundhöhle.

  • Schluckauf

    Bewährte Hausmittel und Tricks, die einen hartnäckigen Schluckauf beenden können.

  • Verdauungsprobleme

    Kräuter und Hausmittel, die eine träge oder gestörte Verdauung unterstützen können.

ℹ️ Hinweis: Bei Gallensteinen und anderen Erkrankungen der Gallenwege sollen Pfefferminzblätter laut EMA mit Vorsicht angewendet werden – siehe Sicherheitshinweise.

Quellen

Grundlage der bisherigen Texte:

  • Geheimnisse und Heilkräfte der Pflanzen. Verlag Das Beste, ISBN-10: 3716600261
  • Der Kosmos Heilpflanzenführer: Über 600 Heil- und Giftpflanzen Europas, Franckh Kosmos Verlag, ISBN-10: 3440162680
  • RHS Die große Pflanzen-Enzyklopädie von A – Z, DK Verlag Dorling Kindersley, ISBN-10: 3831017298
  • Wikipedia - Heilpflanze
  • Wikipedia - Liste von Heilpflanzen
  • Minzen - Wikipedia
  • Das große Lexikon der Heilpflanzen: 550 Pflanzen und ihre Anwendungen, Dorling Kindersley Verlag GmbH, ISBN 3831032327

Für die Überarbeitung gelesen:

Häufige Fragen zu Minzen

Woher hat die Minze ihren Namen?

Der Name Minze bzw. der lateinische Gattungsname Mentha leitet sich vom griechischen minthe, dem Namen einer Nymphe ab. Diese wurde der Sage nach von der eifersüchtigen Proserpina in diese Pflanze verwandelt.

Woran erkennt man Minzen?

Die Minzen haben kreuzweise gegenständig angeordnete Laubblätter. Diese sind, je nach Art, breiteiförmig bis lanzettlich geformt. Die Blattränder sind gesägt bis gekerbt. Während der sommerlichen Blütezeit bilden die Minzen zahlreiche violett, rosa bis weißlich gefärbte Blüten in Scheinquirlen.

Wo wachsen Minzen?

Die Minzen wachsen im gesamten europäischen Raum. Die Pflanze bevorzugt feuchte bis nasse Standorte. Einige Minzenarten wachsen aber auch sehr gut auf trockenen Untergründen.

Welche Teile der Minzen werden verwendet?

In der Naturheilkunde benutzt man von den Minzen die Blätter und die blühenden Triebe.

Ist die Poleiminze giftig?

Die Poleiminze (Mentha pulegium) gilt in allen Pflanzenteilen als wenig giftig bis giftig; ihr ätherisches Öl besteht zu 80 bis 94 % aus Pulegon. Wegen leberschädigender Wirkungen des Pulegons wird vom Gebrauch als Tee abgeraten, vor allem in der Schwangerschaft.